Retax statt Malus bei namentlich verordnetem Import?

In einer Apotheke reichte ein Patient folgendes Rezept ein:

Es wurde eindeutig ein Reimport mit Aut-idem-Kreuz zulasten der BARMER GEK verordnet. Durch das Aut-idem-Kreuz war ein Austausch auf ein günstigeres Generikum untersagt, daher hatten wir nur das Erstanbieterprodukt, zwei weitere Importprodukte und das namentlich verordnete EurimPharm-Produkt als Abgabemöglichkeiten zur Auswahl. Original und Importprodukte sehen wir als austauschbar an. Wir gaben das namentlich verordnete und u. E. auch vertraglich erlaubte Produkt von EurimPharm ab, da auch der Preisanker eingehalten wurde.

Wir erhielten daraufhin von der Rezeptprüfstelle eine Retaxation. Uns ist der Importmalus und die volle Differenz zum günstigsten Präparat (ausgehend vom Originalprodukt der Firma AbbVie) abgezogen worden. Ist das gerechtfertigt?

Das Apothekenteam ist laut § 5 Absatz 3 Rahmenvertrages dazu verpflichtet, bei der Belieferung von importfähigen Arzneimitteln zur Erzielung der Wirtschaftlichkeitsreserve eine Importquote zu erfüllen. Dabei ist zwischen einer vertraglich vorgeschriebenen Importabgabe und einer Importabgabe aus wirtschaftlichen Gründen zu unterscheiden. Eine vertraglich vorgeschriebene Importabgabe ist abhängig von der Verordnungsart. Die Nichtabgabe ist vertragsgemäß zu begründen und zu dokumentieren (Sonder-PZN, Defektmeldung des Herstellers), da sonst eine Retax seitens der Rezeptprüfstelle gerechtfertigt ist.

Der maßgebliche Arzneiversorgungsvertrag mit dem Verband der Ersatzkassen (vdek-Vertrag) sagt dazu in § 4 (8):

„Wenn zum Zeitpunkt der Vorlage der Verordnung das verordnete Importarzneimittel nicht lieferbar ist und ein anderes Importarzneimittel, das nicht teurer ist als das verordnete, nicht lieferbar ist, ist die Apotheke berechtigt, ein höherpreisiges Importarzneimittel oder das Originalarzneimittel abzugeben. Hierzu hat sie vor der Abgabe Rücksprache mit dem verordnenden Arzt zu halten, auf dem Verordnungsblatt die Rücksprache mit dem Arzt zu dokumentieren und das Sonderkennzeichen „Nichtverfügbarkeit“ (02567024) aufzudrucken. Auf Nachfrage hat die Apotheke die Nichtverfügbarkeit des verordneten Importarzneimittels nachzuweisen. Steht in diesen Fällen ein entsprechendes Rabattvertragspartnerpräparat zur Verfügung, so ist dieses bevorzugt abzugeben.“

Ist eine Importabgabe aus wirtschaftlichen Gründen möglich, bspw. bei der 15/15-Regel, so es ist der Rezeptprüfstelle nur erlaubt, den Importmalus gemäß Rahmenvertrag zu fordern.

Fazit

Das Team ist nicht dazu verpflichtet, jede Importverordnung durch preisgünstigere Präparate zu ersetzen. Die Prüfstelle ist nur dazu berechtigt, den Importmalus abzuziehen.

Info-Box

Die Verrechnung des Malus mit der Importquote zugunsten der Krankenkasse erfolgt automatisch durch die Rezeptabrechnungsstelle der Apotheke. Hier besteht kein Handlungsbedarf für die Krankenkassen oder deren Prüfstellen. Nachzulesen ist dies im Rahmenvertrag § 5, der für alle GKVen gilt.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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