Abgabedatum vor Verordnungsdatum

Achtung bei nachgereichten Rezepten

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Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir haben einer Heimbewohnerin ein dringend benötigtes Medikament geliefert ohne dass ein Rezept vorlag. Der Arzt hatte uns vorab über die Verordnung per Telefon informiert und das Rezept sollte zudem umgehend nachgereicht werden. Verordnet war zulasten der BKK vor Ort „2 x Lioresal Inthrathecal 10 mg INF 20 ml N1.“

Leider erhielten wir nach der Belieferung eine Nullretaxation mit der Begründung „Abgabedatum liegt vor Ausstellungsdatum“. Wenn man sich das bedruckte Rezept anschaut, stimmt das auch: Das nachgereichte Rezept war auf den 20.08.2014 ausgestellt, wir haben aber das Datum der telefonischen Vorbestellung bedruckt, den 19.08.2014. Wir haben Einspruch eingelegt, aber der wurde abgelehnt – wie ist Ihre Meinung dazu?

Ihr Vorgehen, einem Patienten auf Wunsch des Arztes vorab ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das dringend benötigt wird, auszuhändigen, ist gesetzlich legitimiert. In der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) ist die Erlaubnis zu diesem Vorgehen verankert.

Auszug aus der AMVV § 4 (1):

„Erlaubt die Anwendung eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels keinen Aufschub, kann die verschreibende Person den Apotheker in geeigneter Weise, insbesondere fernmündlich, über die Verschreibung und deren Inhalt unterrichten. Der Apotheker hat sich über die Identität der verschreibenden Person Gewissheit zu verschaffen. Die verschreibende Person hat dem Apotheker die Verschreibung in schriftlicher oder elektronischer Form unverzüglich nachzureichen.“

Da in der Apotheke das Datum der Vorabbestellung mittels Apotheken-EDV direkt erfasst wird, wird dieses auch beim nachträglichen Bedrucken des Rezeptes aufgebracht und kann zu einer Retaxation führen, wenn das Abgabedatum vor dem Verordnungsdatum liegt.

Fazit

In Ihrem Fall handelt es sich um eine sogenannte Formretaxation, da das Rezept nicht den vorgeschriebenen Formalien entsprach und daher nicht hätte beliefert werden dürfen. Glücklicherweise reagiert nicht jede Prüfstelle mit einer Retax – einige zeigen sich gegenüber einer plausiblen Erklärung aufgeschlossen und verzichten auf eine Retaxation. Damit die Apotheke nicht das Nachsehen hat, ist immer ein genauer Abgleich von Verordnungs- und Abgabedatum erforderlich. Grundsätzlich wäre aber auch eine vertragliche Regelung zum Thema Formretax im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz wünschenswert, damit eine unverzügliche Arzneimittelversorgung in Notfällen stets gewährleistet ist.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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