Retaxation trotz nicht angezeigter Rabattverträge?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Uns erreichte eine Retaxation der DAK Bad Neuenahr Ahrweiler, mit der Begründung, dass wir Rabattarzneimittel nicht vorrangig abgegeben hätten. Es handelte sich um folgende Verordnung:

  • Lyrica 75 mg Kapseln, 56 Stück
  • Temozolomid 180 mg Kapseln, 5 Stück
  • Temozolomid 140 mg Kapseln, 5 Stück

Nach Eingabe der IK 101560501 wurde uns aber zu keinem der verordneten Arzneimittel ein vorrangig abzugebendes Rabattarzneimittel angezeigt. Deshalb gaben wir das namentlich verordnete Lyrica® und jeweils ein preisgünstiges Temozolomid-Generikum ab. Die Retaxation setzt sich wie folgt zusammen:

Müssen wir haften, wenn die Datenlieferanten einen Fehler verursachen?

Apotheken sind gemäß Rahmenvertrag dazu verpflichtet, vorrangig rabattbegünstigte Arzneimittel abzugeben. Möglich ist dies aber nur, wenn die Apothekensoftware diese auch korrekt abbildet. Die Recherche hat ergeben, dass zum Zeitpunkt der Abgabe zu jeder der verordneten Positionen ein Rabattvertrag existierte:

Keiner dieser Rabattverträge war jedoch zum Abgabezeitpunkt für die angegebene Kassennummer in der Apothekensoftware hinterlegt. Daher wurde auch kein Rabattarzneimittel angezeigt und es konnte auch kein Rabattarzneimittel vorrangig ausgewählt und abgegeben werden.

Die Apotheke hat laut vdek-Arzneiversorgungsvertrag § 4 (5) keinerlei Prüfpflicht bezüglich der auf dem Rezept angegebenen Kassennummer:

„Die Apotheken sind zur Nachprüfung der Zugehörigkeit des Versicherten zu der auf der Verordnung angegebenen Ersatzkasse nicht verpflichtet; die angegebene Ersatzkasse, ist zur Zahlung verpflichtet, maßgeblich ist das auf dem Verordnungsblatt angegebene Institutionskennzeichen der Ersatzkasse.“

Fazit

Für die Apotheke ist nicht nachvollziehbar, welcher der Datenlieferanten den Fehler verursacht hat. Genauso wenig ist es aber nachvollziehbar, dass die Apotheke für den Softwarefehler mit einer Summe von ca. 1.900 Euro haften soll. Ein ähnlicher Fall zeigt aber, dass es Hoffnung gibt: Dort akzeptierte die Krankenkasse (HEK) den Einspruch der Apotheke. Bleibt zu hoffen, dass auch diese Retaxation zurückgenommen wird.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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Retaxfrage?

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