Testkäufe helfen die Beratung zu verbessern

Teil 10: Allergien

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Die Bundesapothekerkammer (BAK) lässt regelmäßig Testkäufe in Apotheken durchführen. Um Sie dabei zu unterstützen, eine leitliniengerechte Beratungsstruktur in der Apotheke einzuführen oder weiter auszubauen, haben wir die gängigsten „Testkäufe“ für Sie aufgegriffen und geben Tipps, wie Sie leitliniengerecht beraten. Im dritten Teil geht es um Laufende Nase, Niesen, und Halskratzen - so schildert der Kunde die Symptome.

Bei den steigenden Außentemperaturen beginnt für viele Kunden wieder die Allergiesaison. Doch auch die Erkältungszeit ist noch nicht vorbei. Daher gilt es im Beratungsgespräch genau nachzufragen und sich die Symptome ganz genau schildern zu lassen.

Allergie oder Erkältung?

Typisch für einen Schnupfen sind Beschwerden wie Niesreiz, Fließschnupfen oder geschwollene Nasenschleimhäute. Diese Symptome können jedoch sowohl bei einer Erkältung als auch bei einer Allergie vorkommen. Bei Allergikern reagiert das Immunsystem überschießend auf ein im Grunde harmloses Allergen. Heuschnupfen zählt zu den Typ-1-Allergien, auch Allergien vom Sofort-Typ genannt.  

Ein allergischer Schnupfen sollte nicht unterschätzt werden, es besteht das Risiko, dass sich daraus Asthma entwickelt, wenn die Allergie nicht rechtzeitig behandelt wird. Folgende Hinweise helfen zu unterscheiden, ob eine Allergie oder Erkältung vorliegt:

  • Beginn und Dauer: Wenn der Schnupfen ohne Vorwarnung sehr plötzlich und stark eingesetzt hat, ist eher eine allergische Reaktion der Auslöser –  eine Erkältung hingegen kündigt sich oft mit Kopfschmerzen und Kratzen im Hals an.
  • Beschaffenheit des Sekrets: Im Verlauf einer Erkältung gibt die Nase häufig ein gelbgrünlich gefärbtes Sekret ab. Bei einem allergischen Schnupfen ist und bleibt es hingegen in der Regel klar und wässrig.
  • Tageszeit und Ortsabhängigkeit: Bei Pollenallergien nehmen die Symptome  oft im Freien zu. Länger anhaltender Regen kann einen Großteil der Pollen aus der Luft waschen, sodass Heuschnupfensymptome danach oft nachlassen. Ein Erkältungsschnupfen hängt hingegen weder vom Wetter noch vom Aufenthaltsort ab.
  • Zusätzliche Symptome: Ein zusätzliches Allergiesymptom kann Juckreiz sein, der beispielsweise an der Nase, den Augen oder im Rachen vorkommt. Auch Niesanfälle mit mehrmaligem  Niesen direkt hintereinander sprechen für eine Allergie. Treten hingegen Fieber oder  Schüttelfrost auf, deutet das eher auf einen Virusinfekt oder eine Grippe hin.

Loratadin und Cetirizin

Loratadin und Cetirizin Antihistaminika der zweiten Generation wie Loratadin oder Cetirizin müssen lediglich einmal täglich eingenommen werden. Die Wirkung tritt schnell ein, und die meisten Patienten vertragen beide Wirkstoffe sehr gut. Cetirizin wirkt Studienergebnissen zufolge stärker bei allergischen Reaktionen der Haut, bei Heuschnupfen scheinen keine klinischen Unterschiede zwischen den beiden Substanzen zu bestehen.

Während der Therapie mit Loratadin oder Cetirizin klagen einige Patienten über Kopfschmerzen, Benommenheit, Mundtrockenheit, Ausschlag und Juckreiz. Cetirizin kann außerdem zu einer leichten Sedierung führen, besonders in Kombination mit Alkohol. Daher sollten Allergiker Cetirizin am besten abends vor dem Schlafengehen einnehmen.

Loratadin hingegen wirkt so gut wie nicht sedierend. Gerade bei Tätigkeiten, die erhöhte Aufmerksamkeit und Konzentration erfordern, sollten PTA und Apotheker daher im Beraungsgespräch bevorzugt Loratadin empfehlen.

Lokale Therapie

Die Wirkstoffe Levocabastin und Azelastin stehen als Augentropfen oder Nasenspray zur Verfügung. Beide Arzneistoffe lindern innerhalb von 15 bis 20 Minuten relativ zuverlässig die  Beschwerden und können entweder als Monotherapie oder aber auch zusätzlich unterstützend zur systemischen Therapie gegeben werden.

Kundenberatung

Der Kunde berichtet im Beratungsgespräch, dass die Symptome hauptsächlich draußen auftreten und auch die Augen stark jucken. Seinen Hausarzt hat er deshalb noch nicht aufgesucht.  Zunächst einmal sollte Ihm geraten werden, einen Termin beim Hausarzt zu vereinbaren, um abzuklären ob und auf was er allergisch reagiert. Außerdem gilt es, einen so genannten "Etagenwechsel" zu vermeiden. Behandeln Betroffene ihren Heuschnupfen nicht, besteht die Gefahr eines Etagenwechsels, also einer Verlagerung der Entzündung in tiefere Lungenabschnitte, die zu asthmatischen Beschwerden führen können.

Um die Zeit bis zum Arzttermin zu überbrücken und um die Symptome zu lindern kann ihm ein Antiallergikum mitgegeben werden. Loratadin ist eine gute Wahl, da seine Konzentration nicht beeinträchtigt wird. Zusätzlich können ihm gegen das juckende Auge Augentropfen mitgegeben werden.

Tipps, um die Allergiesaison gut zu überstehen

Folgende Tipps werden dem Patienten helfen, die Allergiesaison gut zu überstehen:

  • Lassen Sie beim Autofahren die Fenster geschlossen und schalten Sie die Lüftung aus. Denn mit der frischen Luft gelangen auch jede Menge Pollen ins Wageninnere.
  • Auf dem Land sind morgens die Pollenkonzentrationen hoch, in der Stadt abends. Lüften Sie daher Ihre Wohnung in ländlichen Gebieten abends zwischen 19 und 24 Uhr, in der Stadt morgens zwischen 6 und 8 Uhr.
  • Tragen Sie im Freien eine Brille oder Sonnenbrille. Das hält die Pollen zumindest ein wenig von den Augen fern.
  • Waschen Sie sich die Haare, bevor Sie zu Bett gehen. Legen Sie Ihre Straßenkleidung vor dem Schlafzimmer ab, damit im Schlafzimmer selbst die Pollenbelastung möglichst gering ist.
Farina Leschke
PTA, Bramsche
onlineredaktion@ptaheute.de