Berechtigt ein fehlendes „A“ auf dem BtM-Rezept zur Null-Retaxation?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Bild: Schelbert / PTAheute

Retaxfrage

 

Wir haben übersehen, dass bei einem eingereichten BtM-Rezept die Höchstmenge überschritten war. Da der Arzt kein „A“ auf dem Rezept vermerkt hatte, haben wir nun eine Null-Retaxation erhalten – über einen Betrag von 500 Euro! Unsere Einsprüche wurden mit der Begründung abgelehnt, dass es sich hierbei nicht um einen Formfehler handle und eine nachträgliche Arztbestätigung bzw. Heilung nicht anerkannt werde.

Verordnet war „Palexia 200 mg Grünenthal N3 100 Retardtabletten“ ohne ein auf dem BtM-Rezept vermerktes „A“.

Ist die Krankenkasse hier im Recht?

Antwort

Mit der Verordnung von „Palexia Retard 200 mg 100 St.“ wird die BtM-Höchstmenge von 18.000 mg für den enthaltenen Wirkstoff Tapentadol, die ein Arzt innerhalb von 30 Tagen für einen Patienten verordnen darf, bereits überschritten: 100 Tabletten à 200 mg entsprechen 20.000 mg.

Das Rezept hätte also laut § 2 Abs. 1 BtMVV mit einem „A“ gekennzeichnet sein müssen.

Wenn eine Apotheke von ihrer EDV nicht – wie in der Abbildung – sofort auf die Überschreitung der Höchstmenge hingewiesen wird, kann man nachvollziehen, dass diese 500-Euro-Retaxfalle im Apothekenalltag leicht zu übersehen ist.

Abb.: Warnhinweis der ADG-Software bei Eingabe von Palexia Retard 200 mg 100 St.; Stand: 09/2017

Im Rahmenvertrag wurden zwar im Juni 2016 Formfehler definiert, die nicht mehr retaxiert werden dürfen, Formfehler auf BtM-Rezepten jedoch leider nicht erfasst. Im Kommentar des Deutschen Apothekerverbands (DAV) zu den 2016 in Kraft getretenen Regelungen heißt es lediglich in Bezug auf mögliche ergänzende Regelungen, dass in diesen z. B. auch vorgesehen werden könnte, „dass Beanstandungen auch dann unterbleiben, wenn die Apotheke bei Abgabe eines Betäubungsmittels das Fehlen ärztlicher Angaben gemäß § 9 BtMVV übersieht. Zu denken wäre hier beispielsweise an die Buchstaben „A“ gemäß § 2 Absatz 2 Satz 2 oder „S“ gemäß § 5 Absatz 4 BtMVV“ (vgl. § 3 Abs. 1 Spiegelstrich 1 Rahmenvertrag).

In die ergänzenden Verträge wurden aber bislang keine entsprechenden Regelungen aufgenommen.

Geht man davon aus, dass der DAV-Kommentar zum Rahmenvertrag keine einseitige Stellungnahme von Seiten der Apotheker ist, sondern auf den gemeinsamen Gesprächen während der Verhandlungen beruht, dann wurde ein fehlendes „A“ auf einem BtM-Rezept in diesem Rahmen offenbar als Formfehler eingestuft und nicht als Fehler, der die gesamte Verordnung ungültig macht.

Fazit

Bis eine eindeutige Regelung zu Formfehlern bei BtM-Rezepten in die ergänzenden Verträge aufgenommen wird, muss weiterhin mit Null-Retaxationen dieser Art gerechnet werden. BtM-Rezepte sind deshalb umfassend zu prüfen, um eventuell fehlende Angaben wie z. B. die Gebrauchsanweisung oder das Kennzeichen zur Höchstmengenüberschreitung „A“ vor der Abrechnung korrigieren zu können.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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