Filgrastim-Retaxation gerechtfertigt?

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Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Anfrage:

Retax-Frage

Uns lag folgendes Rezept zulasten der KKH (Kaufmännische Krankenkasse) vor: „Filgrastim Fertigspritzen 30 Mio. E. 5 Stk.“

Wir gingen dabei vom Präparat Filgrastim Hexal aus und belieferten das Rezept mit dem austauschfähigen Import Zarzio 30 Mio. E. 5 Stk. von Beragena. Dies wurde uns von der Rezeptprüfstelle retaxiert, da diese bei der obigen Verordnung von einer reinen Wirkstoffverordnung ausginge und wir demnach bevorzugt ein rabattiertes Produkt hätten abgeben müssen. Ist das Vorgehen und die Ansicht der Prüfstelle korrekt?

Antwort

Bei Filgrastimräparaten handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, die nur in bestimmten Fällen gegeneinander ausgetauscht werden dürfen. Voraussetzung für die Austauschbarkeit zweier Präparate ist der gleiche biotechnologische Herstellungsprozess und eine entsprechende Listung in Anlage 1 zum Rahmenvertrag. Danach ergeben sich für filgrastimhaltige Präparate folgende Austauschmöglichkeiten:

Abb.: Ausschnitt aus der DAP-Arbeitshilfe „Austausch von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln“, gültig seit 01.06.2015, Quelle: DAP, Stand: April 2017

Dass bei einer Verordnung über „Filgrastim“ nicht von einer unbestimmten Wirkstoffverordnung ausgegangen werden muss, sondern eine Verordnung des Präparates FilgrastimHexal angenommen werden kann, ergibt sich aus der Tatsache, dass Wirkstoffverordnungen aufgrund der strengen Austauschkriterien bei biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln unzulässig sind und dass nur das Produkt von Hexal die Bezeichnung „Filgrastim“ im geschützten Warenzeichen trägt. Alle anderen filgrastimhaltigen Präparate tragen andere Präparatenamen.

Folglich zeigt die Apotheken-EDV bei der Eingabe „Filgrastim“ auch nur die Hexal-Produkte, als Ausgangspunkt für die weitere Recherche an – bei der entsprechend der Anlage 1 zum Rahmenvertrag die mögliche Abgabe von Zarzio angezeigt wird. Da zum Abgabezeitpunkt zu Filgrastim Hexal kein aut-idem-fähiges Rabattarzneimittel der entsprechenden Krankenkasse im Handel war, wurde der Apotheke von ihrer EDV keine vorrangige Alternative angezeigt.

Fazit

Aus der Sicht von DAP ist die erfolgte Retaxation gesetzlich und vertraglich nicht zu rechtfertigen und daher zurückzunehmen. Dazu kommt, dass die Krankenkasse der betroffenen Apotheke in der Vergangenheit bei einem ähnlichen Fall – bei der sie die Retax zumindest teilweise zurücknahm – zugesagt hatte, dass keine weiteren Retaxationen dieser Art erfolgen würden.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de