Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 7: Wiederkehrende Halsschmerzen

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Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Wiederkehrende Halsschmerzen

Eine Kundin berichtet über ihre 17jährige Tochter: "Selbst in den Sommermonaten treten bei ihr häufig Halsschmerzen auf, dabei ist sie auffallend matt und müde. Der Hausarzt ist der Meinung, dass sie zu oft im Freibad gewesen ist und sich dabei erkältet hat." 

Ihre Nachfrage

Die besorgte Mutter beschreibt die immer wiederkehrenden Halsschmerzen ihrer Tochter als bis in die Ohren ausstrahlend mit geschwollenen Lymphknoten am Hals. Eine Blutuntersuchung hat der Hausarzt trotz der seit Monaten ständig auftretenden Beschwerden bislang nicht durchgeführt, wird Ihnen auf Nachfrage gesagt. Und die Mutter möchte keine „üblichen“ Halsschmerztabletten. Dankend nimmt sie Ihren Hinweis auf, dass möglicherweise eine Virusinfektion, das so genannte Pfeiffersche Drüsenfieber, Ursache für die geschilderten Beschwerden sein könnte.

Ihre Empfehlung

Unabhängig von einem bei den geschilderten Leitsymptomen unter Berücksichtigung des Lebensalters sehr wahrscheinlichen Drüsenfieber (Mononucleosis infectiosa, Eppstein-Barr-Virus), rückt ein homöopathisches Arzneimittel in den Vordergrund:
Phytolacca americana, die Kermesbeere, als ein bewährtes Drüsenmittel.

  • Die Causa (=Auslöser) Virusinfektion macht eine Behandlung mit einem Naturstoffpräparat nachvollziehbar, unabhängig davon, ob durch Erkältungsviren oder EBV verursacht.
  • Typische Leitsymptome sind die bis in die Ohren ausstrahlende Halsschmerzen und Schluckbeschwerden.
  • Die Rachenschleimhaut ist dunkelrot entzündet, auf den Mandeln sind keine weißen Stippchen sichtbar, was von Betroffenen oft spontan berichtet wird.   
  • Die Lymphknoten am Hals sind vergrößert und tastbar.
  • Phytolacca D6 ist ein Akutmittel: Bei den ersten Anzeichen von Schluckbeschwerden nimmt man stündlich 5 Globuli (Kleinkinder 3 Globuli), am 2. Krankheitstag alle 2 Stunden und ab dem 3. Krankheitstag 3-mal täglich eine Dosis, sofern überhaupt noch Beschwerden bestehen.
  • Phytolacca D6 kann aber auch längerfristig angewendet werden, um das wiederholte Auftreten von Halsschmerzen, z.B. Pfeiffersches Drüsenfieber, zu reduzieren, d.h. „auszuleiten“, basierend auf dem Wirkprinzip der Anregung der Selbstheilungskräfte.
  • Dieser Behandlungsansatz macht es verständlich, weshalb sich Phytolacca auch zur Nachbehandlung einer Streptokokkenangina eignet; dadurch kann eindeutig die Rezidivrate gesenkt werden. 
  • Bei einer längerfristigen Anwendung (=Intervalltherapie) wird das homöopathische Mittel generell 2- bis 3-mal täglich drei Wochen lang eingenommen, und nach einer einwöchigen Pause erneut drei Wochen lang angewendet; diese kurmäßige Anwendung erfolgt solange die Beschwerden anhalten oder immer wieder auftreten, vgl.  Homöopathie-Fallbeispiel 1.

Zur Unterscheidung

Bei einer nicht-eitrigen Angina, also bei Virus bedingten Halsschmerzen kommt ein weiteres Arzneimittel in Betracht, das generell bei hochakuten Entzündungen der Schleimhaut angezeigt ist: Belladonna, die Tollkirsche

  • Belladonna wird immer dann eingesetzt, wenn die Entzündung nicht eitrig ist; unter Homöopathie-Insidern wird das Mittel auch als die „dampfende Tomate“ bezeichnet wird.
  • Belladonna D6 ist bei den typischen Leitsymptomen Röte, Hitze, brennende Halsschmerzen („feuerroter Rachen“) angezeigt, weshalb das Mittel bei Halsschmerzen sowie bei Ohrenschmerzen bewährt ist und deshalb als klassisches Add-on zu einem Analgetikum (z.B. Ibuprofen-Saft) empfohlen werden kann.

Bei nicht-eitrigen akuten Halsschmerzen kann auch Apis mellifica, die Honigbiene, angezeigt sein, oftmals als Bestandteil fixer Kombinationen mit Belladonna.

  • Apis mellifica D6 mit den Leitsymptomen stark angeschwollene, vergrößerte Mandeln und stechende Schluckbeschwerden, die Rachenschleimhaut ist eher blassrot.
  • Das Mittel wird ebenfalls in der Akutdosierung angewendet.
  • Apis mellifica ist ein bewährtes Mittel zur Behandlung von Schwellungen (Ödemen) und lässt sich gut merken mit der Beschreibung „löst Flüssigkeit aus Hohlräumen“, wie man ein Ödem durchaus beschreiben kann.

Mercurius solubilis gehört ebenfalls zu den Akutmitteln; es wird add-on zu einem Antibiotikum eingesetzt, wenn es sich um eine eitrige Entzündung handelt. Typische, auf Mercurius solubilis hinweisende Leitsymptome sind:

  1. starke Halsschmerzen, schlechter Mundgeschmack und -geruch
  2. kloßige Sprache, ausgeprägtes Krankheitsgefühl, Fieber
  3. sehr stark geschwollene, schmerzhafte Lymphknoten
  • Mercurius solubilis D12 wird anfangs 4-mal täglich, im weiteren Verlauf 2- bis 3-mal täglich 5 Globuli angewendet.
  • Das Mittel gehört zu den schnell und stark wirkenden Homöopathika und sollte deshalb nicht zu lange Zeit eingenommen werden. Bei den genannten Leitsymptomen ist eine Einnahmedauer von ca. 10 Tagen ausreichend.

Unser Tipp

Die Anwendung von Mercurius solubilis bei anderen akuten Infektionen, wie z.B. einem akuten Harnwegsinfekt, können Sie im Homöopathie-Fallbeispiel 4 nachlesen und gebündelt finden Sie alle Infos zu diesem Mittel unter www.hvkompass.de.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de