Fehlendes „A“ als Retaxfalle?

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Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Anfrage:

Wir sind auf 1.600,00 Euro retaxiert worden, weil wir vergessen haben, das fehlende „A“ bei einer Höchstmengenüberschreitung auf einem BtM-Rezept zu ergänzen. Da aber tatsächlich eine Rücksprache mit dem verordnenden Arzt vor der Abgabe erfolgte, haben wir Einspruch eingelegt. Eine Bestätigung des Arztes, dass die Rücksprache mit ihm vor der Abgabe erfolgte, haben wir dem Schreiben beigelegt. Nun ist dennoch unser Einspruch abgelehnt worden. Ist diese Ablehnung rechtens?

Antwort

Das „A“ auf Betäubungsmittelverordnungen soll dem Apotheker signalisieren, dass dem Arzt bewusst ist, dass er mit seiner Verordnung die für das Betäubungsmittel (BtM) festgelegte reguläre Höchstmenge innerhalb von 30 Tagen überschritten hat. Fällt dem Apotheker die fehlende Kennzeichnung bei einer Höchstmengenüberschreitung auf, so darf er diese gemäß § 3 Rahmenvertrag nach Rücksprache mit dem Arzt selber auf der Verordnung ergänzen. Dass die Apotheke als zusätzliche Kontrollinstanz der ärztlichen Verordnungen vorgesehen ist, ist im Regelfall nicht zu beanstanden. Dass jedoch ausschließlich die Apotheke finanziell zur Verantwortung gezogen wird, wenn die Arztpraxis die vorrangig an sie gerichtete BtM-Verschreibungsverordnung nicht beachtet, ist eigentlich nicht akzeptabel.

Die Vermeidung solcher unfairer Retaxationen durch reine Formfehler war überhaupt der Anlass zur Neuregelung des Rahmenvertrags vor nun mehr als eineinhalb Jahren. Umso enttäuschender ist es, wenn Krankenkassen dennoch jede nicht bis ins kleinste Detail geregelte Heilungsmöglichkeit nutzen, um Apotheken ihren Vergütungsanspruch zu verweigern. Streng genommen finden sich nämlich Vorgaben zum Zeitpunkt der erforderlichen Ergänzung tatsächlich nur in § 8 Absatz 6 BtMVV bei Notfallverordnungen:

„Die Apotheke hat den verschreibenden Arzt, Zahnarzt oder Tierarzt unverzüglich nach Vorlage der Notfall-Verschreibung und möglichst vor der Abgabe des Betäubungsmittels über die Belieferung zu informieren.“

Hier gibt der Gesetzgeber zu erkennen, dass bei dringender Versorgung die Information des Arztes auch unverzüglich nach der Versorgung erfolgen kann. Leider fehlt eine entsprechende Ermächtigung der Apotheke für die §§ 9 und 12 BtMVV, sodass einige Retaxprüfstellen jede Bestätigung nach der Versorgung des Patienten ablehnen, selbst wenn diese durch den Arzt oder durch den Patienten erfolgt.
Angesichts der Unverhältnismäßigkeit dieser Retaxation, bei der weder die Arzneimittelsicherheit gefährdet war, noch der Krankenkasse ein finanzieller Schaden entstanden ist, hätte sich die Rezeptprüfstelle gemäß § 3 Rahmenvertrag entgegenkommend zeigen und auf diese Retax „pädagogischer Art“ im Grunde verzichten können.

Fazit

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass es bei manchen Krankenkassen in solchen Fällen wohl nicht zu einer Einigung zwischen den Apotheken und den Kassen kommen wird. Und dass, solange entsprechende retaxsichere Vereinbarungen beispielsweise in ergänzenden Verträgen nicht durchgesetzt werden, man nicht auf die Dokumentation der Heilung mittels Datum und Unterschrift vor der Abgabe verzichten kann.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de