Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 31: Zahnende Kinder

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Der zahnende Max

Eine erschöpft wirkende Mutter schiebt ihren Buggy in die Apotheke. Darin strampelt der 9 Monate alte Max und schreit dabei so laut, dass die PTA am HV seine Mutter während der Begrüßung kaum verstehen kann. Sie legt der Kollegin ein vom Kinderarzt ausgestelltes Rezept über Ibuprofen-Saft vor und nimmt dann ihren Sohn auf den Arm. Dies beruhigt ihn jedoch nur kurz, bevor das Schreien von Neuem beginnt.

Nachfragen für eine passende Add-on-Empfehlung

Die sichtbar erschöpfte junge Frau fragt die PTA nach einer Möglichkeit, dem Kind unterstützend noch etwas Gutes zu tun. Auf ihre Aufforderung hin berichtet sie, dass Ihr Sohn seit drei Tagen nur noch zwischen Weinen, Schreien und Strampeln wechsle. Zudem seien Zufüttern sowie das einmal tägliche Stillen problematisch. Neben einem stark riechenden, sehr weichen Stuhlgang sei auch die Temperatur des kleinen Max leicht erhöht.

Zu guter Letzt habe der Kinderarzt ein leicht gerötetes Trommelfell im rechten Ohr diagnostiziert. Laut seiner Aussage sei diese Symptom-Kombination typisch für ein zahnendes Kind, da das Zahnen mit einer kurzzeitigen Phase der Abwehrschwäche einhergeht und betroffene Kinder daher häufig Erkältungssymptome zeigten.

Beratung zu Chamomilla

Der hier geschilderte Fall ist ein gutes Beispiel für eine sinnvolle unterstützende Anwendung der Homöopathie im Apothekenalltag. Der Auslöser der Beschwerden – das Zahnen – entspricht der für Chamomilla bekannten Causa: Diese lässt sich vereinfacht beschreiben mit „es kommt etwas zum Vorschein“, das mit Schmerzen verbunden ist.

Auch das Verhalten des Kindes sowie die Schilderung der Mutter spiegeln typische Leitsymptome von Chamomilla wieder. Diese sind:

  • gereizte, unleidige Stimmung, lässt sich kaum beruhigen,
  • möchte nicht getragen werden,
  • reagiert trotzig, das Kuscheltier wird zum Wurfgeschoss,
  • Blähungen und grünlicher Durchfall „wie gehackt“ aussehend,
  • entzündeter Po, gerötete Haut mit Bläschen im Ano-Genitalbereich
  • sowie typische Erkältungssymptome mit Fließschnupfen, Ohrenschmerzen, Halsweh und schleimigem Husten vor dem Hintergrund der genannten Causa.

Natürlich müssen nicht alle Leitsymptome vorhanden sein: Vielmehr kommt es darauf an, dass einige typische, d. h. auf das homöopathische Arzneimittel hinweisende Symptome vorhanden sind.

Chamomilla wird im beschriebenen Fallbeispiel in der Potenz D12 3- bis 4-mal täglich jeweils 3 Globuli solange angewendet, wie die Beschwerden bestehen. 

Mehr erfahren mit dem HVKompass Homöopathie

Sie wollen noch mehr über die Anwendungsgebiete von Chamomilla wissen und Ihrer Kundin eine Patienteninfo zu diesem oder einem anderen homöopathischen Arzneimittel mitgeben? Unter www.hvkompass.de finden Sie weitere Informationen und können mit dem Online-Programm zudem apothekenindividuelle Patienteninformationen ausdrucken.

Fallbeispiele können den Verlauf einer Behandlung illustrieren und zeigen beispielhaft das Vorgehen in der Praxis oder am HV-Tisch.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de