TEAM-LOVE

Manchmal bringt es nichts, seine Zukunft im Voraus zu planen. Eigentlich habe ich meine sechs Monate Pflichtpraktikum als kurzen Besuch in der Apotheke geplant, weil ich vorhatte, meinem Namen noch zwei Buchstaben und einen Punkt hinzuzufügen. Ganz unerwartet habe ich mich bewusst dagegen entschieden. Denn manchmal hat das Leben einen anderen Plan für uns parat.

Und manchmal weiß man vorher nicht, was für ein Glück man in Zukunft haben wird. So ging es mir, bevor ich meine Stelle als Pharmazie-Praktikantin angetreten habe. In einem jungen Team, voll motivierter PTAs und Apotheker, die jeden Tag mit ganzem Herzen bei der Sache sind.

Natürlich bleibt auch in einer großen Apotheke Personalwechsel nicht aus. Neue Mitarbeiter und Praktikanten kommen ab und zu, bleiben manchmal und ziehen oft weiter. Doch unsere Chefin hat bei ihrer Auswahl ein so glückliches Händchen, dass jeder neue Mitarbeiter ein Teil unserer kleinen Apothekenfamilie wird. Wie schön es ist, wenn man sich auf jeden Kollegen freut! Und alles andere selbstverständlich ist.

Denn wir lachen und weinen zusammen. Und manchmal geht das nach der Arbeit nicht ohne ein Gläschen Wein oder Gin Tonic. Wir schämen uns nicht, zur Center Musik laut mitzusingen und zu tanzen, wenn die Backstreet Boys laufen. Manchmal machen wir Aerobic und Fitness im Backoffice und Quatsch im Front-Office. Wir messen unseren Blutdruck und unsere Blutzucker-Werte und spielen „Wer hat die besten Werte?“. Wir urteilen nicht darüber, wenn ein Kollege sich beschwert, dass er zugenommen hat und sich kurz darauf ein Stück Kuchen kauft. Wir trösten uns bei Liebeskummer und freuen uns über schöne Liebesgeschichten. Wir sehen den anderen an, ob es ihnen gut geht. Oder auch mal nicht. Unsere Kunden merken, dass wir uns gut verstehen und mögen uns dafür. Wie eine kleine Familie, die auf sich aufpasst, schmeißen wir den Laden Tag für Tag. An Wochenenden tragen wir gerne mal nicht-permanente „Crew-Tattoos“, die wir eigentlich an Kinder im Sommer verschenken sollen. Ohne eine Miene zu verziehen tragen wir Zucker-Perlenketten-Uhren und schauen darauf, um den Kunden zu sagen, wann die nächste Warenlieferung kommt. Im Sommer gibt es Eis, im Winter heiße Schokolade. Wir schicken uns Gruppen-Selfies aus der Apotheke, wenn einer „schon“ Feierabend hat oder gerade im Urlaub ist. Und natürlich Urlaubsbilder von fernen Orten. Wir können manchmal nicht anders und teilen um 20:30h noch Pommes und Cheeseburger. Wir verstehen uns so gut mit dem Vertreter eines Berliner Kondom-Herstellers, dass er uns einen kleinen Stempel geschenkt hat. Er stempelt einen Penis. Man darf uns nicht mit diesem Stempel alleine lassen. Alles sieht so viel toller aus, wenn ein Phallus daneben gestempelt wird. Wir reden über Netflix und Spotify und den Sinn des Lebens. Jetzt könnte man sich zurecht fragen, ob wir denn nebenbei auch noch arbeiten… :-) Die Kunden haben natürlich immer Vorrang! Aber wenn man 13h am Tag geöffnet hat, dann bleibt auch mal Zeit für eine kleine Ablenkung. Es ist unglaublich schön, auf Arbeit zu sein, wenn alle an einem Strang ziehen und einem nichts voreinander peinlich ist.

Und sagt man das oft genug? Vielleicht nicht. Deshalb einmal schwarz auf weiß: Danke, meine Lieben! Dafür, dass ich gerne auf Arbeit gehe und euch auch privat noch sehen möchte! Danke, dass ich mich auf euch verlassen kann und dass ihr immer da seid! Was wäre wohl gewesen, wenn ich mich damals für eine Apotheke eine Ecke weiter entschieden hätte? Daran möchte ich gar nicht denken. :-)

Marie Dietzsch
Apothekerin, Berlin
onlineredaktion@ptaheute.de