Warum man als Mann einen Urologen im Freundeskreis braucht…

… und warum man nicht der Urologe sein möchte

Ich denke je älter man wird, desto besser ist die Infrastruktur an wertvollen Freunden, die alle irgendwas Tolles gelernt oder studiert haben. Und so kommt es, dass man eventuell irgendwann den ein oder anderen Arzt zu seinen Freunden zählen kann. Da Arzt natürlich nicht gleich Arzt ist, können diese Freunde je nach Fachrichtung mehr oder weniger interessant für die eigenen Bedürfnisse sein. Und für Männer, ganz klar, darf ein Urologe nicht fehlen, wenn der Pipimann komische Pünktchen oder Pickelchen hat oder nicht so gut riecht wie sonst. Vor diesem Hintergrund erzähle ich heute eine kleine Geschichte…

Ein junger Mann kommt in die Apotheke und verlangt eine Creme gegen eine Pilzinfektion. Auf meine Nachfrage, für welchen Körperteil die Creme denn sein soll, sagt er mit traurigem Gesicht: „Ich habe einen Pilz am Penis.“ „Na, keine Sorge. Er wird schon nicht gleich abfallen! Das kriegen wir hin.“, sage ich aufmunternd. Und daraufhin schaut er erst einmal sehr erleichtert. „Sind Sie sich sicher, dass es sich um eine Pilzinfektion handelt?“ „Ja sehr.“, lautet seine Antwort. „Ein Freund von mir ist Urologe und er hat mir gesagt, dass ich da einen Pilz habe.“ Da dachte ich für einen kurzen Moment das erste Mal, dass es sich hier um einen sehr guten Freund handeln muss. Ich denke, man steht sich schon relativ nah, wenn man über solch intime Details mit einem Freund spricht. Und wenn man sich vorher nicht nah stand, dann auf jeden Fall nachdem man sich in diesem Kontext nackig gesehen hat. 

Bis dahin dachte ich, er wäre bei seinem Urologen-Freund in der Praxis gewesen. Aber da lag ich falsch… Denn bei unseren Möglichkeiten heutzutage, muss man nun wirklich nicht mehr immer körperlich anwesend sein, wenn man Hilfe von seinem Urologen-Freund braucht. In diesem Moment legt der nette junge Mann sein Handy auf den HV-Tisch, hatte aber noch den WhatsApp Chat geöffnet, in dem der Name der Creme stand. Was ich allerdings auch sehen konnte - ohne, dass ich es mit Absicht gewollt hätte - war ein Bild von seinem Penis. Nackig, natürlich, und als Großaufnahme. Jetzt muss man dazu wissen, dass ich - obwohl ich nicht mehr 14 bin - einen ausgeprägten Humor habe, wenn es um solche Dinge geht. Also sind wir beide rot angelaufen. Er vor Scham und ich, weil ich mich wirklich sehr konzentrieren musste, nicht laut zu lachen. Die gute Nachricht ist, dass wir uns beide einigermaßen schnell wieder beruhigt haben und tatsächlich noch ein ganz erwachsenes Beratungsgespräch führen konnten.

Wie ist es aber eigentlich, wenn man in dieser Geschichte der Urologen-Freund ist? Das habe ich mich wirklich gefragt! Bekommt man dann von seinen Freunden ständig Bilder von Penissen mit Ausschlägen geschickt? Und wie erklärt man anderen, wenn man z.B. mal Urlaubsbilder zeigt, dass immer mal wieder Penisse zwischen den Strandbildern auftauchen? Strand, Strand, Buffet, Penis, Statue,Strand… Ab und zu kann man ein solches Bild sicherlich verkraften, aber vermutlich möchte man beim Abendessen, im Urlaub, bei den Schwiegereltern oder sonst wo gerne auch mal darauf verzichten. 

Also: Augen auf bei der Berufswahl! Wobei man als PTA und Apotheker in der Regel auch zu den Freunden zählt, die man gerne mal um Rat fragt, wenn man ein Problem und keinen Arzttermin hat. Ein Penisbild fehlt allerdings noch in meiner Sammlung… ;-)

Marie Dietzsch
Apothekerin, Berlin
onlineredaktion@ptaheute.de