Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 29: Flugangst

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Eine Kundin mit Flugangst

Eine Kundin betritt die Apotheke mit einem Rezept über Amitriptylin 50 mg. Sie fragt, ob es auch ein homöopathisches Arzneimittel zur Linderung ihrer Flugangst gebe. Sie berichtet, dass sie zusammen mit einer Freundin einen einwöchigen Urlaub plane, jedoch Angst vor dem Fliegen habe. Und immer, wenn sie nervös sei, müsse sie ständig zur Toilette – nicht nur Wasser lassen, sondern habe dann auch Durchfall. Außerdem schwitze sie vor Nervosität, das Zittern der Hände könne sie kaum verbergen. Diese Beschwerden kenne sie auch unabhängig von der geplanten Urlaubsreise.

Add-on zu Amitriptylin

Grundsätzlich kann ein homöopathisches Einzel- oder Komplexmittel zusätzlich zu einem chemisch-synthetischen Arzneimittel eingenommen werden. So auch in diesem Fall. Das Ziel ist immer die Reduzierung von Dosis und Dauer des Pharmakons. Im Falle von Flugangst mit den von der Patientin geschilderten Symptomen gibt es ein bewährtes homöopathisches Arzneimittel: Argentum nitricum. Dieses wird bei der Causa (= Ursache, Auslöser) „Angstvolle Vorahnungen“ angewendet.

Die Leitsymptome von Argentum nitricum sind:

  • Nervosität, innere Unruhe,
  • Einschlafschwierigkeiten wegen Gedankenflut, „was da auf mich zukommt“,
  • Kontrollzwang: „hoffentlich habe ich nichts vergessen",
  • andauernder Harndrang, Gang zur Toilette,
  • ständiger Stuhldrang und Durchfall,
  • starkes Schwitzen und Zittern.

Argentum nitricum D12 wird wie folgt eingesetzt: 2-mal täglich 5 Globuli 3 bis 5 Tage vor Reisebeginn und 1 bis 2 Tage vor Abreise. Argentum nitricum gilt in der Homöopathie als das „Mittel für Menschen mit schwachen Nerven“ und natürlich müssen nicht alle Leitsymptome bei dem Betroffenen vorhanden sein, damit das Arzneimittel empfohlen werden kann.

Argentum nitricum ist auch ein bewährtes Mittel

  • bei Höhenangst; der psychosomatische Bezug wird auch verständlich bei dem Ausspruch „mir wird schwindelig vor Angst“, weshalb Argentum nitricum auch
  • bei psychisch bedingtem Schwindel längerfristig angewendet werden kann.

Nach jeweils dreiwöchiger Einnahme sollte eine einwöchige Pause eingelegt werden, um bei Besserung einen Auslassversuch zu machen. 

Zur Unterscheidung

Ein weiteres homöopathisches Arzneimittel, welches bei Flugangst eingesetzt wird, ist Aconitum napellus, der Sturmhut. Es soll angstlösend wirken, wenn der Betroffene sich eingeengt fühlt. Und mit Enge ist nicht nur das Flugzeug gemeint, sondern auch medizinische Untersuchungsgeräte, die im Platz begrenzt sind wie beispielsweise Computer- oder Kernspintomographen.

Aconitum wird bei akuten Angstzuständen (= Causa) eingesetzt mit den typischen Leitsymptomen:

  • blasses, aschfahles Gesicht,
  • schneller, heftiger Herzschlag,
  • „Herz rutscht vor Angst in die Hose“,
  • „glaubt sterben zu müssen“.

Aconitum ist ein typisches homöopathisches Notfall- und Akutmittel und kann in akuten Situationen häufiger eingenommen werden: 3-mal im Abstand von wenigen Minuten 5 Globuli auf der Zunge zergehen lassen, die weitere Einnahme erfolgt etwa jede Stunde. Auch bei Neigung zur Hyperventilation kann Aconitum eingesetzt werden. Bei Flugangst mit den oben geschilderten Symptomen kann Aconitum D12 vergleichbar mit Argentum nitricum bereits im Voraus angewendet werden.

 

 

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de