Wie ist mit einer Wirkstoffverordnung über ein Mittel
der Substitutionsausschlussliste vorzugehen?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Anfrage:

Retax-Frage

Wir haben ein Rezept erhalten, bei dem als Wirkstoffverordnung "Tacrolimus 1 mg Hartkapseln 4 x N3" verordnet wurde (Originalverordnung siehe Bild oben). Ein genaues Präparat wurde nicht angegeben, der Arzt ist nicht erreichbar (Freitag nachmittag). Wir kennen die Patientin und können ihrer Kundendatei entnehmen, dass sie bisher immer das Präparat Tacpan hatte. Können wir das Rezept beliefern oder verbirgt sich hier eine Retaxgefahr?

Antwort

Bei Tacrolimus handelt es sich um einen therapeutisch problematischen Wirkstoff mit geringer therapeutischer Breite, der mit der Darreichungsform Hartkapseln auf der Substitutionsausschlussliste zu finden ist. Eine reine Wirkstoffverordnung bei Wirkstoffen, die einem Substitutionsausschluss unterliegen, kann zu Retaxationen führen, da es sich dabei nicht um eine eindeutige Verordnung handelt.

Bei Rezepten über ein Arzneimittel mit einem solchen Wirkstoff ist es daher unerlässlich, dass eindeutig ein bestimmtes Arzneimittel rezeptiert wird. Ansonsten ist die Verordnung als "unklare Verordnung" anzusehen, bei der es vor Abgabe einer Rücksprache mit dem Arzt bedarf. Dies ist auch in § 4 (13) des vdek-Arzneiversorgungsvertrags festgehalten:

"(13) Analog zu Absatz 12 kann bei Verordnungen mit Fertigarzneimitteln, die von der Substitutionsausschlussliste erfasst sind, ein Austausch zwischen importiertem Arzneimittel und Bezugsarzneimittel erfolgen. Reine Wirkstoffverordnungen, ohne Nennung des konkreten Handelsnamens, sind als unklare Verordnung einzustufen. In diesem Fall bedarf es einer vorherigen Abklärung hinsichtlich des tatsächlich abzugebenden Fertigarzneimittels mit dem Verordner."

Aufgrund solch unklarer Verordnungen hat es tatsächlich schon Retaxationen gegeben, die auch im Einspruchverfahren nicht zurück genommen wurden.

Daher sollte vor der Abgabe unbedingt eine eindeutige Verordnung erwirkt werden - die Ergänzung des vom Arzt gewünschten Arzneimittelnamens ist dabei auch der Apotheke erlaubt, wenn sie die Rücksprache mit dem Arzt auf dem Rezept dokumentiert und mit Datum und Kürzel abzeichnet.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de