Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 5: Harnblasenentzündung durch Intimverkehr

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Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de ab sofort jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische
(Add-on)-Behandlung vor.

Harnblasenentzündung durch Intimverkehr

„Sie haben meiner Freundin letzte Woche wegen ihrer Harnblasenentzündung Globuli empfohlen (siehe Homöopathie-Fallbeispiel 4). Ich leide unter demselben Problem und muss laut Urologe jedesmal ein Antibiotikum einnehmen. Dies führt bei mir immer zu Durchfall und einem Pilzbefall in der Scheide", berichtet Ihnen die 36jährige Patientin unter Vorlage eines Rezepts über Fosfomycin.

Ihre Nachfrage

Die Kundin bittet Sie in die Beratungsecke, nachdem Sie gefragt haben, ob denn die Ursache für die wiederholt auftretenden Harnblasenentzündungen bekannt ist. „Ja", sagt die Kundin, „die Entzündung tritt typischerweise nach dem Intimverkehr auf." Auf Nachfrage beim Urologen nach einer vorbeugenden Behandlung habe er nur auf hygienische Maßnahmen verwiesen, die sie und ihr Mann sowieso beachten.

Ihre Empfehlung

Die Akutbehandlung mit einem Antibiotikum löst bei der Patientin jedes Mal Nebenwirkungen aus, sodass eine homöopathische Empfehlung die Causa (=Auslöser) besonders berücksichtigt, d.h. die Antibiose. Die Nebenwirkungen mit Durchfall und Vaginalmykose betreffen die Schleimhäute (=Lokalisation) und rufen typische Beschwerden hervor (=Leitsymptome).

Insofern ist eine klassische Add-on Empfehlung Okoubaka, mit der deutschen Bezeichnung „Schwarzafrikanischer Rindenbaum". Okoubaka wirkt auf das mit dem Darm verbundene Immunsystem im Sinne eines „Homöopathischen Probiotikums“; dabei kann das Mittel auch gleichzeitig zu einem der üblichen Probiotika empfohlen werden.

  • Okoubaka wirkt bei einer Vaginalmykose, die durch ein Antibiotikum ausgelöst wird, nicht antimykotisch; dies entspricht auch nicht dem Wirkprinzip der Homöopathie. Vielmehr wirkt es auf die Krankheitsneigung (=Disposition), jedes Mal unter einem Antibiotikum eine Mykose zu entwickeln.
  • Okoubaka wird während der Antibiose und danach noch weitere zwei Wochen lang angewendet; sinnvollerweise wird nach einer einwöchigen Behandlungspause das Mittel erneut drei Wochen lang eingenommen.
  • Die Einnahme von Okoubaka D3 erfolgt 3-mal täglich 5 Globuli, Kleinkinder mit einer Antibiose – aus welchem Grund auch immer – erhalten 3 Globuli pro Dosis.

Zur Unterscheidung

Generell sollte eine akute Harnblasenentzündung mit einem Naturstoffpräparat – pflanzlich, anthroposophisch, homöopathisch – begleitend behandelt werden. In der Homöopathie richtet sich die Auswahl nach der Situation: 
Entweder kann das Mittel nach Causa und Leitsymptomen der Nebenwirkungen, die durch die chemisch-synthetische Medikation bedingt ist, ausgewählt werden. Alternativ kann die Auswahl des Mittels, wie in Homöopathie-Fallbeispiel 4 dargestellt, aufgrund der durch die Krankheit bedingten Leitsymptome erfolgen. 

Dass der Auslöser einer akuten Erkrankung oftmals auf ein bestimmtes Mittel hinweist, soll auch dieses Homöopathie-Fallbeispiel vermitteln. Wird eine akute Harnblasenentzündung durch Intimverkehr ausgelöst, dann ist Staphisagria das klassische Mittel.

  • Staphisagria, der Rittersporn oder auch Stephanskraut genannt, eignet sich vor allem zur längerfristigen Anwendung (Intervalltherapie), um die Häufigkeit der wiederkehrenden Harnblasenentzündungen zu senken. 
  • Ein weiterer Auslöser für gehäufte Harnblasenentzündungen kann auch ein (Dauer-)Katheter sein. In einer solchen Situation eignet sich Staphisagria, um die Entzündungsneigung abzubauen. 
  • Staphisagria D12, 2-mal täglich 5 Globuli oder 1 Tablette, wird drei Wochen lang eingenommen. Nach einer einwöchigen Behandlungspause wird die Einnahme fortgesetzt. Die gesamte Therapiedauer sollte wenigstens dreimal drei Wochen betragen.
  • Grundsätzlich wird eine solche Intervalltherapie pausiert, wenn eine akute Erkrankung auftritt.

Wichtig: In der Beratung sollte man den Patienten immer auf die notwendige Dauer der Anwendung hinweisen, um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden; diese Hinweise gelten grundsätzlich für eine homöopathische Behandlungsempfehlung.

Solidago, die Goldrute, wird ebenfalls in der Homöopathie eingesetzt. Es bewährt sich zur Anwendung beim abklingenden Harnwegsinfekt, d.h. zur Nachbehandlung einer Harnblasenentzündung.

  • Typische Leitsymptome sind Aussagen wie: „Ich spüre meine Harnblase.“ oder „Beim Wasserlassen schmerzt es noch etwas.“ Oft besteht auch vermehrter Harndrang, ohne dass größere Urinmengen ausgeschieden werden.
  • Solidago trägt zur Ausheilung einer abklingenden Harnblasenentzündung bei – zusätzlich zur Maßgabe, genügend zu trinken.
  • Solidago D3, 3-mal täglich 5 Globuli, wird drei Wochen lang eingenommen.
  • Da Solidago als Homöopathikum die Nierenfunktion anregt, wird es auch zur verstärkten Ausscheidung angewendet.
  • Solidago kann als Kur im dreiwöchigen Wechsel mit Berberis vulgaris D6, 3-mal täglich 5 Globuli angewendet werden, auch zur sogenannten Entschlackung und als Ausleitung während und nach einer Amalgamentfernung. Die Kur kann zweimal nacheinander durchgeführt werden.

Der besondere Tipp

Sie kennen Staphisagria auch als Mittel bei Schnittverletzungen? Das ist zutreffend, weshalb passend zu unserem Fallbeispiel Staphisagria auch zum Nachträufeln nach einer Entbindung, nach einer Gebärmutter- oder Prostataoperation angewendet wird. Staphisagria wird auch zur Heilung von Schnittwunden und Operationswunden, nach einem Kaiserschnitt oder Dammschnitt eingesetzt. Wenn Sie auf www.hvkompass.de gehen, können Sie zu Staphisagria eine Patienteninfo mit dem individuellen Logo Ihrer Apotheke ausdrucken und dem Kunden mitgeben: Dann kann er in Ruhe nachlesen, warum Sie ihm dieses Mittel empfohlen haben.

Testen Sie den HV-Kompass kostenfrei! Mit den Direktlinks zu OkoubakaStaphisagira und Solidago kommen Sie direkt auf die Produktseiten.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de