Testkäufe helfen die Beratung zu verbessern

Teil 6: Großpackung Talcid

Wenn jemand ständig mit dem gleichen Selbstmedikationswunsch in die Apotheke kommt, oder für vermeintlich harmlose Beschwerden eine Großpackung verlangt, ist immer Vorsicht geboten. / Bild: © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Die Bundesapothekerkammer (BAK) lässt regelmäßig Testkäufe in Apotheken durchführen. Um Sie dabei zu unterstützen, eine leitliniengerechte Beratungsstruktur in der Apotheke einzuführen oder weiter auszubauen, haben wir die gängigsten „Testkäufe“ für Sie aufgegriffen und geben Tipps, wie Sie leitliniengerecht beraten. Im sechsten Teil geht es um das Thema Sodbrennen in der Dauerselbstmedikation.

“Sodbrennen habe ich immer mal wieder”

Ein Kunde verlangt 100 Stück Talcid und erzählt im Beratungsgespräch, dass er immer wieder Probleme mit Sodbrennen hat.

Der in Talcid enthaltene Wirkstoff Hydrotalcit neutralisiert die überschüssige Magensäure und wird bei Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden eingesetzt. Die Substanz besteht aus Aluminium-Magnesium-hydroxid-carbonathydrat und gehört zur Gruppe der sogenannten Schichtgitterantacida. Nach und nach lösen sich die Aluminium-/und Magnesiumionen aus dem Kristallgitter heraus und neutralisieren die Magensäure. Dadurch wird über eine längere Zeit hinweg ein optimaler pH-Wert im Magen gewährleistet.Wenn weitere Arzneimittel eingenommen werden muss aufgrund des verändereten pH-Wertes ein Abstand von mindestens 1-2 Stunden eingehalten werden.

Die Grenzen der Selbstmedikation: Wann zum Arzt?

Nachdem der Arzneimittelwunsch und somit die Eigendiagnose hinterfragt wurde, müssen nun die Grenzen der Selbstmedikation berücksichtigt werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Schluckbeschwerden, Refluxsymptomatik
  • Andauernde Inappetenz, häufiges Erbrechen
  • deutlicher Gewichtsverlust (>3 kg)
  • Ständiger Schmerz nüchtern/nachts, postprandialer Schmerz
  • Blut im/ auf dem Stuhl, Teerstuhl
  • Ulkusverdacht
  • Verdacht auf Arzneimittelbedingte Magenschmerzen
  • Psychische Faktoren, Depression, Stress
  • andere Erkrankungen (zum Beispiel Diabetes und Gallenwegserkrankungen)

Nicht länger als drei Tage in der Selbstmedikation

Laut Leitlinie der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) dürfen Antacida ohne ärztlichen Rat maximal drei Tage am Stück eingenommen werden. Aufgrund der Tatsache, dass der Patient die Beschwerden schon länger hat, muss ihm zum Arztbesuch geraten werden. Um die Zeit bis zum Arzttermin zu überbrücken, kann ihm eine kleine Menge des Antacidums mitgegeben werde. Laut Kundenkarte nimmt der Patient regelmäßig L-Thyroxin Tabletten ein. Zwischen den Einnahmen der beiden Mittel muss ein Abstand von mindestens zwei Stunden eingehalten werden, um die Wirksamkeit des Schilddrüsenhormons nicht zu beeinträchtigen.

„Stress vermeiden“

Bis zum Arzttermin sollte der Kunde scharfe Speisen, Kaffee, fettes Essen und Nikotin meiden. Auch Stress ist ein häufiger Auslöser für Sodbrennen.

Farina Leschke
PTA, Bramsche
onlineredaktion@ptaheute.de