Importretax: Hätten wir wirklich das Original abgeben müssen?

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Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir haben ein Rezept zulasten der Barmer über „Vancomycin ENTEROCAPS 125 mg 28 St. N2 RIEMSER Pharma GmbH“ mit dem namentlich verordneten Import beliefert. Im Nachhinein erhielten wir eine Retaxation mit der Begründung, dass der Import unwirtschaftlich sei, und wurden auf den Preis des Originals retaxiert. Waren wir hier tatsächlich verpflichtet, das günstigere Präparat abzugeben?

Antwort

Apotheken sind grundsätzlich zu einer wirtschaftlichen Arzneimittelabgabe verpflichtet. Dies wird sowohl im § 12 SBG V als auch in den Versorgungsverträgen erwähnt. Dazu gibt es weitere konkretisierende Gesetzes- oder Vertragsregelungen, die bei einer vertragskonformen Rezeptbelieferung zu berücksichtigen sind. Zunächst ist immer eine Prüfung auf Rabattverträge erforderlich, da rabattierte Arzneimittel vorrangig abzugeben sind. Im vorliegenden Fall gab es allerdings keine rabattierten Arzneimittel.

Im nächsten Schritt wird geprüft, ob und welche Alternativpräparate für eine Abgabe in Frage kommen. Der Preisvergleich zwischen dem verordneten Import und dem zugehörigen Original ergibt, dass das Original in diesem Fall tatsächlich günstiger war.

Abb. Lauer-Taxe, Stand 15.11.2016

 

Zum Abgabezeitpunkt gab es allerdings keine vertragliche Verpflichtung, das namentlich verordnete Produkt von RIEMSER Pharma gegen ein anderes Aut-idem-Präparat auszutauschen. Da es kein vorrangig abzugebendes rabattiertes Arzneimittel gab, war nach
§ 4 (4) Rahmenvertrag die Abgabe des verordneten Arzneimittels erlaubt.

Abb. Auszug § 4 (4) Rahmenvertrag

Fazit

Eine Substitution wäre hier zwar möglich gewesen, war aber nicht verpflichtend, da nach Rahmenvertrag entweder das verordnete Präparat oder eines der drei preisgünstigsten Arzneimittel oder ein 15/15-Import abgegeben werden darf, sofern kein Rabattarzneimittel vorrangig abzugeben ist. Daher ist diese Retaxationen nicht gerechtfertigt und sollte zurückgenommen werden.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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