Stillhilfsmittel aus der Apotheke

Teil 3: Hilfsmittel für wunde, rissige Brustwarzen

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Viele Frauen haben empfindliche Brustwarzen und wenn diese aufgrund der starken Beanspruchung beim Stillen oder Fehler beim Anlegen des Kindes schmerzen, wund, rissig oder blutig sind, kann das schnell zu einer starken psychischen Belastung werden. Zur Linderung der Schmerzen und Förderung der Wundheilung können Sie stillenden Müttern einige nützliche Hilfsmittel empfehlen.

Kein seltenes Problem

Besonders zu Beginn der Stillzeit klagen viele Frauen über Schmerzen im Bereich der Brustwarzen. Etwa ein Drittel der stillenden Mütter hat in den ersten Wochen nach der Geburt wunde, gerötete und geschwollene Brustwarzen, zum Teil mit oberflächlichen Verletzungen wie Hautabschürfungen, aber auch mit schmerzhaften tiefen Rissen und Schrunden (=Rhagaden). Rhagaden heilen nur sehr schwer. Häufig fangen sie durch das Saugen des Babys an der Brustwarze an zu bluten, verkrusten zwischen den Stillmahlzeiten, um dann bei dem erneuten Anlegen wieder aufzuplatzen. 

Wunde Brustwarzen entstehen häufig durch ein fehlerhaftes Anlegen des Babys an die Brust. Sie verursachen starke Schmerzen beim Stillen, bei Berührung und beim Tragen eines BHs. Ein guter Tipp ist es in diesem Fall, die Stillposition von der Hebamme oder einer Stillberaterin noch einmal überprüfen zu lassen und so die Ursache zu beheben. Andauernde Schmerzen sind eine häufige Ursache für frühzeitiges Abstillen. Zudem können diverse Stillhilfsmittel Linderung verschaffen.

Hydrogel Pads

Medela Hydrogel Pads (Bild: Medela)

Hydrogel Pads (z.B. Medela Hydrogel Pads, Kendall™ Hydrogel Breast Feeding Pads) kühlen die Brustwarzen, spenden Feuchtigkeit und halten die Haut geschmeidig. Der Heilungsprozess wunder Brustwarzen wird optimal unterstützt. Die Pads werden zwischen den Stillmahlzeiten auf die Haut aufgelegt und absorbieren Sekret und Muttermilch. Die Brust muss vor dem Stillen unbedingt abgewaschen werden, zudem sollten die Pads nach jedem Stillen mit warmem Wasser abgespült werden. Wenn die Pads milchig trüb werden, müssen sie durch neue ersetzt werden.

Brustkompressen

Thera°Pearl® 3-in-1 ThermoPerlen von Lansinoh (Bild: Lansinoh)

Brustkompressen werden direkt auf die Brust aufgelegt. Zur Wärme- und Kältetherapie können beispielsweise die Thera°Pearl® 3-in-1 ThermoPerlen von Lansinoh® verwendet werden. Dabei handelt es sich um wiederverwendbare Perlenkissen mit weichem Schutzvlies. Man kann sie in der Mikrowelle erwärmen oder im Kühl- oder Gefrierschrank lagern. Sie helfen bei Spannungen oder Schwellungen der Brust, bei Milchstau und Mastitis und können sogar an einer Milchpumpe angebracht werden, um den Milchspendereflex durch Wärme anzuregen und die Pumpdauer zu verkürzen.
Eine andere Art von Brustkompressen sind die Multi-Mam® Kompressen, die mit einem bioaktiven Gel imprägniert sind, das eine direkte beruhigende Wirkung auf wunde Brustwarzen hat, viele schädliche Bakterien auf natürliche Weise blockiert und den natürlichen Heilungseffekt unterstützt. Die Kompressen sind frei von Konservierungsstoffen und können auch im Kühlschrank gelagert werden, um zusätzlich eine kühlende Wirkung zu haben. Das Gel muss vor dem Stillen nicht abgewaschen werden.

Brustwarzenschutz

Brustwarzenschutz von Medela (Bild: Medela)

Der Medela Brustwarzenschutz schützt wunde und rissige Brustwarzen vor Reibung. Es handelt sich dabei um eine Schale mit weicher, flexibler Silikonmembran, die sich der Brustform anpasst. Die Öffnung des Brustwarzenschutzes wird direkt über der Brustwarze positioniert.

Stillhütchen

Stillhütchen erleichtern dem Baby das Fassen der Brustwarze beim Stillen. (Bild: Medela)

Stillhütchen (z.B. Ardo Tulips, Medela Contact Brusthütchen) bestehen aus Silikon (oder Latex) und werden vor dem Anlegen über die Brustwarze gestülpt. Sie werden beispielsweise bei Flach- oder Hohlwarzen eingesetzt, wenn das Baby die Brustwarze nicht richtig fassen kann. Auch bei wunden Brustwarzen können sie Linderung verschaffen. Stillhütchen gibt es in verschiedenen Größen für kleine und große Brustwarzen.

Brustwarzenformer

Mit dem Lansinoh® Latch Assist™ kann man die Brustwarzen kurz vor dem Stillen in Form bringen.(Bild: Lansinoh)

Manche Frauen haben Probleme beim Stillen weil ihre Brustwarzen nicht hervortreten, sondern flach (Flachwarzen) bzw. nach innen eingezogen sind (Hohlwarzen). Dann kann das Baby die Brustwarzen eventuell nicht mit dem Mund fassen. Hier können Brustwarzenformer helfen, die die Aufrichtung der Brustwarzen verbessern. Der Lansinoh® Latch Assist™ beispielsweise zieht die Brustwarze sanft hervor und bringt sie in die richtige Form. Auch von Medela gibt es einen Brustwarzenformer, der unter dem BH getragen wird.

Weitere Tipps

Neben den beschriebenen Hilfsmitteln können Sie stillenden Müttern mit wunden Brustwarzen auch folgende Tipps geben:

  • viel Luft an die Brustwarze lassen - so verhindert man, dass sich unter der Stilleinlage oder im BH möglicherweise feuchte Kammern bilden, die einen Nährboden für Keime darstellen
  • beim Anlegen mit der Brustwarze beginnen, die weniger oder nicht schmerzt
  • das Baby möglichst frühzeitig anlegen, denn wenn es sehr hungrig ist, ist es unruhig und ungeduldig
  • nach dem Stillen ein paar Tropfen Muttermilch ausstreichen und auf der Brustwarze trocknen lassen
  • ggf. über den Einsatz einer Milchpumpe nachdenken; durch die Regulierung der Saugkraft wird ein sanftes Abpumpen ermöglicht und die Brustwarze geschont
  • zur Pflege der Brustwarzen kann hoch gereinigtes Wollwachs (Lanolin) auf die Brustwarzen aufgetragen werden (siehe auch Teil 2 der Stillhilfsmittelserie)