The Asian Invasion - Warum sich Reisegruppen vorher ankündigen sollten!

Deutschland wird als Reiseziel gefühlt von Jahr zu Jahr populärer. Und da es trotz Internet und DHL immer noch Dinge gibt, die man sich nicht einfach so aus einem fernen Land in ein fernes Land bestellen kann, sammelt man einfach die Listen mit Wünschen von all seinen Freunden und macht sich dann auf, um das unbekannte Land zu erkunden und die Liste abzuarbeiten. 

Es war am Abend, als anscheinend ein ganzer Reisebus asiatischer Touristen vor unserem Center abgesetzt wurde. Meine Kollegin und ich waren verwundert. Nicht über die Touristen, aber über die Wahl ihres Halts, denn es gibt -Psst!- schon ein paar beliebtere Einkaufscenter in Berlin. Gerade die Touristen zieht es eher in den Westen. Zuerst kam eine Gruppe mit 5 oder 6 Touristen in die Apotheke. Sie wollten gerne China-Öl kaufen. Wieder so ein Moment, in dem es mir schwer fiel, nicht zu lachen. Für mich war das so als würde ich in Asien eine Currywurst kaufen wollen. Aber egal. Habe also das China-Öl gezeigt. Dann kurze Diskussion: „How much? How big? Bigger?“. Alle Größen wurden vorgestellt und dann sagt der „Sprecher“ der Gruppe ganz lässig: „We take all you have.“ Und ich so: „We have two of them.“ Und wissen Sie, was dann passiert ist? Die ganze Gruppe hat uns herzhaft ausgelacht, weil wir nur zwei Packungen da hatten. Aber diese zwei Packungen wollten sie unbedingt haben. Dann noch der Duty-Free-Zettel (hat sich bei der Summe nicht gelohnt. Wenn wir jetzt 100 Stück gehabt hätten…). Die Gruppe ging, nur um wenige Minuten später von einer zweiten asiatischen Touristen-Gruppe abgelöst zu werden (irgendwo muss wirklich ein Bus gestanden haben). Auch diese Gruppe wollte China-Öl haben. „Sorry, out of stock.“ Als Entschädigung haben sie sämtliche Brausetabletten gekauft, die wir hatten. Und wieder der Duty-Free-Zettel… 

Nicht selten kommt es vor, dass auf der Liste allerdings nicht China-Öl und Brausetabletten stehen, sondern vielmehr das Vollsortiment von beliebten europäischen Kosmetikfirmen. Da ist ein Kosmetikregal mal fix innerhalb von ein paar Minuten nur noch halb voll. Und dafür kommen ein paar Häkchen auf die ewig lange Wunschliste. Eine Freundin, die in einer anderen Apotheke arbeitet, hat mir erzählt, wie sie mal den den ganzen Übervorrat aus dem Keller holen musste, weil ihr Kunde absurde Mengen an Cremes eingekauft hat. Bei diesem Shopping-Verhalten kann man verstehen, dass viele asiatische Touristen direkt mit einem großen Koffer einkaufen gehen. Ich frage mich gerade, wie viele Koffer pro asiatischem Tourist wohl in den Flugzeugen zurückfliegen… Reicht der Platz im Flugzeug überhaupt immer aus? 

But who am I to judge? Sie müssten mich mal in einer amerikanischen Outlet-Mall oder in den Souvenir-Läden in Disney-World erleben. Von daher kann ich die Euphorie, die man als Tourist empfindet, wenn man sich darauf freut, in einem bestimmten Laden im Ausland was Besonderes zu kaufen, vollkommen verstehen. Es ist eben doch etwas anderes, vor Ort die Dinge einzukaufen, die es im Heimatland nicht gibt oder die dort einfach viel teurer sind. Ohne die Gefahr, dass man gefälschte Ware im Internet bestellt, die am Ende beim Zoll vernichtet wird.

Wenn man also die Chance hat, dann raus in die Welt! Man muss sich auch mal was gönnen. Vielleicht nicht 20 Packungen der gleichen Creme… Aber sich hier und da mal einen unnötigen Wunsch zu erfüllen, tut uns allen gut. Man lebt schließlich nur einmal! 

Marie Dietzsch
Apothekerin, Berlin
onlineredaktion@ptaheute.de