Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 8: Brustentzündung in der Stillzeit

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Brustentzündung in der Stillzeit

Ein Ihnen unbekannter Kunde verlangt Phytolacca D6 Globuli, die Sie vorrätig haben – sogar in der Sichtwahl. Bei der Abgabe des Mittels fragt der Mann nach der Anwendung und danach, ob seine Frau die Globuli in der Stillzeit einnehmen kann.

Ihre Nachfrage

Sie fragen nach, welche Beschwerden bei seiner stillenden Frau bestehen und wie es zur Empfehlung dieses homöopathischen Arzneimittels kam. Ihre Nachfrage ergibt, dass die Hebamme das Mittel aufgrund einer beginnenden Brustdrüsenentzündung empfohlen hat.

Ihre Empfehlung

Grundsätzlich kann Phytolacca D6 einer stillenden Mutter gegeben werden. Phytolacca americana, die Kermesbeere, kann bei verschieden Erkrankungen der weiblichen Brustdrüse angewendet werden. Dazu gehört die akute Brustdrüsenentzündung (Mastitis) mit den typischen Leitsymptomen:

  • Brustdrüse schmerzhaft prall

  • nicht-eitrige Entzündung

  • bis in die Achselhöhle ausstrahlende Schmerzen

  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl

Phytolacca D6 wird dabei als Akutmittel eingesetzt: bei akuten Beschwerden werden am
1. Krankheitstag stündlich 5 Globuli, am 2. Krankheitstag alle 2 Stunden und ab dem 3. Krankheitstag 3-mal täglich eine Dosis eingenommen, solange bis die schmerzhafte Entzündung der Brustdrüse abgeklungen ist.

Anwendung von Phytolacca

Phytolacca ist ein bewährtes Drüsenmittel:  Im Homöopathie-Fallbeispiel 7 wurde die Anwendung von Phytolacca bei akuten und wiederkehrenden Halsschmerzen ausführlich dargestellt. Auch ist es bewährt bei Pfeiffer`schem Drüsenfieber sowie zur Ausheilung einer wiederkehrenden Streptokokken-Angina.

Das Besondere

Phytolacca gehört zu einer Reihe von homöopathischen Arzneimitteln, die in Abhängigkeit der Potenzhöhe unterschiedliche Wirkungen zeigen:

  • Phytolacca D12, 2-mal täglich 5 Globuli wird bei Milchstau und Milchmangel angewendet. Die Stillende klagt über ziehende Schmerzen in der Brustdrüse, die Brüste sind schmerzhaft angeschwollen; die Milch staut sich und fließt nicht ab.
  • Phytolacca D2, 3- bis 4-mal täglich 5 Globuli kann zum Abstillen sowie zur Reduzierung der Milchmenge eingenommen werden. Oft bestehen Schmerzen, die bis in die Achselhöhlen ausstrahlen.
    Mein Tipp für wissenschaftlich Interessierte: Es gibt eine Doppelblindstudie zu der Indikation Abstillen, wonach das Hormonpräparat nicht besser wirksam ist als das homöopathische Arzneimittel Phytolacca, nachzulesen unter www.cam-quest.org.
  • Phytolacca D6, 3-mal täglich 5 Globuli wird auch eingesetzt zur Behandlung der Mastopathia fibro-cystica, d.h. wenn nach gesicherter Diagnose (!), zumeist zyklusabhängig, Knötchen in der Brustdrüse bestehen oder aber im Zusammenhang mit den Wechseljahren diese vermehrt auftreten.

Zur Unterscheidung

Homöopathie in der Stillzeit ist generell ein stark nachgefragtes Thema, zumal immer mehr Hebammen homöopathische Arzneimittel einsetzen und empfehlen. Inzwischen hat sich die Homöopathie im Kreissaal und auf den Wöchnerinnen-Stationen in vielen Frauenkliniken etabliert.

Beispielhaft sind zwei weitere Mittel bei Stillproblemen genannt, die eine ansonsten nur äußerliche Behandlung unterstützen und den Heilungsverlauf beschleunigen:

  • Castor equi D6, 3-mal täglich 5 Globuli wird eingesetzt bei wunden, schrundigen Brustwarzen, schmerzhafter Brustdrüsenschwellung und schmerzhaftem Stillen. Castor equi bewährt sich auch bei Schmerzen am Schambein und Steißbein nach einer Entbindung.
  • Acidum nitricum D12 (Salpetersäure), 2-mal täglich 5 Globuli, hat generell einen Bezug zu Erkrankungen im Haut-Schleimhaut-Bereich, wozu auch die Mamillen gehören. Acidum nitricum D12 wird bei rissigen Brustwarzen angewendet: scharf brennende Schmerzen beim Stillen, jegliche Berührung schmerzt.
    Acidum nitricum bewährt sich auch bei einer Analfissur zur Anregung der Wundheilung.

 Ein interessantes Mittel ist auch Lac defloratum, entrahmte Milch:

  • Lac defloratum D12, 2-mal täglich 5 Globuli kann bei Milchmangel und Milchstau angewendet werden. Die Milchbildung kommt nicht in Gang, die Brüste sind schwer und voll, sodass sich die Milch staut. Diese Leitsymptome erinnern an das oben beschriebene Phytolacca. Und diese Vergleichbarkeit der Anwendung führt zum spannenden Thema der homöopathischen Kuren, die in einem der nächsten Fallbeispiele vorgestellt werden wird. Lesen Sie dazu nochmals Fallbeispiel 6.
Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de