Retax von Mictonetten® berechtigt?

Eine Apotheke hat aus Wirtschaftlichkeitsgründen statt der verordneten 3 x N2 Packungen, 1 x N3 und 1 x N2 abgegeben und prompt folgte die Retaxation. Zu recht? | Bild: Apogepha

In unserer aktuellen Retax-Frage wurde einer Apotheke eine Verordnung über Mictonetten® retaxiert. Das Team hat aus Wirtschaftlichkeitsgründen statt 3 x eine N2-Packung zu beliefern, wie es samt Aut-idem-Kreuz und „!“-Vermerk verordnet war, 1 x N2 und 1 x N3 beliefert. Ist diese Retaxation berechtigt?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Uns lag eine Verordnung über „3 x N2 Mictonetten“ mit „!“als besonderem Vermerk sowie einem Aut-idem-Kreuz zulasten der TK (IK 108377503) vor. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen haben wir 1 x die N3- mit 98 Stück und 1 x die N2-Packung mit 49 Stück abgegeben. Nun sind wir retaxiert worden, da der Arzt angeblich ein neues Rezept hätte ausstellen müssen mit eben diesen Mengen (1 x N3 und 1 x N2). Angegebener Grund der Retaxstelle: „Wenn eine höhere Anzahl Tabletten als N2 verordnet wird und es eine N3-Packung gibt, dann muss der Arzt ein neues Rezept ausstellen mit z. B. N3 und N2.“ Einen entsprechenden Passus im Gesetz konnten wir allerdings nicht finden. Daher unsere Frage: Ist diese Retax berechtigt?

Verordnungsmengen oberhalb des größten definierten Normgrößenbereichs Nmax sind nach wie vor eines der Hauptprobleme zwischen Patient, Arzt, Apotheke und den Rezeptprüfstellen der Krankenkassen – wie auch in dem vorliegenden Retaxfall. Statt 3 x die N2-Packung mit 49 Stück = 147 Stück abzugeben, was einen Abgabepreis von 3 x 27,27 Euro = 81,81 Euro bedeutet hätte – und vermutlich ebenfalls retaxiert worden wäre, da eine N3-Packung mit 98 Stück definiert und auch im Handel verfügbar ist – hat das Apothekenteam aus Wirtschaftlichkeitsgründen 1 x die N3 mit 98 Stück und 1 x die N2-Packung mit 49 Stück abgegeben. Dies entspricht ebenfalls der ärztlich verordneten Gesamtmenge von 147 Stück. Bei der Abgabe hat das Team tatsächlich wirtschaftlich gehandelt, denn ihre Abgabe ergibt eine Ersparnis für die Krankenkasse und somit für die Solidargemeinschaft in Höhe von 12,76 Euro (81,81 € minus 69,05 €):

Abb.: Lauer-Taxe-online – Datenstand zum Abgabetag am 20.03.2018.

Daher ist es auch nur schwer verständlich, dass sich die Rezeptprüfung der Krankenkasse dieser wirtschaftlichen, therapeutischen Versorgung verweigert. Auch dem DeutschenApothekenPortal ist kein Passus, weder im Gesetz noch im vdek-Vertrag, bekannt, der besagt, dass, wenn eine höhere Anzahl Tabletten als N2 verordnet wird und es eine N3-Packung gibt, der Arzt ein neues Rezept ausstellen muss mit z. B. N3 und N2.

§ 3 (1) 7e Rahmenvertrag (in der Fassung vom 30. September 2016) besagt sogar, dass die Apotheke bei einer Verordnung, unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit und des Vorranges der Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel Packungen bis zu der vom Arzt insgesamt verordneten Menge abgeben darf.

Da aber solch eine Regelung nicht in der noch aktuell gültigen Fassung des Rahmenvertrags enthalten ist, sollte die Apotheke Einspruch gegen die Retaxation einreichen.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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