Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 33: Bänderzerrung und Kapselriss

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Gehstützen und Ibuprofen-Saft

Im Anschluss an einen Termin beim Orthopäden betritt eine Mutter gemeinsam mit ihrer – auf zwei Gehstützen angewiesenen – Tochter die Apotheke. Sie legt Ihnen eine Verordnung über Ibuprofen-Saft für die 15-Jährige vor.

Ihre Nachfrage

Sobald Sie die Verschreibung in den Händen halten, berichtet ihnen die Mutter bereitwillig vom Unfall ihrer Tochter: Beim Trampolinspringen sei die 15-Jährige gestürzt und habe sich dabei am rechten Kniegelenk eine Bänderzerrung und am linken Sprunggelenk einen Anriss der Bänderkapsel zugezogen. Nun sei die Tochter auf Gehstützen angewiesen, da Knie und Fußgelenk schmerzen und laut Orthopäden geschont werden müssen.

Sie erklären daraufhin, dass es sich beim verordneten Medikament um ein Schmerzmittel handelt und erläutern ihnen bei der Abgabe die Anwendung. Die Mutter scheint diese Therapieoption noch nicht zufrieden zu stellen, weshalb sie sich gezielt nach einer Möglichkeit erkundigt, zusätzlich die Heilung zu unterstützen.

Ihre Beratung

Um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen und somit die vom Orthopäden verordnete Therapie zu ergänzen, können Sie eine homöopathische Add-on Therapie empfehlen. Hierfür eignet sich insbesondere die zur Gruppe der „Verletzungsmitteln“ zählende Gartenraute, Ruta graveolens. Sie unterscheidet sich von anderen Vertretern durch die Causa (=Auslöser) Bänderzerrung und Bänderriss. Zugleich wird damit die Lokalisation der Verletzung beschrieben.

Daraus resultieren die typischen Leitsymptome wie

  • Schmerzen bei Bewegung und Belastung,
  • Schonhaltung durch schmerzhaft eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit.

Ruta graveolens wird in der Potenz D6 3-mal täglich á 5 Globuli angewendet. Das Arzneimittel kann darüber hinaus auch zur Nachbehandlung bei operativ versorgtem Bänderriss in Schulter oder Kniegelenk eingesetzt werden. So besteht die Möglichkeit einem nach Operation der Kreuzbänder oft anhaltenden Belastungsschmerz vorzubeugen. Ebenso kann Ruta graveolens in der Sportmedizin zur längerfristigen Behandlung einer anhaltenden Entzündung der Achillessehne (Achillodynie) eingesetzt werden. 

Neben der Therapie mit einem Einzelmittel, kommt auch die Kombination zweier Homöopathika in Betracht. Dafür werden zwei Einzelmittel gewählt, die eine sich gegenseitig ergänzende Wirkung besitzen.

Calcium fluoratum, Calciumfluorid, ist ein auf Sehnen und Bänder wirkendes Arzneimittel und ergänzt damit die Wirkung von Ruta graveolens.

Die typischen Leitsymptome von Calcium fluoratum sind

  • Schmerzen bei Bewegung,
  • eingeschränkte Bewegungsfähigkeit. 

Zur Ausheilung von Sehnen- und Bänderverletzung kann daher auch Calicum fluoratum D12, 2-mal täglich 5 Globuli vor dem Essen und Ruta graveolens D6, 3-mal täglich 5 Globuli nach dem Essen empfohlen werden. Nach dreiwöchiger Einnahme wird eine einwöchige Pause eingelegt, um bedarfsweise die Behandlung fortzusetzen.

Zur Unterscheidung

Beim Lesen unseres Fallbeispiels haben Sie vermutlich als erstes an Arnica gedacht – auch dieses Mittel kommt als klassisches „Verletzungsmittel“ grundsätzlich in Frage. Und dennoch lässt sich die Anwendung von Arnica montana, dem Bergwohlverleih, auch und gerade durch die Lokalisation „Weichteile“ präzisieren: Damit ist insbesondere die Muskulatur und somit der Muskelfaserriss gemeint.

Typische Leitsymptome von Arnica montana sind

  • schmerzende Muskeln,
  • sich bewegen fällt schwer,
  • Muskulatur verhärtet,
  • Gefühl wie zerschlagen,

weshalb es auch als unverzichtbares Arzneimittel, zur Behandlung des schmerzhaften Muskelkaters gilt. Im Falle einer Weichteil-Lokalisation kann Arnica D6, 3-mal täglich á 5 Globuli gegeben werden, was jedoch die PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlager) nicht außer Kraft setzt. 

Unser Tipp

Eine Zusammenstellung der homöopathischen Arzneimittel zur Nachbehandlung unterschiedlicher Verletzungsarten finden Sie unter www.hvkompass.de. Um für Ihren Kunden die Arzneimittelanwendung nachvollziehbar zu gestalten, können Sie dort außerdem eine Patienteninfo mit dem Logo Ihrer Apotheke ausdrucken.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de