Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 28: Kreislauf im Keller

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Kreislauf im Keller

Eine Ihnen bekannte 38jährige Kundin berichtet beim Einlösen eines PPI-Rezeptes, dass bei dem aktuell schwülen Wetter ihr Kreislauf „im Keller“ sei. „Gibt es da vielleicht etwas homöopathisches, mit dem ich die Behandlung unterstützen könnte?“, werden Sie gefragt.

Ihre Nachfrage

Auf Ihre Nachfrage berichtet die Patientin, dass sie das Problem jedes Jahr im Sommer habe, wenn es schwül sei. Ihrem Arzt ist das Problem bekannt. Sie habe meist einen eher niedrigen Blutdruck. Und ja – auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achte sie sehr. Aber bei stickiger Luft in nicht klimatisierten Räumen und hohen Temperaturen sei ihr schwindelig, sie fühle sich schweißig, auch entwickle sich ein Unwohlsein mit zunehmender Übelkeit.

Ihre Beratung

Ihr Angebot einer Blutdruckmessung nimmt die Kundin gerne an. Sie hat einen Blutdruck von 100/70; bei dieser elektronischen Messung zeigt sich ein regelmäßiger Puls von 76/min. Mit ihren Hinweisen hat die Kundin geradezu klassisch die Causa (=Ursache/Auslöser) und die Leitsymptome von Tabacum beschrieben. Nicotiana tabacum wie die Bezeichnung im HAB (Homöopathisches Arzneibuch) lautet, wird bei der Causa heiße, stickige Luft, schlecht gelüftete Räume mit folgenden Leitsymptomen eingesetzt:

  • ausgeprägtes Schwindel, Gefühl unscharf zu sehen;
  • blasses Gesicht, kalter, klebriger Schweiß,
  • extreme Übelkeit, fühlt sich „sterbenselend“,
  • an Händen und Füßen treten Kribbeln und Kältegefühl auf.
  • Und: Sobald wieder frische, kühle Luft eingeatmet wird, fühlen sich Betroffene schlagartig besser.
  • Tabacum ist ein Akutmittel, kann aber bei heißen, schwülen Temperaturen auch zwei bis drei Wochen lang eingenommen werden: Akut: Tabacum D6, alle ein bis zwei Minuten mehrfach nacheinander fünf Globuli, bei Besserung stündliche Anwendung, bedarfsweise weiter einnehmen mit 3-mal täglich fünf Globuli
  • Tabacum D6 kann auch Kindern und Schwangeren bei den genannten Leitsymptomen empfohlen werden. 

Zur Unterscheidung

Ein den Kreislauf stabilisierendes Arzneimittel ist auch Veratrum album, der weiße Germer. Es ist ebenfalls ein Akutmittel, weil es eine unmittelbar spürbare Wirkung zeigt, wenn

  • eine hochakute Kreislaufschwäche besteht (=Causa), auch wenn kein eigentlicher Auslöser bekannt ist.
  • Typische Leitsymptome sind:
  • kalter Schweißausbruch, starker Schwindel,
  • fühlt sich erschöpft,
  • blasses Gesicht,
  • Kältegefühl am ganzen Körper. 

Bei einem akuten Kollaps bzw. Kreislaufschwäche ist eine erste Maßnahme: Beine hochlegen und Veratrum album D6 in der oben geschilderten Akutdosierung geben. Darüberhinaus bewährt sich Veratrum album, wenn die hochakuten Kreislaufbeschwerden in einem Zusammenhang (=Causa) stehen mit

  • schmerzhafter Periodenblutung mit Bauchkrämpfen,
  • akutem Brechdurchfall. 

Selbstverständlich muss bei einem akuten Durchfall bzw. Brechdurchfall der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgeglichen werden; dies gilt insbesondere für (Klein)-Kinder und ältere Menschen. Und natürlich kann Veratrum album als Add-on zu einem auch ärztlich verordneten Antiemetikum oder Antidiarrhoikum empfohlen werden.

Und wenn unabhängig der geschilderten Auslöser der Blutdruck anhaltend zu niedrig ist, welches homöopathische Arzneimittel kommt dann in Frage? Das „Etilefrin der Homöopathie“ – Haplopappus, eine südamerikanische Pflanze, die sich in einer achtwöchigen Doppelblindstudie als wirkungsäquivalent zu Etilefrin erwiesen hat.

Haplopappus wird bei den klassischen Symptomen der Orthostase, des anhaltend zu niedrigen Blutdrucks und damit einhergehender Beschwerden eingesetzt:

  • mangelnde Leistungsfähigkeit, Erschöpfungsgefühl,
  • kann sich schlecht konzentrieren,
  • gedrückte Stimmung, fühlt sich müde,
  • immer wieder Kopfweh mit Benommenheitsgefühl,
  • Schwindel und Schwarzwerden vor den Augen beim längeren Stehen. 

Haplopappus D6, 3-mal tägl. 5 Globuli; nach einer dreiwöchigen Anwendung wird eine einwöchige Behandlungspause eingelegt, um danach die Einnahme fortzusetzen. Nach etwa drei Monaten kann die Behandlung beendet werden, um bei erneutem Auftreten von Beschwerden die Therapie fortzusetzen.

 

Unser Tipp

Unter www.hvkompass.de finden Sie weitere Informationen zu diesen homöopathischen Mitteln. Mit dem Online-Programm können Sie zudem apothekenindividuell eine Patienteninformation ausdrucken und dem Kunden mitgeben.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de