Warum es Oxytocin Nasenspray als OTC-Arzneimittel geben sollte...zumindest in Berlin

Berlin - du bist so wunderbar! Und so unglaublich beziehungsunfähig… Ich möchte nicht behaupten, dass man in Berlin als Single keinen Spaß haben kann. Ich würde sogar die These aufstellen, dass man Barney Stinsons berühmte „perfekte Woche“ hier mit etwas Mühe durchaus schaffen könnte. Aber ob aus dieser Auswahl am Ende jemand bleibt, den man wieder sieht oder der auf lange Sicht abends auf einen wartet? Ein schwieriges Thema!

Letztens war ich mit einem guten Freund feiern. Vor mir tanzten zwei Typen. Sie drehten sich um, sahen mich einmal kurz von oben bis unten an und spielten dann „Schere, Stein, Papier“. Wie romantisch! Und wie gut, wenn man dann ganz kurz mal seinen Freund als Schutz vor jugendlichem Prollgehabe nutzen kann.

Hier in Berlin ist es das Höchste der Gefühle, nach der gemeinsam verbrachten Nacht zusammen die Pille danach zu kaufen. Da wird dann auch noch ganz penibel darauf geachtet, dass die Pille geschluckt wird, damit es 9 Monate später keine unerwünschten Überraschungen gibt. Das sind immer die besten Gespräche. „Wann war das mit dem ungeschützten Geschlechtsverkehr?“ „Ja naja, so gegen 3 Uhr nachts. Und dann nochmal
5 Uhr.“ Einmal wusste es der junge Mann ganz genau. Seine Begleitung sagte, es wäre so eine Stunde her. Woraufhin er - hinter ihr stehend - seine Uhr anschaute und aus dem Nichts sagte: „43 Minuten.“ Da kann man sich ein „Da haben Sie sich aber beeilt." nicht verkneifen.

So enden also viele Nächte. Ob nun mit Hilfe des Internets oder als zufällige Bekanntschaft… In meinem Freundeskreis erlebe ich selten, dass daraus etwas Ernstes wird. Ich glaube, bei so viel Auswahl haben wir verlernt, uns auch mal auf etwas einzulassen, das sich gut anfühlt. Die nächste Möglichkeit ist ja nur einen Wisch auf dem Smartphone oder einen Partyabend entfernt. Man könnte mal untersuchen, ob bei meiner Generation eine Oxytocin-Bildungsstörung vorliegt. Oder ein Oxytocin-Rezeptor-Defekt. Wir erinnern uns: Oxytocin, das sogenannte Kuschelhormon, wird v.a. ausgeschüttet, wenn wir jemandem nah sind und sorgt dafür, dass wir diesen jemand in unser Herz schließen. Tatsächlich wird recht intensiv erforscht, für welche Indikationen außerhalb der Geburtshilfe man Oxytocin wohl noch einsetzen könnte. Ich bin gespannt!

Die Auswirkungen von unterschiedlichen Oxytocin-Spiegeln im Blut hat man an zwei verschiedenen Mäusearten untersucht. Eine Sorte lebte ihr Leben lang monogam, während die andere Sorte polygam war. Vielleicht sogar polyamorös (das wurde wohl nicht erforscht…). Auf jeden Fall hat man die Oxytocin-Spiegel der beiden Mäusearten bestimmt und sich die Verteilung der Oxytocin-Rezeptoren im Gehirn angeschaut. Die monogamen Mäuse hatten einen viel höheren Oxytocin-Spiegel. Gab man diesen Mäusen nun einen Oxytocin-Antagonisten, fingen sie plötzlich auch an, ihre Partner stetig zu wechseln!

Vielleicht erklärt diese Forschung an Mäusen auch das Berliner Stadtbild…ausgenommen den Prenzelberg natürlich. Man könnte meinen, dass es dort Oxytocin regnet. Wäre also ein Oxytocin Nasenspray im OTC Bereich die Lösung für meine leicht beziehungsunfähige Generation? Damit unsere Eltern endlich Großeltern werden und wir aber zum Baby auch noch einen Schwiegersohn/ eine Schwiegertochter dazu präsentieren können? Könnte man das Nasenspray einem potenziellen Partner auch oft genug verabreichen? Und wäre das nicht Schummeln? Oder würden wir der Natur nur etwas auf die Sprünge helfen? So viele Fragen, die sich nicht ohne Weiteres beantworten lassen. Aber bald ist wieder Mädelsabend. Und ich könnte mir vorstellen, dass ich danach wieder darüber nachdenken werde, ob man nicht mal in diese Richtung forschen sollte. Es gäbe zumindest genügend Probanden in Berlin für eine groß angelegte Phase-III-Studie. ;-)

Marie Dietzsch
Apothekerin, Berlin
onlineredaktion@ptaheute.de