Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 6: Durchfallerkrankungen

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Reisedurchfall vorbeugen

Eine Patientin legt Ihnen ein Grünes Rezept vor, auf dem ein Motiliätshemmer verschrieben wurde. Sie erzählt, dass sie in den Urlaub fährt und vorsichtshalber etwas gegen Durchfall mit auf die Reise nehmen möchte. Als die Patientin die Packung mit den Tabletten sieht, sagt sie: "Ach ja, die kenne ich vom letzten Mal."

Ihre Nachfrage

Sie fragen nach, ob die Patientin mit der Wirkung zufrieden war, erläutern die Einnahmehäufigkeit und fügen einen Hinweis zum Trink- und Ernährungsverhalten hinzu. Und jetzt erwähnen Sie, dass zusätzlich auch die Homöopathie angewendet werden kann, sogar als Vorbeugung gegen Reisedurchfall.

Ihre Empfehlung

Das klassische Mittel zur Vorbeugung von Reisedurchfall ist Okoubaka mit der deutschen Bezeichnung Schwarzafrikanischer Rindenbaum. Okoubaka kann auch im Akutfall angewendet werden. Das Mittel wirkt auf das mit dem Darm verbundene Immunsystem im Sinne eines „Homöopathischen Probiotikums“.

  • Zur Vorbeugung von Reisedurchfall drei Tage vor Reiseantritt mit der Einnahme beginnen: 3-mal täglich 5 Globuli oder 1 Tablette jeweils circa 10 - 15 Minuten vor dem Essen im Munde zergehen lassen.
  • Gerade Menschen mit „empfindlichem Darm“ und Neigung zu Durchfall bei ungewohnter Ernährungsweise können während einer Reise Okoubaka durchgehend 3-mal täglich anwenden.
  • Zur Behandlung von akutem Durchfall – nicht nur auf Reisen: das Mittel (5 Globuli oder 1 Tablette) am 1. Tag stündlich einnehmen, am 2. Tag alle zwei Stunden und in den folgenden Tagen 3-mal täglich, auch wenn der Stuhlgang sich wieder normalisiert hat.

Weitere Anwendungshinweise zu Okoubaka, die sich am HV-Tisch einfach umsetzen lassen, finden Sie im Homöopathie-Fallbeispiel 5

Unser Tipp

Wenn Sie Ihrem Patienten eine apothekenindividuelle Patienteninformation zum ausgewählten Mittel, z.B. zu Okoubaka, mitgeben wollen, dann können sie diese im HVKompass Homöopathie erstellen und sofort ausdrucken.  

Zur Unterscheidung

Da es bei einem akuten Durchfall bzw. Brechdurchfall zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlust kommen kann, ist deren Substitution notwendig; dies gilt insbesondere für (Klein)-Kinder und alte Menschen und anhaltenden Durchfall. Unabhängig von der ärztlichen Verordnung rückt ein weiteres homöopathisches Arzneimittel dabei in den Vordergrund:

Veratrum album, der weiße Germer, ist ein Mittel mit der Causa (=Auslöser) Kreislaufschwäche - in diesem Fall bedingt durch den Brechdurchfall. Die Leitsymptome von Veratrum album spiegeln genau diese Beschwerden wider:

  • akute Kreislaufprobleme mit kalten Schweißausbrüchen, Schwindel sowie Erbrechen, Durchfälle und Bauchkrämpfe
  • Veratrum album D6 wird in einem solchen Akut-Stadium genauso dosiert wie unter Okoubaka beschrieben: am 1. Tag erfolgt die Einnahme stündlich, am 2. Tag alle zwei Stunden und an den folgenden Tagen dreimal täglich bis der Kreislauf wieder stabil ist

Praxisbewährt ist die freie Kombination von Okoubaka D3 mit Veratrum album D6:

  • in der Akutsituation erfolgt alle halbe Stunde eine Gabe im Wechsel, am 2. Behandlungstag jeweils alle Stunde ebenfalls eine Gabe Okoubaka im Wechsel mit Veratrum album. Ist der Kreislauf wieder stabil, kann Veratrum album abgesetzt und Okoubaka noch einige Tage lang eingenommen werden.

Häufig wird in der Apotheke auch nachgefragt, was zur „Kräftigung“ nach einer Durchfallerkrankung eingenommen werden könnte. Aus Sicht der Homöopathie bewährt sich dann besonders gut China, das aus der Chinarinde hergestellte Mittel. Typischer Auslöser ist ein Flüssigkeitsmangel nach einem Brechdurchfall oder auch nach zu langem Stillen. Oftmals kommt es nach einer Erkrankung in der Genesungsphase (Rekonvaleszenz) zu starkem Schwitzen und Schweißausbrüchen, was als Zeichen der körperlichen und seelischen Schwäche zu verstehen ist. Auch nach einer Operation oder Entbindung kann es als Folge von Blutverlust zu einer Schwächung kommen, obwohl das Blutbild einschließlich der Eisenwerte im Normbereich ist.

Auf China hinweisende Leitsymptome sind:

  • wenig Appetit, nach dem Essen oft übel riechende Blähungen mit Bauchkrämpfen, wässriger Durchfall
  • Schweißausbrüche bei der geringsten Belastung, Schwindel, kommt nicht zu Kräften, mangelnde seelische und körperliche Belastungsfähigkeit

China als Kräfte aufbauendes Mittel sollte 3-mal täglich 5 Globuli wenigstens drei Wochen lang eingenommen werden. Das homöopathische Arzneimittel kann auch mit einem Vitamine und Spurelemente enthaltenden Präparat kombiniert werden.

Zur Erläuterung

In der Homöopathie sind eine ganze Reihe von akuten und chronischen Erkrankungen bekannt, bei denen es sich bewährt, zwei Mittel anzuwenden: Okoubaka und Veratrum album im Wechsel bei akutem Brechdurchfall ist ein solches Beispiel. Beide Mittel haben quasi eine synergistische Wirkung – sprich ihre Leitsymptome ergänzen sich. Homöopathische Komplexmittel sind übrigens vergleichbar zusammengesetzt und basieren auf einer langjährigen Anwendungstradition; auch sie sind unter www.hvkompass.de zu finden.

Testen Sie den HV-Kompass kostenfrei! Mit den Direktlinks zu Gastroenteritis, Veratrum Album und Okoubaka kommen Sie direkt auf die Produktseiten.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de