Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 9: Erektile Dysfunktion

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Erektile Dysfunktion

Eine in der Apotheke bekannte Kundin bittet Sie in die Beratungsecke, um ein persönliches Problem zu besprechen. Ihr Mann leidet seit einigen Monaten zunehmend unter Erektionsschwäche, weshalb er auch beim Urologen war. Sie möchte wissen, ob es zur Behandlung Globuli gibt?

Ihre Nachfrage

Auf Nachfrage berichtet die Kundin, dass ihr Mann vor zwei Jahren zwar an der Prostata wegen einer gutartigen Vergrößerung operiert wurde, in der letzten Zeit sei jedoch die sexuelle Aktivität sowohl bei ihrem Mann als auch bei ihr deutlich zurückgegangen. Es könne doch nicht sein, dass mit Mitte 50 Sex zum Problem wird. Ihre Frauenärztin habe sie untersucht und meinte nur, die Wechseljahre sind mit ursächlich – ohne jedoch eine weiterführende Behandlungsmöglichkeit zu geben.

Ihre Empfehlung

Grundsätzlich gibt es homöopathische Arzneimittel, die bei der so genannten nachlassenden sexuellen Erlebnisfähigkeit sowie bei erektiler Dysfunktion eingesetzt werden können. Es ist jedoch ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die Anwendung längerfristig – wenigstens drei Monate lang – erfolgen sollte. Eine Sofortwirkung vergleichbar Sildenafil ist nicht möglich.

Ein für Frau und Mann bewährtes Mittel ist Damiana mit der botanischen Bezeichnung Turnera diffusa. Bei der Frau sind typische Leitsymptome:  

  • mangelndes Empfinden
  • es entwickeln sich keine Lustgefühle

Auslöser (=Causa) für das mangelnde sexuelle Interesse sind emotionale Belastungen, die Folgen einer Gebärmutteroperation oder die hormonelle Umstellung durch das Klimakterium. Damiana wirkt auch regulierend auf den weiblichen Hormonhaushalt bei unregelmäßigem Zyklus.

Beim Mann ist ein Hinweis auf Damiana die Erektionsschwäche, die als Folge einer Prostataerkrankung oder -operation auftreten kann oder durch Belastungen im Alltag bedingt ist.
Die Dosierung lautet: Damiana D6, 3-mal täglich 5 Globuli.

Speziell bei diesem Thema bewährt sich eine homöopathische Kur, wonach im dreiwöchigen Wechsel zwei verschiedene homöopathische Arzneimittel eingenommen werden. Zusätzlich zu Damiana gibt es jeweils ein Mittel für die Frau und den Mann, was sich durch die jeweilige Organotropie erklären lässt:

Helonias dioica, die Einhornwurzel, ist ein bewährtes Mittel für die Frau mit folgenden Leitsymptomen:  

  • Überlastet und überarbeitet, hat keine Kraft mehr, ist wie ausgelaugt
  • starke Erschöpfung, fühlt sich durch Familie und Beruf überfordert
  • stellt oftmals zu hohe Ansprüche an ihre vielfältigen Tätigkeiten
  • immer wieder Unterleibsschmerzen und Senkungsbeschwerden, ohne organische Ursache
  • entwickelt keine Lustgefühle mehr

Helonias dioica D6, 3-mal täglich 5 Globuli, wird im dreiwöchigen Wechsel mit Damiana D6 mindestens drei Monate lang eingenommen; nach einer einwöchigen Pause kann diese homöopathische Kur ein weiteres Mal durchgeführt werden. Helonias ist ein interessantes „Frauenmittel“ bei unterschiedlichen Beschwerden; ebenso ist Helonias dioica bewährt in der Schwangerschaft.

Acidum picrinicum, die Pikrinsäure, ist ein bewährtes „Männermittel“ aufgrund seines organotropen Bezugs zu den männlichen Geschlechtsorganen. Auf das Mittel hinweisende Symptome sind:

  • Emotional schnell erregt, jedoch mangelnde Erektionsfähigkeit, leidet deshalb unter Versagensängsten
  • oft niedergeschlagen, Schwächezustand mit Gefühl wie gelähmt
  • trotz Erschöpfung schlaflos wegen Sorgen

Acidum picrinicum D12, 2-mal täglich 5 Globuli kann der Mann im dreiwöchigen Wechsel mit Damiana D6 einnehmen und sollte vergleichbar wie die oben beschriebene „Frauenkur“ drei Monate lang angewendet werden, um nach einer einwöchigen Pause die Kur erneut drei Monate lang durchzuführen.

Zur Erläuterung

Gerade bei Situationen und Beschwerdebildern, für die eine längerfristige Behandlung Voraussetzung ist, macht die Anwendung von zwei verschiedenen Mitteln Sinn. Dabei wird von einer sich ergänzenden Wirkung ausgegangen, die als synergistisch oder additiv bezeichnet werden kann, in der Homöopathie spricht man von Wechselmitteln. Die wiederholte Durchführung einer solchen homöopathischen Kur ist grundsätzlich möglich und orientiert sich am Behandlungsverlauf und seinen Ergebnissen.

Beim Thema dieses Homöopathie-Fallbeispiels spielt ohne Frage auch die persönliche Einstellung des Partners eine wichtige Rolle, wonach die sexuelle Aktivität individuell ist und nicht mit „ich muss Leistung zeigen" - getriggert durch die Medien - beantwortet bzw. gelöst werden kann.   

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de

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