Darf ein namentlich verordneter Import auf den Preis des Originals retaxiert werden?

Bild: © Stefanos Lespouridis - Fotolia.com

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Anfrage:

Frage aus der Rezeptur

Wir erhielten eine Retaxierung aufgrund eines unwirtschaftlichen Importes.

Verordnet war zulasten der Barmer GEK „Faslodex 250 mg INJ LSG ILO 2 St. N2, INOPHA GmbH” mit Aut-idem-Kreuz. Dieser Import wurde auch abgegeben, da zum Abgabezeitpunkt kein Rabattvertrag zu beachten war. Muss immer der preisgünstigste Import abgegeben werden?

Antwort

 Nein, es muss in diesem Fall nicht der preisgünstigste Import abgegeben werden. Die Abgabe des namentlich verordneten Importes war ebenfalls korrekt. 

Zwar war der verordnete und abgegebene Import zum Abgabezeitpunkt teurer als das Original, die Apotheke war jedoch berechtigt, das namentlich verordnete Produkt abzugeben. Rechtliche Grundlage ist § 4 Abs. 4 Rahmenvertrag:

„Kommt eine vorrangige Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel nach Absatz 2 nicht zustande, stehen unter den Voraussetzungen nach Absatz 1 die drei preisgünstigsten Arzneimittel und im Falle der aut idem–Ersetzung zusätzlich das namentlich verordnete Arzneimittel, soweit in den ergänzenden Verträgen nach § 129 Absatz 5 Satz 1 nichts anderes vereinbart ist, oder ein importiertes Arzneimittel nach Maßgabe des § 5 zur Auswahl; zählt das verordnete Arzneimittel zu den drei preisgünstigsten Arzneimitteln, darf das ersetzende Arzneimittel nicht teurer als das namentlich verordnete sein.“

Fazit

Auch wenn es sich in diesem Fall um einen unwirtschaftlichen Import handelt, ist die Retaxierung durch die Krankenkasse auf den Preis des Originals nicht richtig und zurückzunehmen. Lediglich eine herstellerneutrale Verordnung hätte in diesem Fall auf den Preis des Originals retaxiert werden dürfen, nicht jedoch eine namentlich eindeutige Verordnung.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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