Singlebörse Apotheke

Da soll nochmal einer sagen, dass es in der Apotheke nicht romantisch zugeht! Und damit meine ich nicht zwischen den Kollegen hinter dem HV-Tisch. Obwohl das natürlich auch vorkommen kann… Nein, ich rede von Kunden und Patienten, die nicht nur wegen der guten Beratung zurückkommen. ;-)

Kategorie „Schwiegertochter gesucht“

Meine Kollegin hatte eine Ü-50 Kundin, die mit mehreren Rezepten kam. Während sie die Rezepte bearbeitete, sagte die Kundin: „Sagen Sie mal, haben Sie einen Freund?“ „Ja.“, war die damals noch korrekte Antwort der Kollegin. „Und sind Sie auch wirklich glücklich mit dem? Sind Sie sicher, dass er der Richtige für Sie ist?“ Meine Kollegin wusste nicht so richtig, was die Kundin damit meinte. Aber das klärte sich schnell auf. „Wissen Sie, mein Sohn ist Single und sucht eine Freundin. Ich finde, dass sie echt gut zu ihm passen würden!“ Meine Kollegin war sichtlich irritiert. Während wir anderen uns versteckt haben, damit man nicht sieht, wie sehr wir lachen mussten. Höflich und auf den Verweis glücklich vergeben zu sein, lehnte die Kollegin das Angebot, den Sohn kennenzulernen, ab. Die Kundin war noch drei weitere Male da und hat bei der Gelegenheit auch andere Kollegen angesprochen und gefragt, ob die besagte Kollegin wirklich vergeben und glücklich ist und ob wir ihr nicht nochmal ausrichten können, dass sie ihren Sohn gerne mal vorstellen würde. Für diese Geschichte gibt es (leider?!) kein Happy End.

Der Offensiv-Flirter

Es gibt Menschen, die machen den Tag schöner. So auch ein Kunde von uns, der aufgrund einer körperlichen Einschränkung immer mit seinem Fahrrad kommt. Er mag vor allem die weiblichen Mitarbeiterinnen bei uns sehr gerne und hat eigentlich immer einen kecken Spruch auf den Lippen. Und den ruft er so laut, wenn er reingefahren kommt, dass es auch jeder hören kann. Ein Klassiker: „Guten Abend Marie, Stern meiner Nudelsuppe!“ :-)

Die Mutigen

Ein Kollege hat eine Finanzbeamtin, die eigentlich auch mal Pharmazie studieren wollte, so beeindruckt, dass sie ihm eine Mail geschrieben hat. Und zwar an seine Apotheken E-Mail-Adresse. Das heißt, sie hat aktiv unsere Apotheke und die Mitarbeiter im Internet gesucht, um dann eine Mail an ihn zu schreiben. Ob er sich vorstellen könne, mal einen Kaffee mit ihr trinken zu gehen. Er hat höflich geantwortet, dass das ein sehr nettes Angebot wäre, er aber Steuerklasse III hat.

Ein anderer Kollege hat eine Kundin im Notdienst ganz und gar von sich begeistert! Und das im Neonlicht und Schlafanzug! So sehr, dass sie kurz nach ihrem Besuch im Notdienst eine WhatsApp Nachricht auf unser Apotheken-Handy geschickt hat. Dort hat sie sich für die sehr gute Beratung bedankt. Mein Kollege hat nett geantwortet, dass er das gerne gemacht hat und sie sich melden kann, sollte es noch Rückfragen geben. Statt einer Rückfrage kam eine Einladung zum Kaffee trinken. Da der Kollege aber mit einer der tollsten Frauen zusammen ist, die ich persönlich kenne, wurde auch daraus nichts.

Die Phrasen-Flirter

Zwei junge Männer kamen abends in die Apotheke, einer von ihnen hatte ein Rezept. Nach kurzer Zeit sagte er zu mir: „Du siehst so müde aus.“ „Ja, war ein langer Tag…“, setzte ich an. Aber er unterbrach mich: „Das liegt bestimmt daran, dass du die ganze Nacht durch meine Träume gewandert bist!“ Ich wurde rot und meine Kollegin hatte einen Lachkrampf. Dann ging es noch um den Vergleich zwischen Augen und Sternen und als ich ihm den Abholschein gab, schaute er drauf und sagte ganz ernst: „Hier stimmt was nicht!“ Ich schaute ihn verwundert an und er lächelte: „Deine Nummer steht nicht auf dem Abholschein!“ Woraufhin meine Kollegin noch mehr gelacht hat und ihn gefragt hat, ob das denn sein Ernst sei. Aus uns wurde nichts. ;-)

Die Geschenke-Macher

Meine Kollegen haben im Nachhinein sehr gelacht, als vor ihnen ein junger Mann mit einer Mango in der Hand stand, die er aus Südamerika für mich mitgebracht hat. Vor seinem Urlaub haben wir darüber gesprochen und ich habe das aus Spaß gesagt und er hat’s angeblich wirklich gemacht (ob die vielleicht eigentlich in Deutschland gekauft wurde?!). Ich war an dem Tag leider nicht da und er hat die Mango wieder mitgenommen und wahrscheinlich selbst gegessen.

Ein anderer Kunde hat mir aus Thailand mehrere Sorten Curry mitgebracht, die er liebevoll in Geschenkpapier eingewickelt hat. Neben einer Einladung zum Kochen stand auf dem beigelegten Zettelchen auch seine Handynummer. War damals ein ungünstiger Zeitpunkt, um das Angebot anzunehmen. Aber ich fand’s trotzdem süß.

Was lernen wir daraus? Auch wenn es bei uns nicht zum Happy-End over the counter gereicht hat, sollten wir doch ab und zu mutig sein und Menschen, die wir toll finden, einfach mal ansprechen. Denn das sind die schönsten Geschichten und Momente, wenn man beim ersten Augenkontakt mit einem fremden Menschen nicht mehr weggucken möchte. Und man dann noch feststellt, dass hinter der rein optischen Attraktivität auch ein wundervoller Mensch steckt. Aber Obacht: In der Apotheke kann es natürlich passieren, dass man nach dem intensiven ersten Blickkontakt direkt etwas über den anderen erfährt, das man lieber nicht gewusst hätte. Und sich dann wie im Lied von Rapper Cro denkt: Bye bye, meine Liebe des Lebens…

 

Marie Dietzsch
Apothekerin, Berlin
onlineredaktion@ptaheute.de