Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 4: Blasenentzündung

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de ab sofort jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische
(Add-on)-Behandlung vor.

Blasenentzündung

Eine 33jährige Patientin legt das Rezept einer Frauenärztin vor: Canephron. Auf Nachfrage bestätigen Sie, dass es sich nicht um ein Antibiotikum handelt, sondern um ein pflanzliches Arzneimittel.

Ihre Nachfrage

Bei der Erklärung der Einnahme und dem Hinweis, genügend zu trinken, sagt Ihnen die Patientin, dass sie immer wieder unter Harnblasenentzündungen leide. Zunächst sei sie vom Hausarzt ständig mit Antibiotika behandelt worden. Wegen der Häufigkeit des Auftretens habe sie sich bei ihrer Frauenärztin vorgestellt, die ihr jedoch von einer solchen Behandlung abgeraten und stattdessen dieses Medikament verordnet hat. Ihre Nachfrage, ob die Patientin beobachten konnte, durch was die Entzündung ausgelöst wird, beantwortet sie mit einem Achselzucken. Auf Ihren Hinweis, zusätzlich Globuli anzuwenden, reagiert sie positiv mit der Frage, welches Mittel sie denn einnehmen könne.

Ihre Empfehlung

Da bei der Patientin die mit der Harnblasenentzündung verbundenen Beschwerden erst seit einem halben Tag bestehen, ist Cantharis das Mittel der Wahl: Die beginnende Blasenentzündung ist dafür das Stichwort.

  • Cantharis wird aus der Spanischen Fliege hergestellt und ist ein typisches Akutmittel.
  • Cantharis sollte bei den ersten Anzeichen einer beginnenden Harnblasenentzündung eingenommen werden: am ersten Krankheitstag stündlich, am zweiten Krankheitstag alle 2 Stunden und ab dem dritten Krankheitstag 3-mal täglich 5 Globuli, bis zum Abklingen der Beschwerden.
  • Nach Abklingen der Akutbeschwerden wird Cantharis abgesetzt. Das Akutmittel ist nicht für eine vorbeugende Behandlung geeignet im Sinne von „obwohl keine Beschwerden bestehen, nehme ich vorsorglich mal Cantharis ein“!

Die Leitsymptome von Cantharis widerspiegeln die typischen Symptome und Beschwerden einer sich akut entwickelnden Harnblasenentzündung:

  • vermehrter Harndrang
  • anfangs Missempfindungen beim Wasserlassen, zunehmend entwickeln sich Brennschmerzen in der Blase während und nach dem Toilettengang

Zur Unterscheidung

Berücksichtigt man die Symptome der Patientin, dann ist davon auszugehen, dass es sich um einen sogenannten unkomplizierten Harnwegsinfekt handelt, weshalb die Frauenärztin zu Recht kein Antibiotikum verordnet hat! Ein Antibiotikum wird gemäß schulmedizinischer Leitlinie nur dann verordnet, wenn es sich um eine bakterielle Harnwegsentzündung handelt. Diese ist typischerweise mit sehr starken krampfartigen und anhaltenden Schmerzen verbunden, der Urin ist übelriechend, auch kann Fieber bestehen und der Patient fühlt sich krank.

Diese Symptome entsprechen nicht den Leitsymptomen von Cantharis, weshalb ein anderes Mittel in Frage kommt: Mercurius solubilis, das add-on zu einem Antibiotikum eingesetzt wird, wenn es sich um eine starke und ausgeprägte Entzündung und Infektion handelt. Typische, auf Mercurius solubilis hinweisende Leitsymptome sind:

  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • Fieber
  • anhaltende und krampfartige Schmerzen
  • Urin übelriechend, trübes, dunkelgelbes Aussehen.

Bezüglich der Anwendung können Sie folgende Empfehlung geben:

  • Mercurius solubilis D12 wird anfangs 4-mal täglich, im weiteren Verlauf 2 bis 3-mal täglich 5 Globuli eingenommen.
  • Es ist darauf hinzuweisen, dass Mercurius solubilis zu den schnell und stark wirkenden Homöopathika gehört und deshalb nicht zu lange Zeit eingenommen werden sollten; erfahrungsgemäß ist eine Einnahmedauer von circa zehn Tagen ausreichend.

Mercurius solubilis wird nicht nur bei einem bakteriellen Harnwegsinfekt, sondern kann auch bei anderen akut eitrigen Entzündungen add-on zum Antibiotikum empfohlen werden, beispielsweise bei einer eitrigen Halsentzündung wie sie gerade bei Kindern häufig und wiederkehrend auftritt. Übrigens gibt es in der Homöopathie noch weitere Mercurius-Verbindung, wie ein Blick auf die Zusammensetzung homöopathischer Komplexmittel zeigt, die meist bei Halsentzündungen eingesetzt werden.

Mercurius solubilis wird nicht nur bei einem bakteriellen Harnwegsinfekt, sondern kann auch bei anderen akut eitrigen Entzündungen add-on zum Antibiotikum empfohlen werden, beispielsweise bei einer eitrigen Halsentzündung wie sie gerade bei Kindern häufig und wiederkehrend auftritt. Übrigens gibt es in der Homöopathie noch weitere Mercurius-Verbindung, wie ein Blick auf die Zusammensetzung homöopathischer Komplexmittel zeigt, die meist bei Halsentzündungen eingesetzt werden.

  • Wird eine Erkrankung durch Kälte und Nässe ausgelöst (= Causa), dann ist dies ein wichtiger Hinweis auf Dulcamara.
  • Am HV-Tisch häufig zu hören ist gerade von den Müttern, dass ihr Kind im Freibad war und die nasse Badebekleidung nicht gewechselt hat und dass das Kind über Schmerzen beim Wasserlassen klagt, weshalb sie jetzt beim Arzt war.
  • Dulcamara D6 wird analog Cantharis dosiert (Akutdosierung). Gerade in der Sommerzeit ist deshalb bei akuten Harnblasenbeschwerden vermehrt an Dulcamara zu denken.

Der besondere Tipp

Dulcamara bewährt sich auch bei wiederkehrenden Gehörgangsentzündungen, wie sie oftmals bei Tauchern als anhaltendes Problem auftreten. Dabei wird Dulcamara D6, 3-mal täglich 5 Globuli als Intervalltherapie angewendet, d.h. nach einer dreiwöchigen Einnahme wird eine einwöchige Pause eingelegt, um danach die Behandlung wieder fortzusetzen; erfahrungsgemäß circa drei Monate lang. Und noch eine Tipp, der Ihnen die Beratung in der Apotheke erleichtert: Klicken Sie einfach mal auf www.hvkompass.de! Dort finden Sie Informationen zu 1.700 homöopathischen Einzelmitteln und gelangen mit wenigen Klicks zum korrekten Produkt. Zusätzlich haben Sie im Rahmen der Homöopathie-Reihe auf PTAheute.de die Möglichkeit, den HV-Kompass kostenlos zu testen. Mit den folgenden Links erhalten Sie Zugriff auf die Detailseiten: CantharisMercurius SolubilisDulcamara.

Zur Erläuterung

Homöopathische Arzneimittel lassen sich generell mit chemisch-synthetischen Pharmaka kombinieren, beispielsweise wenn der Pollenallergiker unter asthmatischen Beschwerden leidet und deshalb unter keinen Umständen seine Antiasthmatika absetzen darf. Ziel ist, deren Nebenwirkungen zu reduzieren und damit eine bessere Verträglichkeit zu gewährleisten. Im speziellen können Homöopathika auch mit antiallergisch wirkenden Nasen- oder Augentropfen kombiniert werden. Der große Vorteil der Homöopathie ist: Sie wirkt nicht nur rein symptomatisch („antiallergisch“), sondern kausal-kurativ und hat somit einen hyposensibilisierenden Effekt.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de