Leseprobe 9/2019 Schluss mit dem Flohzirkus

Parasiten – Gerade bei Zecken- oder Flohbefall greifen Tierhalter oft auf verschreibungsfreie Präparate zurück.

Zu den am weitesten verbreiteten Parasiten in Deutschland gehören sicherlich die Zecken. Diese zu den Spinnen gehörenden Tierchen leben ungefähr zwei bis drei Jahre und brauchen in jedem ihrer drei Entwicklungsstadien (Larve, Nymphe, adultes Tier) einen neuen Wirt. Die häufigste Zeckenart in Deutschland ist dabei der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), dieser kann sowohl Hunde und Katzen als auch den Menschen befallen. Zecken lauern dabei bevorzugt in Gräsern und Büschen und werden vom Wirt durch Abstreifen aufgenommen. Die Zecke sucht sich dann eine dünne, gut durchblutete Hautstelle und beginnt mit der Blutaufnahme. Für den befallenen Wirt ist nicht die Zecke selbst oder die von ihr aufgenommene Blutmenge schädlich, gefährlich können die von ei¬ner Zecke übertragenen Krankheitserreger werden. Die bekanntesten Krankheiten, die neben Hund und Katze auch den Menschen befallen können, sind dabei die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose. Es gibt aber auch noch andere, teils lebensbedrohliche Erkrankungen wie die Ehrlichiose (Zeckenfieber) oder die Babesiose (Hundemalaria), von denen nur Tiere betroffen sind. Und selbst wenn Hunde und Katzen nicht erkranken, tragen sie natürlich zur Vermehrung infizierter Zecken bei. Deshalb ist es gerade auch bei Haustieren wichtig, einen Zeckenstich bereits im Vorfeld zu verhindern oder bei erfolgtem Befall die Zecke möglichst frühzeitig abzutöten.

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Spot-on-Präparate

Weit verbreitet bei der Bekämpfung von Zecken bei Hund und Katze sind sogenannte Spot-onPräparate. Hierbei handelt es sich um eine Lösung zum Auftropfen auf die Haut des Tieres. Ein häufig vorkommender Wirkstoff in apothekenpflichtigen Spot-ons ist dabei Fipronil (z. B. Frontline®, Bolfo®, Amflee®). Die Substanz wirkt durch bloßen Kontakt des Parasiten mit dem Wirkstoff auf der Haut oder dem Fell des behandelten Tieres. Fipronil kann dabei sowohl zur Vorbeugung als auch zur Bekämpfung des Befalls mit Zecken sowie Flöhen eingesetzt werden. Die Substanz ist gegen alle Entwicklungsstadien der Zecke wirksam und tötet diese spätestens nach 48 Stunden ab, Flöhe werden bereits nach 24 Stunden abgetötet. Dabei ist es übrigens völlig normal, dass innerhalb dieser Zeit noch vereinzelt lebende Parasiten am Tier sichtbar sind. Zum Schutz vor Zecken reicht ein Auftragen des Arzneimittels alle vier Wochen, als Flohschutz sogar alle acht Wochen. Angewendet werden darf das Spot-on-Präparat bei Hunden ab zwei Kilogramm Körpergewicht, bei Katzen ab zwölf Wochen. Grundsätzlich sollte es nicht auf verletzte Hautstellen aufgetragen werden. Nach versehentlichem Ablecken durch das Tier wirkt Fipronil nur wenig systemisch, es kann aber durch den bitteren Geschmack zu starkem Speicheln kommen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Spot-on-Präparate mit Fipronil schützen Hund und Katze wirkungsvoll vor Zecken und Flöhen, bei einem bereits erfolgten Befall werden die Parasiten rasch abgetötet.
  • Permethrinhaltige Spot-ons dürfen nur für Hunde verwendet werden. Da es aufgrund falscher Anwendung schon zu zahlreichen Vergiftungen bei Katzen gekommen ist, sind diese Produkte verschreibungspflichtig.
  • Die wirksamen Substanzen aus Floh- und Zeckenhalsbändern verteilen sich nach dem Anlegen über die gesamte Hautoberfläche des Tieres, sie schützen über mehrere Monate vor einem Parasitenbefall.
  • Sind Haustiere von Flöhen befallen, muss neben dem Tier selbst auch immer die gesamte Umgebung wie Decken und Körbchen mitbehandelt werden.

Permethrin ist verschreibungspflichtig

Als weiterer Wirkstoff in Spot-on-Präparaten kommt auch das Pyrethroid Permethrin zum Einsatz, im Unterschied zum Fipronil ist dieses Antiparasitikum allerdings nur für Hunde geeignet. Permethrinhaltige Spot-ons sind verschreibungspflichtig (z. B. Exspot®) und dürfen bei der Katze nicht angewendet werden, weil das hochkonzentrierte Spot-on-Präparat für Katzen sehr gefährlich werden kann. Dies liegt daran, dass das Enzym zur Verstoffwechslung des Permethrins bei ihnen nur eine geringe Aktivität besitzt. Katzen können also den Wirkstoff nicht metabolisieren und es kommt leicht zu lebensbedrohlichen Intoxikationserscheinungen mit zentralnervösen Anzeichen wie Krämpfen, Zittern oder Störungen in der Bewegungskoordination, aber auch zu Erbrechen, Durchfall ­sowie Fieber und Untertemperatur. Toxische Symptome können auch schon auftreten, wenn Katzen am selben Ort wie behandelte Hunde schlafen oder diese ablecken. Deshalb muss unbedingt darauf geachtet werden, dass mit Permethrin behandelte Hunde in den ersten 24 Stunden nach der Applikation direkten Kontakt mit Katzen vermeiden. Der Tierhalter selbst sollte beim Auftragen des Produktes übermäßigen Hautkontakt vermeiden, zudem wird das Tragen von Schutzhandschuhen empfohlen.

Halsbänder gegen Parasiten

Als eine weitere Möglichkeit, um Haustiere vor Parasiten zu schützen, können medizinische Halsbänder angewendet werden. Sie enthalten in einer Polymermatrix eingelagerte Wirkstoffe zum Schutz vor Zecken und Flöhen. Im Seresto® Floh- und Zeckenhalsband für Hunde wirken die beiden Substanzen Flumethrin und Imidacloprid gegenüber Zecken sowohl abwehrend als auch abtötend, aufsitzende Flöhe werden ebenfalls wirksam abgetötet. Nach Anlegen des Halsbandes werden die wirksamen Stoffe kontinuierlich in geringen Mengen an den natürlichen Fettfilm von Haut und Haaren des Hundes abgegeben und können sich hier innerhalb von 48 Stunden über die gesamte Hautoberfläche des Tieres verteilen. Der Vorteil der Halsbänder gegenüber Spot-on-Präparaten besteht vor allem in ihrer langen Wirksamkeit: laut Herstellerangaben schützen sie bis zu acht Monate vor einem Befall durch Parasiten. Allerdings muss das Halsband dann ohne Unterbrechungen getragen werden, auch ist es für Tiere mit langem, dichtem Fell weniger geeignet. Zudem besteht immer auch eine gewisse Verletzungsgefahr. Weiterhin dürfen Tiere mit großflächigen Hautverletzungen aufgrund der Gefahr einer resorptiven Vergiftung kein wirkstoffhaltiges Halsband tragen.

Tipps zur Anwendung von Spot-on-Präparaten

  • Tragen Sie die Flüssigkeit auf der Haut des Tieres auf. Am besten geeignet ist dazu der Nacken genau zwischen den Schulterblättern. Scheiteln Sie dazu das Fell mit einer Hand, mit der anderen tragen Sie den Wirkstoff direkt auf die Haut auf.
  • Bei großen Hunden nutzen Sie am besten mehrere Stellen, die er nicht erreichen kann, entlang der Rückenlinie zum Auftragen.
  • Die Auswahl der richtigen Pipettengröße richtet sich nach Größe und Gewicht des Tieres.
  • Damit sich der Wirkstoff gut verteilen kann, dürfen die Tiere bis zu 48 Stunden nach dem Auftragen nicht gebadet werden.
  • Achten Sie darauf, dass kleine Kinder mindestens zwölf Stunden nach dem Auftragen keinen direkten Hautkontakt zum Tier haben.

Auch Kautabletten sind auf dem Markt

Seit 2014 gibt es mit den Bravecto® Kautabletten ein rezeptpflichtiges Tierarzneimittel, das zur Behandlung eines Zecken- und Flohbefalls bei Hunden zugelassen ist. Der Wirkstoff Fluralaner tötet die adulten Schädlinge während einer Blutmahlzeit ab. Vorteilhaft ist der schnelle Wirkungseintritt des Arzneimittels: Flöhe werden bereits nach acht Stunden, Zecken nach zwölf Stunden abgetötet. Neu auftretende Flöhe können also keine lebensfähigen Eier produzieren. Dadurch reduziert sich durch eine solche Behandlung auch die Flohpopulation in der Umgebung des Hundes. Bei Zecken kann die Übertragung von Krankheiten wirksam verhindert werden. Nach oraler Aufnahme reichert sich Fluralaner im Fettgewebe sowie in Leber, Nieren und Muskeln des Hundes an, dadurch kommt es zu einer langen Schutzdauer gegen erneuten Parasitenbefall. Diese beträgt bei Zecken acht Wochen, bei Flöhen sogar bis zu zwölf Wochen. Allerdings ist es bei der Anwendung dieses Arzneimittels schon zu teils schwerwiegenden Nebenwirkungen beim Tier gekommen. In diesem Zusammenhang wurde über neurologische Symptome wie Zittern, Krampfanfälle und Epilepsie berichtet. Daraufhin kam es zu einer Ergänzung dieser Symptome in der Fachinformation der Bravecto® Kautabletten. Zusätzlich soll bei der Anwendung des Arzneimittels stets das individuelle Nutzen-Risiko-Verhältnis für das jeweilige Tier beachtet werden.

Flöhe

Im Unterschied zu Zecken gehören Flöhe zur Gruppe der flügellosen Insekten. Ihr besonders kräftiges drittes Beinpaar befähigt sie zu enormen Sprungleistungen. Adulte Flöhe ernähren sich vom Blut ihres Wirts, sie sind nicht wirtsspezifisch und können neben Hunden auch Katzen oder Menschen befallen. Bereits einen Tag nach der ersten Blutmahlzeit können die Flohweibchen täglich 20 bis 30 Eier legen. Diese Eier rieseln häufig aus dem Fell des Tieres und sind mit bloßem Auge gerade noch zu erkennen. Eine Übertragung erfolgt meist durch direkten Kontakt mit dem befallenen Tier, Flöhe können mit bis zu 30 Zentimeter weiten Sprüngen den Wirt wechseln. Sie können Krankheitserreger übertragen und durch ihren Speichel Allergien auslösen. Schon die Stiche eines einzigen Flohs können sowohl bei Haustieren als auch beim Menschen eine Floh-Allergie-Dermatitis (FAD) auslösen. Erste Hinweise auf einen Flohbefall bei Haustieren sind verstärktes Kratzen, ausgelöst durch einen massiven Juckreiz. Beim Auskämmen mit einem engzahnigen Flohkamm können dann meist schwarzbraune Krümel aus Flohkot gefunden werden. Diese verfärben sich beim Ausdrücken auf einem hellen Taschentuch rot, da der Flohkot überwiegend aus halbverdautem Blut besteht.

Wie erkläre ich es meinem Kunden?

  • „Das Spot-on-Präparat, das der Tierarzt für Ihren Hund aufgeschrieben hat, enthält Permethrin. Es darf auf keinen Fall bei Katzen angewendet werden. Achten Sie darauf, dass Ihre Katze mindestens einen Tag nach der Anwendung keinen Kontakt zu Ihrem Hund oder etwa seinem Körbchen hat.“
  • „Mit diesem Spot-on-Präparat können Flöhe wirksam bekämpft werden. Behandeln Sie aber auch die Liegeplätze Ihres Haustiers mit diesem Spray, waschen Sie die Textilien regelmäßig gründlich bei mindestens 60 °C und wischen Sie die Fußböden feucht, um möglichst viele Floheier und Larven zu entfernen.“

Bekämpfung des Flohbefalls

Neben der Bekämpfung der adulten Flöhe direkt am Tier mit einem Spot-on-Präparat ist auch eine Behandlung des Umfelds des befallenen Tieres zwingend erforderlich. Denn lediglich 5 % einer Flohpopulation befinden sich als erwachsene Tiere auf dem Wirt, der Rest lebt in der Umgebung in Form von Eiern, Larven oder Puppen. Es müssen also sämtliche Liege- und Fressplätze des Tieres einschließlich Decke und Körbchen behandelt werden. Dazu eignen sich Umgebungssprays mit den Wirkstoffen Cyflu­thrin und Pyriproxyfen (z. B. Bolfo®). Die Substanzen sorgen für das Absterben der ausgewachsenen Flöhe und Larven und verhindern eine Entwicklung bereits gelegter Eier für sechs Monate. Nach der Anwendung des freiverkäuflichen Sprays sollten die jeweiligen Räume nach einer Einwirkzeit von ungefähr zwei Stunden gründlich gelüftet werden. Da der Floh zudem Zwischenwirt für den Gurkenkern-Bandwurm ist, müssen Haustiere nach einem Flohbefall auch gegen Würmer behandelt werden. Dazu ist ein Besuch beim Tierarzt unumgänglich. Eine wirksame Prophylaxe vor einem Flohbefall durch ein Spot-on-Präparat oder ein medizinisches Halsband erspart solche Mühen. 

Dr. Annina Bergner
Apothekerin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de