Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 18: Add-on zu Ibuprofen bei einem fieberhaften Infekt

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Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Add-on zu Ibuprofen bei einem fieberhaften Infekt

Eine Kundin gibt Ihnen ein Rezept für Ibuprofen 800mg Tabletten und stellt Ihnen die Frage, ob man noch etwas Zusätzliches tun könne – am besten „etwas Natürliches“.

Ihre Nachfrage

Die entscheidende Nachfrage ist, warum Ibuprofen verordnet wurde. Aus der Antwort lässt sich die Indikation ableiten und damit die Frage beantworten, was „zusätzlich“ empfohlen werden kann. Mit dem Hinweis auf „etwas Natürliches“ ist ein Naturstoffpräparat gemeint, d.h. ein Arzneimittel aus der Homöopathie, Anthroposophie oder Phytotherapie.   
Die Kundin berichtet, dass ihre 39jährige Schwester einen fieberhaften Infekt hat, worauf der Hausarzt das fiebersenkende Medikament verordnet hat. Ihre Schwester möchte sich zusätzlich mit Globuli behandeln.
Des Weiteren schildert die Kundin, dass ihre Schwester ein knallrotes Gesicht habe, was umgangssprachlich mit „glüht“ beschrieben wird. Die zuletzt gemessene Temperatur lag bei 39,2°C, weshalb auch der Hausarzt konsultiert wurde. Die weitere Nachfrage ergibt, dass die Patientin außer einem ACE-Hemmer wegen Bluthochdruck keine weiteren Medikamente einnimmt.  

Ihre Empfehlung

Mit dem Hinweis auf Globuli als Darreichungsform wird heutzutage die Homöopathie gemeint. Im Hinblick auf die ärztliche Verordnung ist von einem virusbedingten fieberhaften Infekt auszugehen, der unterstützend (add-on) mit einem homöopathischen Arzneimittel behandelt werden kann. Diese Aussage beinhaltet die Causa, d.h. den Auslöser; auch beschreibt die Kundin das Aussehen der Patientin (knallrotes Gesicht), was ein wesentliches Leitsymptom von Belladonna ist.

Belladonna, die Tollkirsche, wird auch als die „dampfende Tomate“ bezeichnet. Das Mittel ist angezeigt bei hochakuter, nicht eitriger Entzündung an den Schleimhäuten und der Haut (= Lokalisation) und wird üblicherweise als D6 oder D12 auch bei Kindern angewendet. Typische Leitsymptome von Belladonna sind:

  • Röte
  • Hitze
  • brennende oder klopfende Schmerzen

Belladonna ist auch bei Halsschmerzen („feuerroter Rachen“) sowie bei Ohrenschmerzen angezeigt, sofern die Entzündung nicht eitrig ist. Bei Berücksichtigung der schulmedizinischen Leitlinien ist in beiden Fällen kein Antibiotikum angezeigt.

Mein Tipp

Belladonna add-on zu einem Analgetikum: immer dann, wenn die genannten Leitsymptome „rot, heiß, brennend“ zutreffen.
Belladonna add-on zu einem kühlenden Gel oder einer desinfizierenden Salbe: bei Sonnenbrand und bei leichteren Verbrennungen wie sie im Haushalt (Herd, Ofen, Kerze) nicht selten vorkommen

Belladonna ist auch angezeigt bei einer beginnenden nicht eitrigen Nagelbettentzündung. Weil sich noch kein Eiter gebildet hat, ist eine „Zugsalbe“ in diesem Entzündungsstadium nicht angezeigt. 

Insofern ist Belladonna ein in der Beratung häufig angezeigtes Akut-Mittel mit dem Ziel, dass sich aus einer beginnenden, also nicht eitrigen Entzündung an Haut und Schleimhaut kein eitriger Prozess entwickelt.

Die Akutdosierung in der Homöopathie bedeutet: am 1. Krankheitstag stündlich, am 2. Krankheitstag alle zwei Stunden und ab dem 3. Krankheitstag 3-mal täglich 5 Globuli (Kleinkinder 3 Globuli) pro Dosis wie es auch in der Packungsbeilage eines jeden homöopathischen Einzelmittels beschrieben ist.
Nach Abklingen der Beschwerden wird das Arzneimittel abgesetzt. Treten andere Leitsymptome auf, dann wird daraufhin das zutreffende Mittel ausgesucht.

Zur Unterscheidung

Lesen Sie zum Lernen nochmals das Homöopathie-Fallbeispiel 1 durch: Dann erkennen Sie den Unterschied zu Aconitum, welches der Klassiker bei den ersten Anzeichen einer beginnenden Erkältung ist. Insofern ist Aconitum ein absolutes „must-have“ in der Bevorratung, denn entscheidend ist die frühzeitige Einnahme: Bei Kindern spricht man davon, dass sie etwas „ausbrüten“, beim Erwachsenen lautet die Redewendung „es ist etwas im Anzug“.

Im Homöopathie-Fallbeispiel 10 erfahren Sie mehr über ein weiteres Mittel:
Camphora, der Kampfer. Fünf Tropfen Camphora D3 sollte man im Sinne einer Einmalbehandlung (Stoßtherapie) 3-mal im Abstand von etwa 15 Minuten im Mund zergehen lassen. Es ist ein praxisbewährtes Mittel zur Behandlung der beginnenden Erkältung bei Jugendlichen und Erwachsenen. Und es ist ein „Ausprobiermittel“, um die Wirkung der Homöopathie kennenzulernen: Die „Frühwarnsymptome“ wie Frösteln, Frieren und ständiges Niesen klingen unter Camphora kurzfristig ab.

Unser Tipp

Unter www.hvkompass.de finden Sie weitere Informationen zu diesen homöopathischen Mitteln. Mit diesem Online-Programm können Sie zudem apothekenindividuell eine Patienteninfo ausdrucken und dem Patienten mitgeben.
Den HVKompass Homöopathie können Sie jetzt bis zum 29.03.2018 kostenlos testen (keine Anmeldung erforderlich; maximal 200 Klicks pro Anwender). 

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de