Warum Kinder die besten Kunden sind

Letztens bin ich aus der U-Bahn gestiegen und hatte vor mir einen Papa mit seinen zwei Töchtern. Die eine Tochter hat zu ihm gesagt: „Papa, du hast gerade gepupst!“ Und der Papa ganz erschrocken: „Nein, habe ich nicht.“ Woraufhin seine Tochter eiskalt gesagt hat: „Doch, Papa. Ich hab’s gehört und riechen kann man es auch.“

Ach, Kinder! Wie oft muss man ungewollt lachen, weil die Kleinen so ganz ohne Blatt vor’m Mund sagen, was sie denken. Kinder in der Apotheke sind meistens großartig! Wenn man ihnen eine Kinderzeitung schenkt, sehen sie so glücklich aus, dass wir immer richtig mitlachen müssen. Und gerne wird die Zeitung dann mal direkt auseinander gefaltet und begutachtet. Ein kleiner Junge rief mal ganz laut: „Ein Babyhund!“ Und hat daraufhin die Zeitung so doll an sich gedrückt, als ob er einen echten Welpen gehalten hätte. Und wenn etwas aus unserem Automaten fällt, dann freuen sich Kinder unglaublich darüber. Wenn es gerade passt und nicht so voll ist, dann zeige ich den Automaten auch gerne mal im Backoffice. Dann werden die Augen meist noch größer.

Einmal stand ein ganz süßes Mädchen mit ihrem Papa vor mir. Als die beiden schon gehen wollten, schaute sie mich an und sagte: „Du bist schön!“ Sichtlich gerührt von diesem unerwarteten Kompliment habe ich ihr eine große Handvoll Traubenzucker und Gummibärchen geschenkt. Bin mir nicht ganz sicher, ob das nicht vielleicht eine Masche von ihr war. :-)

Vor Kurzem stand ein kleiner Junge mit seinem Papa in der Apotheke. Der Papa wollte ein Nasenspray kaufen. „Für den kleinen Mann?!“, habe ich gefragt. Woraufhin er sagte: „Mein Name ist Julian!“ Gut, also ein Nasenspray für Julian. Julian hat das Gespräch dann in die Hand genommen. „Wie ist dein Name?“, fragte er mich. „Mein Name ist Marie.“ „Hallo Marie!“, sagte er fröhlich. Also haben Julian und ich uns über seine Nase und das Nasenspray unterhalten. Er war äußerst aufmerksam und freundlich und rief beim Rausgehen ganz laut: „Tschüß, Marie!“ Und ich rief zurück: „Auf Wiedersehen, Julian!“ Cooler Typ, der kleine Mann.

Einem Zwillingspärchen bestehend aus Junge und Mädchen haben wir mal ein kleines Stofftier einer Kosmetikfirma geschenkt. Es war ein Schaf. Zwei Jahre lang hatte das Mädchen das Stofftier immer dabei, war sich aber sicher, dass es sich um eine Katze handelt.

Warum Kinder also die besten Kunden sind? Weil sie offen, lustig und ehrlich sind. Weil sie ihre Eltern zum Verzweifeln bringen, wenn sie von der Kasse weg zum Bonbon-Regal laufen, aus Versehen Packungen in der Freiwahl zerstören oder mit einer DIN A4 Zeitung 2 qm Bodenfläche abdecken. Weil Ihnen der Kakao im Fahrrad-Körbchen umfällt und das den Eltern äußerst peinlich ist. Weil sie mitten in der Tür sitzen bleiben, um Fußball beim Sky Stand vor der Apotheke zu gucken. Weil sie sich noch begeistern lassen von den kleinen Dingen im Leben und aufgeregt sind, wenn ihr Arzneimittel aus der Wand kommt (um fair zu sein, gibt es auch ein paar große Jungs, die das toll finden…). Und für uns ist es eine ganz besondere Aufgabe, sich um die kleinen Patienten zu kümmern. Tag & Nacht.

Marie Dietzsch
Apothekerin, Berlin
onlineredaktion@ptaheute.de