Erdrauch – „Grindkraut“ und Gallentherapeutikum

Erdrauch - Bild: Weber-Fina

„Grindkraut“ oder „Kratzheil“ wird der Erdrauch (Fumaria officinalis) auch genannt.
Denn die Pflanze ist ein altes volksmedizinisches Hautheilmittel. Phytotherapeutisch ist Erdrauchkraut dagegen bei Beschwerden des oberen Verdauungssystems indiziert.

Ursprung der Fumarsäure

Zerkleinert man das Kraut des Erdrauchs, werden dabei die Augen leicht gereizt. Ähnlich wie etwa durch Rauch. Das könnte eine Erklärung für die Namensgebung „Erdrauch“ sein. Ursache für die reizende Wirkung ist die in Fumaria enthaltene Fumarsäure. Ihr schreibt man es auch zu, dass der Erdrauch tatsächlich hautwirksame Effekte hat. In neueren Untersuchungen konnten therapeutische Erfolge bei Schuppenflechte erzielt werden. Synthetisch gewonnene Fumarsäureester sind übrigens die Wirksubstanzen des Psoriasis-Präparats Fumaderm®.

Alkaloide für den Verdauungstrakt

Neben der Fumarsäure enthält der Erdrauch als wichtige Inhaltsstoffgruppe Alkaloide
(u.a. Fumarin und Fumaricin). Sie üben eine spasmolytische Wirkung im oberen Verdauungssystem aus, insbesondere auf Gallenblase und Gallenwege. Erdrauchkraut (Fumariae herba) ist daher indiziert bei krampfartigen Beschwerden im Bereich der Gallenblase und der Gallenwege sowie des Gastrointestinaltrakts. Neben der krampflösenden Wirkung scheint die Droge auch regulierende Effekte auf die Gallenfunktion auszuüben, abhängig von der Ausgangslage: Bei zu geringer Gallensekretion wirkt der Erdrauch sekretionssteigernd, bei zu starker Gallenproduktion hemmend.

Für die Teezubereitung

Inzwischen hat Erdrauchkraut als Phytotherapeutikum an Bedeutung verloren. Frühere Extraktpräparate stehen seit einigen Jahren nicht mehr zur Verfügung. Empfohlen wird die Teeanwendung (2 bis 3 g/Tasse, 2- bis 3-mal täglich). Bei akuter Gallenblasenentzündung und Gallensteinen darf der Erdrauch nicht angewendet werden.

Wie Rauch aus der Erde

Fumaria officinalis gehört zu den Mohngewächsen (Papaveraceae). Man findet die bis zu
30 Zentimeter hohe, zarte Pflanze häufig auf Öd- und Gartenland, an Straßenrändern, auf Äckern und in Weinbergen. Die Blätter des Erdrauchs sind fein gefiedert und erscheinen graugrün bereift. Mit ein wenig Fantasie sehen sie aus wie Rauch, der aus der Erde steigt. Hierin lässt sich also eine weitere Namenserklärung finden. Doch auch die zierlichen, rosa- bis purpurfarbenen Blüten könnten als Namensgeber dienen. Denn die Blütenspitzen sind dunkel gefärbt – wie vom Feuer verkohlt.

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de

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