Inhalatoren verstehen und erklären

In Deutschland leben mehr als drei Millionen Asthmatiker und fast doppelt so viele COPD-Patienten, Tendenz steigend. Das bedeutet, dass jede Apotheke im Schnitt mehr als 400 Kundinnen und Kunden mit chronischen Atemwegserkrankungen betreut – ein großes Potenzial für eine aktive, kundenorientierte Beratung. Mit Hintergründen zur Inhalationstherapie und wichtigen Beratungsinhalten zu Inhalatoren startete Apothekerin Christiane Weber mit Ihrem Vortrag den diesjährigen PTAheute-Kongress „Apothekenpraxis“ im Rahmen der Interpharm in Hamburg.

Christiane Weber betonte in Ihrem Vortrag wie wichtig eine gute Beratung in der Apotheke ist.

Dass der Erklärungsbedarf bei der Patientengruppe, die Inhalatoren anwenden noch immer sehr groß ist, zeigen mehrere internationale und nationale Studien, die darlegen, dass die Anwendung von Dosieraerosolen und Pulverinhalatoren mit einer hohen Fehlerquote behaftet ist. Insgesamt inhalierten beispielsweise im Rahmen der VITA-Studie vier von fünf Patienten fehlerhaft. 79% der Probanten, darunter auch Langzeitanwender, machten mindestens einen Fehler. Viele Anwenderinnen und Anwender überschätzten außerdem ihre Fähigkeiten, ihnen sei also gar nicht bewusst, dass ihre Inhalationstechnik mangelhaft ist.

Beratung durch die Apotheke

Die gute Nachricht: Eine einmalige Beratung in der Apotheke kann diese Fehlerquote auf 28% reduzieren. Dies zeigt deutlich, dass die Beratung in der Apotheke nicht nur notwendig, sondern durchaus effektiv und messbar ist. Auch in der zweiten Auflage der Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma wird nun erstmals explizit gefordert, dass die korrekte Anwendung von Inhaliersystemen durch Atemwegspatienten in Kooperation von Arztpraxis und Apotheke sichergestellt werden soll. Betont wird hierbei, dass in der Apotheke Probleme mit Inhaliersystemen erkannt und zusammen mit Arzt und Patient gelöst werden sollen. Hierbei kommt der Überprüfung und Korrektur der richtigen Anwendung von Inhalatoren eine zentrale Bedeutung zu. Hier setzte die Referentin Christiane Weber in Ihrem Vortrag an und ermunterte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sich der Beratung von Asthma- und COPD-Patienten anzunehmen und ihnen die Vorteile der Arzneistoffanwendung per Inhalationsdevice zu vermitteln, gemäß dem Leitsatz der Pneumologie: „Schlucke nichts, was du auch inhalieren kannst!“.  Denn die Vorteile der inhalativen Anwendung für den Patienten überwiegen: Die Wirkung ist zielgerichtet, es sind geringere Wirkstoffmengen nötig, dadurch gibt es weniger Nebenwirkungen und im Notfall hat man eine schnelle lokale Wirkung. Kurzum: Der Körper wird geschont! Auch in Sachen „Cortison-Angst“ sollten PTA und Apotheker ihre Kunden kompetent aufklären und beraten, denn nicht wenige Patienten setzen ihr Cortison-Spray aus Angst vor Nebenwirkungen nur im Notfall ein. Hier ist es wichtig, die Kundin oder den Kunden mit der Gebrauchsinformation nicht allein zu lassen. Die Nebenwirkungsrate von inhalativ angewendeten Corticoiden ist gering. Die häufigste unerwünschte Wirkung ist Heiserkeit. 

Korrekte Anwendung der Inhalationssysteme

Inhalationssysteme lassen sich derzeit in zwei große Gruppen unterteilen: Dosieraerosole (gewöhnliche und atemzuggesteuerte) sowie Pulverinhalatoren (Einzel- und Mehrdosensysteme). Die optimale Inhalationstechnik unterscheidet sich dabei in einigen Punkten:

Die häufigsten Fehler bei der Inhalation sind, dass vorher nicht ausgeatmet, eine falsche Körperhaltung eingenommen oder auch nicht tief genug inhaliert wurde. Außerdem wird oft die Luft nicht lange genug angehalten und nicht über die Lippenbremse bzw. die Nase ausgeatmet.

Doch selbst bei fehlerfreier Inhaliertechnik erreicht nur rund die Hälfte des Wirkstoffes die Bronchien, der Rest verbleibt um Mund-Rachenraum. Daher empfiehlt es sich bei allen Inhaliersystemen, nach der Anwendung den Mund auzuspülen, zu gurgeln oder etwas zu essen. Um die Depositionsrate in den Bronchien zu erhöhen und außerhalb zu reduzieren, empfiehlt sich bei Dosieraerosolen mit Dauermedikamenten die Anwendung eines Spacers. Zur Inhalation von Corticoiden wird dies von Experten als Standard empfohlen, der Praxisalltag sieht jedoch anders aus. Hier ist ein weiterer Ansatzpunkt für eine kompetente Beratung in der Apotheke! Denn auch die richtige Verwendung eines Spacers will gelernt sein bzw. muss erklärt werden. Beispielsweise dürfen Pulverinhalationsdevices niemals mit einem Spacer kombiniert werden.

Zurzeit sind mehr als 20 Devices auf dem deutschen Markt erhältlich. Christiane Weber stellte in Ihrem Vortrag eine Vielzahl der im Handel befindlichen Geräten mit Ihren Besonderheiten vor – dafür hatte sie sich in zahlreichen Nachtdiensten sogar die Mühe gemacht, das eine oder andere Device auseinander zu basteln, sodass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch einmal in das Innenleben eines Inhalationsdevice schauen konnten. „Wer das Innenleben der Geräte kennt, muss nicht viel über die Anwendung auswendig lernen, das erklärt sich dann wie von selbst“, so Weber.

Die richtige Reinigung und Pflege

Apropos Innenleben: die häufigsten Reklamationen zu Inhalatoren bei der AMK beruhen darauf, dass reklamierte Geräte durch Rückstände verstopft seien. Hier ist es wichtig, die Kundinnen und Kunden über eine regelmäßige, gerätespezifische Reinigung zu informieren. Mehrdosenpulverinhalatoren sollten wegen ihres feuchtigkeitsempfindlichen Inhalts nicht mit Wasser in Kontakt kommen und daher mit einem trockenen Tuch gereinigt werden. Devices, die mit Inhalationskapseln bestückt werden, können zwar unter fließendem Wasser gereinigt werden, müssen anschließend jedoch sorgfältig getrocknet werden. Der oft propagierte Hinweis, das Mundstück von Dosieraerosolen dürfe unter fließendem Wasser abgespült werden, ist nicht uneingeschränkt gültig. Eine Ausnahme ist hier das Foster® Dosieraerosol. Dieses darf nicht mit Wasser gereinigt werden, sondern sollte mit einem trockenen Tuch abgewischt oder mit einem Q-Tipp gesäubert werden.

PTAheute-E-Learning Inhalativa

Sie wollen Ihre Kenntnisse in Sachen Dosieraerosole und Pulverinhalatoren weiter vertiefen? Dann haben Sie mit unserem PTAheute-E-Learning die Möglichkeit, sich fortzubilden. Denn mit dem notwendigen Fachwissen macht Beratung doppelt Spaß! Machen Sie mit und sammeln Sie zusätzliche Fortbildungspunkte für Ihr freiwilliges Fortbildungszertifikat. Wenn Sie 70% der Fragen zur Lernerfolgskontrolle am Ende des Kurses richtig beantwortet haben, erhalten Sie per E-Mail Ihre Teilnahmebescheinigung mit den entsprechenden Fortbildungspunkten zugeschickt.

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