Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 35: Heuschnupfen in der Blütezeit

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Anhaltende Niesattacken

In die Warteschlange vor dem HV-Tisch reiht sich eine neue Kundin. Es fällt auf, dass sie unter einer anhaltend starken Niesattacke leidet. Als sie an der Reihe ist, werden ihre wunden, geröteten Nasenlöcher und tränenden Augen sichtbar. Sie wünscht ein Antiallergikum, welches nicht müde macht.

Ihre Nachfrage

Die Betroffene kennt die Problematik des Heuschnupfens – vor allem jetzt in der Blütezeit. Ihr Arzt hat ihr in der Vergangenheit deshalb einen Cortison-Nasenspray sowie Cetirizin-Tabletten verordnet. Beides möchte sie nun nicht mehr einnehmen, da das Spray ihre Nasenschleimhaut austrockne und die Tabletten sie müde machen. Letzteres sei vor allem in Ihrem Beruf sehr hinderlich. Als Sie sich nach den Symptomen erkundigen, erklärt Ihnen die Frau, dass der Juckreiz zwar erträglich sei, sie das Niesen jedoch mehr als belastet.

Ihre Beratung

Um das geeignete homöopathische Arzneimittel zu finden, bedarf es keiner weiteren Fragen. Denn die Causa (= Auslöser) ist die ärztlich diagnostizierte Pollenallergie und die Lokalisationen der Beschwerden sind deutlich sichtbar an Nase und Augen. Darüber hinaus ist das führende Leitsymptom unüberhörbar:

  • Niesen ohne Ende, regelrechte Anfälle von ständigem Niesen. 

Weitere Leitsymptome sind:

  • anhaltend laufende Nase,
  • dünnflüssiges Sekret,
  • tränende Augen mit Jucken.

Diese Symptome weisen auf Sabadilla mit der deutschen Bezeichnung Läusesamen hin. Das pflanzliche Homöopathikum wird als D6 4–6 mal täglich à 5 Globuli oder 1 Tablette angewendet. Bei Besserung der Beschwerden ist die Einnahmehäufigkeit auf 2–3 mal täglich zu reduzieren.

Zur Unterscheidung

Ein weiteres Arzneimittel zur Behandlung der akuten Heuschnupfen-Symptome ist Arundo mauritanica, das Grasrohr. Die dazugehörigen Leitsymptom sind:

  • unerträglicher Juckreiz im Mund- und Gaumenbereich,
  • extremer Juckreiz in den Gehörgängen („im Ohr“) sowie
  • am äußeren Halsbereich,
  • Juckreiz an Nase und Augen,
  • tränende Augen, Fließschnupfen.

Arundo mauritanica wird in der Potenz D6 4–6 mal täglich à 5 Globuli oder 1 Tablette angewendet. In meiner Praxis vergleichen viele Anwender die Wirksamkeit mit der eines chemisch-synthetischen Antiallergikums.

Ein regelrechter „Klassiker“ ist auch Galphimia glauca, eine in Mittelamerika beheimatete Pflanze. Sie wird seit den 1960iger Jahren zur Akutbehandlung des Heuschnupfens eingesetzt und ist vielfach Bestandteil von homöopathischen Komplexmitteln. Typische Leitsymptome, die auf Galphimia glauca hinweisen, sind: 

  • Niesen, Fließschnupfen, Jucken an der Nase,
  • tränende, juckende Augen mit geröteter Augenbindehaut,
  • bei starkem Pollenflug erschwertes Atmen.

Gerade beim zuletzt genannten Leitsymptom kann Galphimia glauca als Add-on zu einem antiasthmatisch wirkenden Spray oder Inhalator verwendet werden. Die Dosierung erfolgt als D6 4–6 mal täglich à 5 Globuli oder 1 Tablette.

Darüber hinaus kann dieses Homöopathikum auch „vorbeugend“ in der pollenfreien Zeit eingenommen werden. In diesem Fall wird Galphimia glauca D12 1-mal täglich à 5 Globuli bereits etwa 6–8 Wochen vor der zu erwartenden Akutphase angewendet. Ein solches Anwendungsschema, bestehend aus der Einnahme präsaisonal (vor Auftreten der Symptome) sowie während der akuten Pollenflugzeit (saisonal), sollte konsequent drei Jahre lang durchgeführt werden. Die Behandlungsergebnisse sind meiner Praxiserfahrung nach denen einer Hyposensibilisierung ebenbürtig.

Zur Erläuterung

Allen homöopathischen Arzneimitteln ist gemein, dass sie keine Müdigkeit verursachen. Sie können von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen eingenommen werden und sind ebenso in Schwangerschaft und Stillzeit möglich. Selbstverständlich können die homöopathischen Arzneimittel bedarfsweise mit chemisch-synthetischen Antiallergika kombiniert werden.

Unser Tipp

Weitere Hinweise zu homöopathischen und anthroposophischen Arzneimitteln finden Sie unter www.hvkompass.de, mit dem Sie Apotheken-individuell eine Patienteninfo zum ausgewählten Arzneimittel ausdrucken und dem Betroffenen mitgeben können.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de