Wenn die Nase läuft ...

Illustration: Gert Albrecht

Schnupfen – Heftiger Niesreiz, Kitzeln in der Nase sowie wässriges Sekret, das unaufhörlich aus der Nase rinnt: Die Erkältungssaison hat begonnen.

Der Erkältungsschnupfen (= Rhinitis acuta) gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Atemwege. Durchschnittlich erkrankt jeder Erwachsene zwei- bis fünfmal pro Jahr an einem Erkältungsschnupfen, Kinder unter zehn Jahren deutlich häufiger aufgrund ihres noch nicht vollständig ausgereiften Immunsystems.

Winterzeit ist Erkältungszeit

Gerade in den Herbst- und Wintermonaten haben die Erreger der Rhinitis acuta leichtes Spiel, sich in den Atemwegen festzusetzen. Einerseits ziehen sich die Gefäße in der Nase bei Kälte zusammen, sodass die Nasenschleimhaut schlechter durchblutet wird. In der Folge können weniger Abwehrzellen in die Nasenschleimhaut gelangen. Zusätzlich sinkt die Temperatur der Schleimhaut in den Wohlfühlbereich der Schnupfenerreger. Andererseits lassen Heizungs- und mangelnde Frischluft die Nasenschleimhaut austrocknen, wodurch deren Selbstreinigungsmechanismus gestört wird. Bei unzureichender Feuchtigkeit können die Flimmerhärchen ihre Transportfunktion nicht mehr richtig ausüben. Darüber hinaus reißen trockene Schleimhäute leichter ein, wodurch das Eindringen von Krankheitserregern über die geschädigten Schleimhautzellen begünstigt wird.

Die Übeltäter sind Rhinoviren

Auslöser sind in der Regel humane Rhinoviren, von denen es über 200 verschiedene Subtypen gibt. Beim Husten, Niesen, Sprechen oder auch durch einen höflichen Händedruck wandern Rhinoviren von einem Opfer zum nächsten. Transportiert werden die Erreger dabei in kleinsten Tröpfchen aus Nasensekret und Atemluft, weshalb man auch von einer Tröpfcheninfektion spricht. Infektionsgefahr besteht vor allem innerhalb einer Armlänge der infizierten Person. Für ihr Überleben sind die Viren unter anderem auf Feuchtigkeit angewiesen. Sie bleiben allerdings auch auf trockenen Oberflächen wie beispielsweise auf Türklinken, Computertastaturen oder Haltegriffen des öffentlichen Nahverkehrs für etwa acht Stunden infektiös. Berührt eine gesunde Person die kontaminierten Oberflächen, werden die Erreger über die Hände aufgenommen. Sie gelangen bei einer – oft unbewusst ausgeführten – Berührung der Nase oder der Augen auf die Schleimhaut. In diesem Fall spricht man von Schmierinfektion. Die Bedeutung dieses Übertragungswegs wurde lange unterschätzt. Inzwischen geht man jedoch davon aus, dass die Ansteckung mit einer Erkältung größtenteils über das Berühren von kontaminierten Oberflächen erfolgt.

Die Nase läuft und läuft

Nach einer Inkubationszeit von etwa 48 bis 72 Stunden verspüren die Betroffenen die ersten Symptome. Der Körper reagiert auf die eingedrungenen Krankheitserreger mit einer immunologischen Abwehrreaktion. Unspezifische Abwehrzellen des Immunsystems (z. B. Makrophagen) bekämpfen die „ungebetenen Gäste“. Gleichzeitig werden Entzündungsmediatoren freigesetzt (z. B. Zytokine), die eine Entzündungsreaktion auf der Nasenschleimhaut auslösen. Dies äußert sich zunächst mit Niesreiz sowie Brennen und Kitzeln in der Nase. Nach dem trockenen Vorstadium wird infolge der Entzündungsreaktion vermehrt wässriges Sekret gebildet und die Nase läuft. Mit dieser Reaktion versucht der Körper – allerdings meist vergeblich –, die Krankheitserreger wieder aus der Nase hinauszubefördern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Erkältungsschnupfen (Rhinitis acuta) ist die häufigste Erkrankung der Atemwege.
  • Auslöser sind in der Regel humane Rhinoviren, von denen es über 200 verschiedene Subtypen gibt.
  • Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion oder den Kontakt mit kontaminierten Gegenständen, z. B. Türklinken (Schmierinfektion).
  • Erkrankte Personen klagen über Niesreiz, Brennen und Kribbeln in der Nase sowie eine erschwerte Nasenatmung.
  • Zur Linderung der Beschwerden eignen sich zahlreiche Präparate aus dem OTC-Bereich wie beispielsweise abschwellend wirkende Nasentropfen und -sprays.

Eine erschwerte Nasenatmung

Nach einigen Tagen nimmt die wässrige Sekretion ab und das Sekret wird zunehmend dickflüssiger und zäher. Der Fließschnupfen geht in einen Stockschnupfen über. In diesem Stadium wird die Nasenschleimhaut stärker durchblutet. Dies lässt die Nasenschleimhaut anschwellen, wodurch die Nasenatmung behindert wird. Im Verlauf einer akuten Rhinitis verändert sich nicht nur die Konsistenz des Sekrets, sondern teilweise auch dessen Farbe. Während das Sekret zu Beginn weiß oder farblos ist, kann es sich im Laufe des Infektes gelblich oder grünlich verfärben. Wodurch diese Erscheinung hervorgerufen wird, ist noch nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass hierfür abgestorbene Immunzellen eine Rolle spielen, die sich im Sekret ansammeln und darüber entsorgt werden. Gelbes Sekret weist somit nicht sicher auf eine Infektion mit Bakterien hin, wie häufig fälschlich angenommen wird.

Wie erkläre ich es meinem Kunden?

  • „Auch ein einfacher Schnupfen sollte behandelt werden, damit das Risiko einer Folgeerkrankung, wie beispielsweise eine Nasennebenhöhlenentzündung, reduziert wird.“
  • „Dieses Präparat lässt die Nasenschleimhaut abschwellen, wodurch Sie wieder besser durch die Nase atmen können. Sie sollten es allerdings nicht länger als eine Woche anwenden.“
  • „Zusätzlich können Sie eine Nasenspülung mit isotonischer Kochsalzlösung machen. Hierdurch wird das Nasensekret verflüssigt. Sorgen Sie außerdem für ausreichend Ruhe und Erholung, dies begünstigt den Genesungsprozess.“

Komplikationen sind möglich

In manchen Fällen kann eine Rhinitis acuta Wegbereiter für verschiedene Folgeerkrankungen sein. Oftmals werden die Nasennebenhöhlen in Mitleidenschaft gezogen, wenn sich das zähe Sekret in den Nasenhöhlen staut. Durch die mangelnde Nasenluftpassage steigt das Risiko einer bakteriellen Sekundärinfektion, die sich z. B. als Nasennebenhöhlenentzündung äußert. Typische Symptome sind Druckschmerz oder pochende Schmerzen im Bereich der Wangenknochen, der Stirn oder zwischen den Augen. Darüber hinaus können sich die Erreger auch im angrenzenden Rachenraum oder in den Ohren ansiedeln. Dies kann zu einer Mandelentzündung, Kehlkopfentzündung, Bronchitis bis hin zur Lungenentzündung sowie zu einer Mittelohrentzündung führen.

Die Beschwerden lindern

Da der typische Erkältungsschnupfen ein Fall für die Selbstmedikation ist, gehören OTC-Arzneimittel gegen Schnupfen zu den Topsellern in der Apotheke. In erster Linie kommen abschwellend wirkende Nasensprays oder -tropfen zum Einsatz. Sie enthalten ein Alphasympathomimetikum als Wirkstoff wie beispielsweise Xylometazolin oder Oxymetazolin. Diese Wirkstoffe vermitteln eine vasokonstriktorische Wirkung, wodurch der Sekretabfluss erleichtert und die Nasenatmung verbessert wird. Sie sollten allerdings nicht länger als eine Woche angewendet werden, da bei längerem Gebrauch eine Gewöhnung eintreten kann. Weiterhin eignen sich zur Linderung der Beschwerden verschiedene pflanzliche Präparate sowie Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung.

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