Desoxyribonucleinsäure, Bitte und Danke!

Die drei schwierigsten Worte der deutschen Sprache

Für den Fortbestand der Menschen und für die Zukunft unserer Kinder wünsche ich mir, dass sich etwas ändert. Und zwar an der Art und Weise, wie wir Menschen heutzutage miteinander umgehen. Als ich klein war, haben meine Eltern mir die normalen Umgangsformen beigebracht, um mich in der Welt zurecht zu finden und nicht als sozial inkompetent ausgegrenzt zu werden. Man sollte davon ausgehen, dass gewisse Dinge zum Standardrepertoire der Menschheit gehören und in der DNA verankert sind, so wie die Bedürfnisse zu Essen und zu Trinken. Dazu sollte zum Beispiel gehören, dass man (freundlich) grüßt, wenn man in einem Geschäft etwas kaufen möchte. Ein nettes „Guten Morgen“ oder auch ein legeres „Hi“ hat noch niemandem geschadet und bietet eine solide Grundlage für ein nettes Miteinander-Auskommen, wenn auch nur für einige wenige Minuten. 

„Einmal XYZ! Aber die Billigen!“

Und so erstaunt und erschüttert es mich immer wieder, wie viele Menschen eine Begrüßung durch mich und auch meine Kollegen konsequent ignorieren und direkt zum Punkt kommen. Sie sind quasi noch nicht mal am HV-Tisch, sondern eher auf Höhe des Eingangs und noch gute drei Meter entfernt und da rufen sie schon „Einmal XYZ! Aber die Billigen!“. „Guten Tag erst mal“, sagt man als höfliche PTA zunächst und wird verdutzt angestarrt. Im besten Falle kommt nun doch die verspätete Begrüßung und im schlechtesten Falle fängt man sich ein „Geht’s auch schneller? Ich habe nicht viel Zeit“ ein. Auch die Zeit meines Lebens ist mir zu kostbar, um mich über unhöfliche Menschen zu ärgern. Und trotzdem werden wir im Alltag so oft mit ihnen konfrontiert, dass an einigen Tagen der Geduldsfaden einen Minimaldurchmesser im Nanometerbereich erreicht und einen der Frust über so viel Ignoranz an Darwins Theorien Zweifeln lässt. Das soll also unsere Zukunft sein?

„Einmal alle MEINE Zeitungen mit TV Programm und Rätselheft und eine Tüte“

Ähnlich verhält es sich mit den Worten „Bitte“ und „Danke“. Sie werden eher spärlich eingesetzt und sind längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Nicht mal, wenn die Leute kommen, um zu schnorren, sind sie höflich. „Einmal alle MEINE Zeitungen mit TV Programm und Rätselheft und eine Tüte“. Ach stimmt, es ist ja schon wieder der 1. oder auch der 15. des Monats. Die Zeit vergeht immer so schnell. Immerhin darf man für die Tüte mittlerweile Geld verlangen. Und den Kunden nett mit den Worten „Bis in zwei Wochen!“ verabschieden.

Ein Kunde mittleren Alters kommt in die Apotheke. Ich begrüße ihn freundlich und gut gelaunt und er sagt: „Eine Schmerzsalbe, bitte.“ Na immerhin hat er bitte gesagt! Und ich sage also „Hallo erst mal.“ Er guckt mich an als wäre ICH der Elefant im Porzellanladen und sagt: „Ich will jetzt ne Schmerzsalbe oder was muss man hier noch machen, um zu bekommen, was man möchte?“ Woraufhin ich geantwortet habe: „Höfliche Umgangsformen würden mir schon reichen.“ Und dann hat er mir einen schönen Tag gewünscht, hat sich umgedreht und ist gegangen. Und ich habe herzlich gelacht. Natürlich möchte meine Chefin, dass jeder Kunde wie ein König behandelt wird und natürlich hat sie auch recht damit. Aber darf man manchen Menschen auch mal eine Grenze aufzeigen und sie über ihr Verhalten nachdenken lassen? Und so hat sich der Satz „Hier wird nicht gestänkert“ zu meinem Lieblingssatz im Umgang mit frechen Kunden entwickelt. Denn wie der Dichter Joachim Ringelnatz schon vor etwa 100 Jahren richtig bemerkte: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt.“

Stellen Sie sich gut mit Ihrer PTA oder Apothekerin!

Als kleiner Tipp: mit seiner PTA und Apothekerin sollte man sich lieber gutstellen. Denn ansonsten ist das zuzahlungsfreie Arzneimittel merkwürdigerweise nicht verfügbar. Hoppla! Die kostenfreien Packungen gingen heute schon an die netten Kunden weg. Denn auch wenn nicht jeder Kunde es in die Top 10 der Lieblingskunden schafft, darf man die netten und lieben Kunden, mit denen man auch mal einen Scherz machen kann und die selbst gebackene Plätzchen vorbeibringen, nicht vergessen. Sie sind diejenigen, die den Beruf zur Berufung machen und die dafür sorgen, dass man den ein oder anderen pampigen Kunden wegsteckt und trotzdem lächelt. Wie heißt es so schön? Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten und weiter geht’s. Und das ist auch gut so.

Marie Dietzsch
Apothekerin, Berlin
onlineredaktion@ptaheute.de