Rezeptur gegen Strahlfäule

Iodoform-Ether-Lösung

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Immer wieder wünschen Pferdebesitzer oder Tierärzte die Anfertigung einer Iodoform-Ether-Lösung in der Apotheke zur Behandlung der Strahlfäule bei Huftieren. Da im tiermedizinischen Bereich spezifische arzneirechtliche Bestimmungen zur Verschreibung, Herstellung, Kennzeichnung und Abgabe dieser Zubereitung zu beachten sind, wollen wir uns im folgenden Beitrag näher mit diesen Punkten beschäftigen.

Huffäule bei Pferden wird auch als Strahlfäule bezeichnet, es handelt sich dabei um eine bakterielle Infektion des Pferdehufes. Ursache dafür sind meistens mangelhafte Haltungsbedingungen des Pferdes wie ungenügende Hygiene, feuchter Untergrund und nicht ausreichende Bewegung. Die Strahlfäule kann für den gesamten Hufmechanismus gefährlich werden, charakteristisch für diese Erkrankung ist ein schmierig schwarzer Belag von fauligem Geruch. Wird dann nicht rechtzeitig behandelt, können Bakterien auch durchblutetes Gewebe erreichen und im schlimmsten Fall kann es zu einer für das Pferd lebensbedrohlichen Sepsis kommen.

Therapie

Zur Behandlung der Strahlfäule kommen normalerweise desinfizierende Sprays mit Povidon-Iod oder antibiotische Pasten zum Einsatz. Im Krankheitsverlauf der Huffäule gibt es aber Stadien, in denen diese Maßnahmen nicht erfolgreich sind und deshalb auf Iodoform als Antiinfektivum zurückgegriffen wird. Aufgrund ihrer guten Penetration und austrocknenden Wirkung können mithilfe einer Iodoform-Ether-Lösung gute Behandlungserfolge erzielt werden. Mittels einer Spritze werden zweimal täglich zehn Tage lang jeweils 3 ml auf die betroffenen Stellen geträufelt und anschließend mit einem Wattebausch oder Gazestreifen verschlossen. Nekrotisierendes Gewebe muss von einer Fachperson entfernt werden, die Anwendung ist so lange fortzusetzen, bis die Infektion beseitigt und die normale Funktion des Strahls wiederhergestellt ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der Strahlfäule handelt es sich um eine bakterielle Infektion des Pferdehufs, die bei unsachgemäßer Behandlung gefährlich für das Pferd werden kann.
  • Die Behandlung der auch als Huffäule bekannten Erkrankung erfolgt normalerweise durch Antiseptika und antibiotische Dermatika, in bestimmen Stadien ist auch eine Iodoform-Ether-Lösung gut wirksam.
  • Da die Rechtslage bei der rezepturmäßigen Herstellung von Tierarzneimitteln in der Apotheke kompliziert ist, wird dringend empfohlen, die häufig von Tierhaltern nachgefragte Zubereitung nur auf tierärztliche Verordnung hin abzugeben.
  • Iodoform ist als Rezeptursubstanz mit Prüfzertifikat erhältlich und zeigt im Lösungsmittel Diethylether eine ausreichende Löslichkeit.

Iodoform als Rezeptursubstanz

Iodoform wird auch als Triiodmethan bezeichnet und ist als Rezepturgrundstoff mit Prüfzertifikat erhältlich. Bei der Substanz handelt es sich um ein zitronengelbes, mikrokristallines Pulver, das in Wasser sehr schwer löslich und auch in anderen pharmazeutisch relevanten Bestandteilen eher schlecht löslich ist. Eine gewisse Löslichkeit zeigt Iodoform jedoch in Ether (1 g in 7,5 ml), diese Flüssigkeit wird chemisch korrekt als Diethylether bezeichnet. Beim Abwiegen des Feststoffs ist darauf zu achten, dass aufgrund der Arzneibuch- und Herstellerspezifikation eine Einwaagekorrektur erforderlich sein kann. Die Festlegung dieser Korrektur sollte idealerweise bereits bei der Eingangsprüfung und Freigabe der Rezeptursubstanz erfolgen. Weiterhin ist im DAC/NRF für Iodoform ein Prüfverfahren zur alternativen Identifizierung zu finden.

Rezepturbeispiele

Derzeit gibt es für die Verarbeitung von Iodoform keine für die Herstellung von Arzneimitteln relevanten NRF-Vorschriften oder Stammzubereitungen. Folgende Zubereitung kann bei Bedarf frisch hergestellt werden:

  • Iodoform-Ether 10 %
  • Iodoform 10,0 g Diethylether zu 100,0 g

Bei der Herstellung dieser Lösung ist darauf zu achten, dass wegen der grenzwertigen Löslichkeit des Feststoffes in Ether eine Verarbeitung grundsätzlich nach Massenprozent und nicht nach der Konzentrationsangabe „10 g / 100 ml“ erfolgen soll.

Kennzeichnung und Aufbewahrung

Die fertig hergestellte Iodoform-Ether-Lösung wird vor der Abgabe nach den Vorgaben des § 14 ApBetrO gekennzeichnet. Lösungen auf Ether-Basis gelten als feuergefährlich, ein entsprechender Hinweis auf dem Etikett ist daher angebracht. Bei unzureichender Verpackung oder undichtem Verschluss kann es zum raschen Verdunsten des Lösungsmittels kommen, nach Erfahrungen des DAC sind Druckausgleichsstopfen aber nicht sinnvoll. Weiterhin sollte die fertige Zubereitung bei Temperaturen zwischen 8 °C und 15 °C gelagert werden, eine Aufbewahrung im Kühlschrank wird aufgrund unklarer Lösungsverhältnisse nicht empfohlen.

Wie erkläre ich es meinem Kunden?

  • „Zur Behandlung der Strahlfäule wird Iodoform-Ether inzwischen nur noch in Ausnahmefällen verwendet. Es muss von einem Tierarzt auf einem Rezept verordnet werden. Zur Behandlung dieser Erkrankung sind auch verschiedene Fertigarzneimittel zugelassen.“
  • „Die Flüssigkeit und der Dampf sind leicht entzündbar. Achten Sie bei der Anwendung darauf, dass sich keine Feuerquelle – wie etwa eine Zigarette – in der Nähe befindet.“
  • „Die Lösung sollten Sie nicht im Kühlschrank, jedoch kühl, etwa bei 8 °C bis 15 °C, lagern.“
  • „Zusätzlich zur Behandlung sollten die Haltungsbedingungen dahingehend optimiert werden, dass der Kontakt der Hufe mit feuchten, verschmutzten Stallböden verkürzt wird.“

Nur auf Verordnung

Grundsätzlich wird eine Herstellung und Abgabe der Iodoform-Ether-Lösung in der Apotheke auch bei nicht zur Lebensmittelgewinnung dienenden Tieren nur auf tierärztliche Verschreibung hin empfohlen. Bei der Verordnung eines Tierarzneimittels muss der Tierarzt zunächst eine sogenannte Umwidmungskaskade berücksichtigen. Eine rezepturmäßige Herstellung eines Arzneimittels zur Anwendung bei Tieren in der Apotheke ist nämlich nur im Falle eines Therapie-Notstandes zulässig. Dieser Notstand setzt neben dem Fehlen eines geeigneten Fertigarzneimittels auch eine ernsthafte Gesundheitsgefahr des Tieres voraus. Diese medizinische Bewertung obliegt in der Regel dem Tierarzt, deshalb ist es sinnvoll, für Herstellung und Abgabe des Iodoform-Ethers die Vorlage einer tierärztlichen Verschreibung vorauszusetzen. Grundsätzlich können in der Apotheke auch keine Zubereitungen für den tierärztlichen Praxisbedarf abgegeben werden, da bei der Rezepturarzneimittelherstellung Therapie-Notstand bestehen muss und dieser sich naturgemäß auf Einzeltiere bezieht.