Ausnahme bei Aut-idem-Kreuz?

Darf man austauschen, wenn das Aut-idem-Kreuz gesetzt ist? | Bild: Alex Schelbert / PTAheute

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir gaben den verordneten Import Kohlpharma ab, da die Aut-idem-Kreuze gesetzt waren. Daraufhin erhielten wir eine Retaxation mit der Begründung, den Rabattvertragsartikel nicht beliefert zu haben.

 

Ist diese Retaxation rechtens? Darf man austauschen, wenn das Aut-idem-Kreuz gesetzt ist?

„Aut idem“ ist lateinisch und bedeutet „oder das Gleiche“. Der Apotheker darf also ein verordnetes Arzneimittel gegen ein anderes, wirkstoffgleiches Arzneimittel austauschen. Hat der Arzt das Feld „Aut-idem“ durchgestrichen, möchte er eben diesen Austausch verhindern. Es darf nur das verordnete Präparat abgegeben werden.

Das Aut-idem-Kreuz verhindert den Austausch des verordneten Arzneimittels gegen einen Rabattartikel. Ein Austausch zwischen Original und bezugnehmenden Importen ist dennoch möglich. Anfang Januar 2015 wurde die in den Arzneimittelliefervertrag der Ersatzkassen aufgenommen:

§ 4 Abs. 12 vdek-AVV:

„Hat der Vertragsarzt ein Fertigarzneimittel unter seinem Produktnamen und / oder seiner Pharmazentralnummer unter Verwendung des aut-idem-Kreuzes verordnet, ist dies im Verhältnis von importiertem und Bezugsarzneimittel mangels arzneimittelrechtlicher Substitution unbeachtlich. Dies gilt nicht, wenn der Arzt vermerkt hat, dass aus medizinisch-therapeutischen Gründen kein Austausch erfolgen darf.“

Zum Zeitpunkt der Abgabe waren alle Lyrica-Wirkstärken des Originalanbieters Pfizer rabattiert und hätten vorrangig abgegeben werden müssen.

Das Aut-idem-Kreuz schließt im Verhältnis von Original und Import den Austausch gegen ein vorrangig abzugebendes, rabattiertes Produkt nicht aus – die Aut-idem-Regel bezieht sich nur auf wirkstoffgleiche Generika, nicht auf identische Importprodukte. 

Ärzte haben bei Verordnungen zulasten der vdek-Kassen die Möglichkeit, durch das Setzen des Aut-idem-Kreuzes und Anbringen eines zusätzlichen Hinweises, aus dem hervorgeht, dass aus medizinisch-therapeutischen Gründen kein Austausch erfolgen soll, den Austausch zwischen Original und Import zu verhindern. 

Fazit

Da in diesem Fall der Hinweis fehlte, hätten in der Apotheke die rabattierten Originalprodukte gemäß § 5 Absatz 1 Rahmenvertrag vorrangig abgeben werden müssen. Deshalb ist die Retaxierung leider berechtigt und zeigt deutlich, wie schnell man bei den vielen Vorschriften, Verträgen, Urteilen und Änderungen der Abgabevorschriften den Überblick verlieren kann. Apotheker bzw. Apothekerinnen und ihre Mitarbeiter sollten deshalb stets auf dem aktuellen rechtlichen Stand sein.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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