Stillhilfsmittel aus der Apotheke

Teil 1: Grundlagen des Stillens

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Die meisten Mütter haben nach der Geburt den Wunsch, ihr Kind zu stillen. Schließlich gilt die Muttermilch als beste Nahrung für Säuglinge. Doch so entspannt und problemlos wie das Stillen auf Bildern oft aussieht, ist es vor allem in der Anfangszeit häufig nicht. In unserer neuen Serie „Stillhilfsmittel aus der Apotheke“ stellen wir Ihnen verschiedenen Stillprobleme und nützliche Stillhilfsmittel aus der Apotheke vor.

Stillprobleme sind nicht ungewöhnlich

Bereits vor der Geburt versuchen Hebammen oft, die werdenden Mütter auf das Stillen vorzubereiten. Schließlich geht es damit gleich im Anschluss an die Geburt los! Oft bedarf es am Anfang einer gewissen Zeit, bis sich das Stillen eingespielt hat – Mutter und Kind brauchen gemeinsam etwas Übung. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, dass in den ersten Tagen und Wochen, aber auch später noch, Probleme auftauchen, die eine Mutter zur Verzweiflung bringen können. Mit etwas Geduld und der Unterstützung der Hebamme oder einer Stillberaterin lassen sich Stillprobleme häufig beheben. Auch die Apotheke kann Ansprechpartner bei Stillproblemen sein. Wichtig ist, dass ein intimes Thema wie das Stillen nicht in Gegenwart von anderen Kunden, sondern diskret im abgetrennten Beratungsbereiche besprochen wird.

Von der Vormilch zur reifen Muttermilch 

Muttermilch ist in den ersten Lebensmonaten die beste Nahrung für einen Säugling, denn mit ihr bekommt das Baby alle Nährstoffe in der Menge und der Zusammensetzung, die es für sein Wachstum braucht. Zudem ist sie gut verdaulich. Je nach Altersstufe passt sich die Muttermilch in ihrer Zusammensetzung dem Bedarf des Babys optimal an.

Während Muttermilch in den ersten drei bis fünf Tagen nach der Geburt viele Proteine (Eiweiße) und eine große Menge Antikörper, jedoch wenig Fett enthält (Vormilch, Kolostrum), nimmt der Fett- und Kohlenhydratgehalt in der sogenannten Übergangsmilch, die den Übergang von der Vormilch zur reifen Frauenmilch bildet, bereits zu. Die reife Frauenmilch wird etwa ab der dritten Lebenswoche gebildet. Sie hat einen hohen Fettanteil und einen niedrigen Eiweißanteil.

Auch während einer Stillmahlzeit ändert sich die Zusammensetzung der Muttermilch: Zu Beginn der Mahlzeit erscheint die Milch wässriger (Vordermilch), nach dem Auslösen des Milchspendereflexes nimmt der Fett- und Kaloriengehalt zu (Hintermilch), so dass die Milch am Ende einer Stillmahlzeit am nahrhaftesten ist und besser sättigt.

Inhaltsstoffe der Muttermilch

Muttermilch besteht aus Wasser (etwa 87 Prozent) sowie aus Nährstoffen wie Fett (etwa 4 Prozent), Eiweißen (Proteinen), Kohlenhydraten und einer Vielzahl an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Sie enthält Antikörper und Abwehrstoffe, die das Baby vor Krankheiten schützen.

Veränderungen der Brüste

Die weibliche Brust (lateinisch "mamma") besteht vor allem aus Drüsen-, Fett- und Bindegewebe. Sie ist von einem System von Lymphgefäßen, Blutgefäßen und Nerven durchzogen. An ihrer Oberfläche ist die Brust mit Haut überzogen. In der Mitte befindet sich die Brustwarze (Mamille), die von einem dunkler pigmentierten Warzenhof (Areola mammae) umgeben ist.

In der Schwangerschaft verändern sich die Brüste. Sie wachsen unter dem Einfluss der Hormone Estrogen, Progesteron und Prolaktin, werden schwerer, voller und die Brustwarzen werden empfindlicher. Das Drüsengewebe, in dem später die Milchbildung stattfindet, vermehrt sich. Außerdem wird der Warzenhof größer und verfärbt sich dunkel.

Bereits ab der 16.-20. Schwangerschaftswoche kann es zur Bildung von Vormilch (Kolostrum) kommen. Die Milchproduktion erfolgt in den Milchdrüsen. Ihre Struktur kann man sich wie ein Bündel Trauben vorstellen. Die Trauben entsprechen den milchausscheidenden Drüsenläppchen (Lobuli), die Verästelungen repräsentieren die Hohlgänge, die als so genannte Milchgänge (Ductuli) die Milch von den Drüsen zur Brustwarze transportieren.

Gute Gründe für das Stillen

Stillen hat viele Vorteile für die Mutter und das Kind. Die wichtigsten haben wir für Sie zusammengestellt:

Vorteile des Stillen für das Baby

  • Muttermilch ist genau auf den Bedarf des Babys abgestimmt.
  • In der Muttermilch enthaltene Substanzen hemmen das Wachstum von Bakterien im Darm, die Magen-Darm-Infektionen auslösen.
  • Inhaltsstoffe der Muttermilch schützen vor Allergien, Infektionskrankheiten und chronischen Erkrankungen.
  • Muttermilch ist sauber, keimfrei und hat infektionshemmende Eigenschaften.
  • Stillen fördert die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind und gibt Wärme, Nähe und Zuneigung.

Vorteile des Stillens für die Mutter

  • Muttermilch hat immer die richtige Temperatur und muss nicht zubereitet werden; sie ist sofort verfügbar, wenn das Baby hungrig ist, zudem spart man Geld .
  • Stillen verringert nachgeburtliche Blutungen und die Wahrscheinlichkeit einer Blutarmut (Anämie).
  • Stillen trägt dazu bei, dass die Mutter ihre normale Figur schneller wieder zurückerhält.
  • Stillen hat eine schützende Wirkung gegen verschiedene Krebsarten und auch gegen Osteoporose.

Neue Serie zu Stillhilfsmitteln

Auch wenn Stillen die natürlichste Sache der Welt ist, treten häufig Probleme auf, die die Stillbeziehung belasten können. Um junge Mütter in der Apotheke optimal beraten zu können und so möglicherweise ein vorzeitiges Abstillen zu verhindern, stellen wir Ihnen in unserer neuen Serie verschiedene Stillhilfsmittel, die beispielsweise bei wunden Brustwarzen, Milchstau oder Flach- bzw. Hohlwarzen verwendet werden können, vor. Den zweiten Teil zu Stillhilfsmitteln, die den Alltag erleichtern, können Sie demnächst auf unserer Homepage lesen. 

 

 

 

Martina Schiffter-Weinle
Apothekerin, Redakteurin
onlineredaktion@ptaheute.de