Muss die Apotheke für die verspätete Genehmigung durch die Krankenkasse zahlen?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir erhielten von einem Patienten folgende Verordnung:

Krankenkasse: BKK Deutsche Bank (IK 104224634)

Verordnung: Fresubin 2 Kcal DriMischk LOE 24 x 200 ml

Verordnungs- und Vorlagedatum: 02.07.2015

Wir beantragten umgehend eine Kostenerstattung durch die Krankenkasse. Die Bestätigung, dass die Kosten durch die GKV übernommen werden, erhielten wir allerdings erst am 06.08.2015. So bedruckten wir schließlich auch das Rezept und gaben die Trinknahrung an den Patienten ab. Zusätzlich notierten wir die verspätete Genehmigung auf dem Rezept und hängten diese an das Rezept an. Es folgte eine Retaxation der BKK Deutsche Bank mit der Begründung, dass die Monatsfrist zur Belieferung abgelaufen sei. Ist die Retaxation rechtens, wenn die Krankenkasse die verspätete Genehmigung zu verschulden hat?

Es handelt sich bei dem Kostenträger um eine Regionalkasse, deren Arzneiversorgungsverträge meist die fristgerechte Abgabe innerhalb eines Monats ab Ausstellungsdatum vorschreiben. Diese Regelung ist unabhängig davon, ob die Verordnung rechtzeitig in der Apotheke vorgelegt wurde. Bei RVO-Kassen wäre diese Retax also vertragsgemäß, wenn nicht die Krankenkasse selbst durch ihre verspätete Kostenübernahme die verspätete Abgabe verursacht hätte.

Würde es sich bei dem angegebene „Kostenträger“ um eine vdek-Kasse handeln, so würde ein Rezeptvermerk über die rechtzeitige Vorlage und verspätete Kassengenehmigung ausreichen, um eine Retax vertraglich zu vermeiden.

So heißt es in § 4 Abs. 6 des vdek-Vertrags:

„Die Mittel dürfen nur abgegeben werden, wenn die Verordnung innerhalb von einem Monat nach Ausstellung der Verordnung in der Apotheke vorgelegt wird.“

Die Apotheke hat richtig gehandelt:

  1. Sie erhielt das Rezept innerhalb der zugelassenen Zeit.
  2. Sie reichte (gemäß Liefervertrag) einen Kostenvoranschlag bei der Kasse ein.
  3. Sie erhielt eine Genehmigung durch die Kasse nach Ablauf der „offiziellen“ Lieferzeit des Rezepts.

Fazit

Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine offensichtlich aufgrund verspäteter Kostengenehmigung verzögerte Abgabe nicht innerhalb einer der Verordnung angemessenen Lieferfrist nach Eingang der Übernahmegenehmigung versorgt werden darf. Hier wäre eine unbürokratische, praxisnahe Abgaberegelung für RVO-Kassen im Sinne aller Beteiligten dringend erforderlich.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

Das DAP

Das DeutscheApothekenPortal (DAP) gibt Hilfestellungen bei allen Fragen rund um die Arzneimittelabgabe und ist damit ein wichtiger Service-Partner der Apotheken. DAP unterstützt Apotheker und Apothekerinnen sowie PTA bei der richtigen Rezeptbelieferung und stellt eine Vielzahl von Arbeitshilfen, Postern, Fortbildungen und anderen kostenlosen Servicematerialien zu den verschiedenen in der Apotheke anfallenden Aufgaben zur Verfügung.

Die Online-Services des DeutschenApothekenPortals finden Sie Hier

Falls Sie die DAP-Medien noch nicht beziehen oder eine Frage an das DAP haben, schreiben Sie einfach eine Mail an info@deutschesapothekenportal.de

Retaxfrage?

Gerne unterstützen wir Sie in unserer Rubrik "Retax-Fragen" in Zusammenarbeit mit dem DeutschenApothekenPortal bei der Lösung von Problemen bei der Arzneimittelabgabe und bei der Vermeidung von Retaxationen. Haben Sie eine Frage zur Rezeptbelieferung? Dann schicken Sie Ihren Fall gerne an per Mail an uns. Bitte beachten Sie, dass wir keine akute Hilfestellung vor der Abgabe geben können.

Hier einsenden