Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 3: Heuschnupfen

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de ab sofort jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische
(Add-on)-Behandlung vor.

Heuschnupfen

Der Ihnen bislang nicht bekannte Kunde, ein Mann mittleren Alters, möchte ein Präparat empfohlen haben, das nicht müde macht, jedoch seine durch Heuschnupfen verursachten Beschwerden lindert − gerne auch „etwas aus der Natur“. Für Sie sichtbar sind folgende Symptome: tränende Augen, gerötete Augenbindehaut. Außerdem hält sich der Kunde ein Taschentuch vor die gerötete, triefende Nase.

Ihre Nachfrage

Aufgrund Ihrer Nachfrage erfahren Sie, dass der Heuschnupfen bei diesem Mann bereits seit Jahren immer wieder auftritt. Auch ein Allergietest ist bereits durchgeführt worden. Die bisherige Behandlung mit Antiallergika war eher problematisch wegen der verursachten Müdigkeit, was er sich in seinem Beruf einfach nicht leisten darf. Weitere Angaben dazu macht er keine.

Ihre Empfehlung

Galphimia glauca, eine in Mittelamerika beheimatete Pflanze, wird seit den 1960iger Jahren mit großem Erfolg zur Akutbehandlung des Heuschnupfens eingesetzt. Deshalb ist das Mittel auch vielfach Bestandteil von homöopathischen Komplexmitteln.

Typische Leitsymptome, die auf Galphimia glauca hinweisen, zeigt der Kunde durch seine allergisch bedingten Beschwerden:

  • tränende, juckende Augen mit geröteter Augenbindehaut
  • Niesen, Fließschnupfen, Jucken an der Nase
  • erschwertes Atmen bei starkem Pollenflug 

Einnahme als Akutmittel

  • Galphimia D6 sollte als Akutmittel 4- bis 6-mal täglich 1 Tablette (oder 5 Globuli) eingenommen werden; bei Besserung kann die Einnahmehäufigkeit auf 2- bis 3-mal täglich reduziert werden.
  • Bei erschwerter Atmung bei starkem Pollenflug kann Galphimia glauca auch als Add-on zu einem antiasthmatisch wirkenden Spray oder Inhalator verwendet werden.

Vorbeugende Einnahme

Galphimia glauca kann auch bereits „vorbeugend“ – ähnlich einer Hyposensibilisierung – in der pollenfreien Zeit eingenommen werden. Praxisbewährt ist dabei Galphimia glauca als D12, 1-mal täglich 5 Globuli etwa 6 bis 8 Wochen vor der zu erwartenden Akutphase. Ein solches Einnahmeschema, bestehend aus der Einnahme präsaisonal, d.h. vor Auftreten der Symptome, sowie saisonal, also während der akuten Pollenflugzeit, sollte konsequent drei Jahre lang durchgeführt werden.

Zur Unterscheidung

Arundo mauritanica: Die den Pollenallergiker belastenden Symptome können sehr unterschiedlich sein. Gerade in den letzten Jahren klagen Betroffene sehr häufig und zunehmend („learning by hearing“), dass sie während der akuten Pollenflugzeit durch einen extremen und anhaltenden Juckreiz besonders belastet sind. Dieses Jucken tritt insbesondere in den Gehörgängen („im Ohr“) und vor allem auch im Mundraum auf. Folgende Leitsymptome weisen auf Arundo mauritanica, das Grasrohr, hin:

  • der gesamte Gaumen juckt unerträglich
  • Juckreiz auch am Halsbereich außen
  • Juckreiz an Nase und Augen
  • tränende Augen, Fleißschnupfen 

Die Einnahme von 1 Tablette (oder 5 Globuli) Arundo mauritanica D6 erfolgt 4- bis 6-mal täglich. Sie hat sich zur Akutbehandlung sehr gut bewährt; viele Anwender bezeichnen die Wirksamkeit vergleichbar mit oder besser als die eines üblichen Antiallergikums mit dem zusätzlichen Vorteil, dass es keinerlei müde machende Nebenwirkungen zeigt.

Sabadilla: Sabadilla, eine Pflanze mit der bemerkenswerten Bezeichnung Läusesamen, wird als D6 in der Dosierung 4- bis 6-mal täglich 1 Tablette (oder 5 Globuli) bei einem unüberhörbaren Leitsymptom eingesetzt:

  • Niesen ohne Ende, es sind regelrechte Anfälle von ständigem Niesen
  • außerdem tränende Augen mit Jucken
  • die Nase läuft anhaltend und juckt zudem 

Apis mellifica: Apis mellifica, die Honigbiene, wird in der Homöopathie vergleichbar einem Antiphlogistikum bei folgenden Leitsymptomen eingesetzt:

  • Augenlider sind verquollen
  • die Augen brennen und tränen
  • die Nasenatmung ist behindert, weil die Nasenschleimhäute angeschwollen sind
  • nur beim Schnäuzen löst sich Schleim aus der Nase
  • der Gesichtsbereich fühlt sich wie angeschwollen an, beschreiben Betroffene ihre Empfindung 

Apis mellifica D6, 4- bis 6-mal täglich 1 Tablette (oder 5 Globuli) wirkt auf Schleimhäute und Haut beruhigend und abschwellend, weshalb sich das Mittel auch bei sichtbar angeschwollenen Insektenstichen als wirksam erweist; selbstredend kann es auch mit einem äußerlich anzuwendenden Mittel kombiniert werden. Für Betroffene, die kein corticoidhaltiges Externum anwenden möchten, ist Apis mellifica durchaus eine Option am HV-Tisch. Dass es darüberhinaus ein Mittel gibt, das als „Cortison der Homöopathie“ bezeichnet wird, können Sie unter www.hvkompass.de nachlesen, wenn Sie unter Suche „Cardiospermum“ eingeben.

Zur Erläuterung

Homöopathische Arzneimittel lassen sich generell mit chemisch-synthetischen Pharmaka kombinieren, beispielsweise wenn der Pollenallergiker unter asthmatischen Beschwerden leidet und deshalb unter keinen Umständen seine Antiasthmatika absetzen darf. Ziel ist, deren Nebenwirkungen zu reduzieren und damit eine bessere Verträglichkeit zu gewährleisten. Im speziellen können Homöopathika auch mit antiallergisch wirkenden Nasen- oder Augentropfen kombiniert werden. Der große Vorteil der Homöopathie ist: Sie wirkt nicht nur rein symptomatisch („antiallergisch“), sondern kausal-kurativ und hat somit einen hyposensibilisierenden Effekt.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de