Austauschbarkeit bei Rabattverträgen

Retax trotz fehlender Indikation des Rabattpräparates?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Uns wurde folgende Verordnung (Kostenträger AOK Plus, IK 105998018) retaxiert:

Copegus 200 mg FTA 168 St. Roche

Wir belieferten das Rezept wie verordnet (Abgabe Oktober 2014) und bekamen eine Retax mit der Begründung: „Rabattarzneimittel nicht abgegeben“. Unser Team ist der Meinung, dass die Retaxation nicht rechtskonform ist, denn es gibt keine übereinstimmende Indikation zwischen verordnetem und rabattiertem Arzneimittel – dementsprechend wurde zum Zeitpunkt der Abgabe auch kein Austausch angezeigt und dieser auch nicht vorgenommen. Daher wollen wir Einspruch gegen die Retax einlegen. Was meinen Sie?  

Bild: © Blend Images - Fotolia.com

Die Kriterien, wann ein Arzneimittel ausgetauscht werden muss, bzw. darf, ist fest im Rahmenvertrag § 129 SGB V über die Arzneimittelversorgung verankert. Die Kriterien werden in § 4 (Rahmenvertrag) genau beschrieben: - gleicher Wirkstoff - identische Wirkstärke - identische Packungsgröße - gleiche oder austauschbare Darreichungsform - Zulassung für ein gleiches Anwendungsgebiet - Keine entgegenstehenden betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften (abzugebende = verordnete Menge) Laut diesen Vorgaben darf ein Austausch nur dann stattfinden, wenn mindestens eine Indikation von verordnetem und abzugebendem Arzneimittel gleich ist. Folglich ist kein Austausch vorzunehmen, wenn es keine Übereinstimmung gibt.

Fazit

Dieser Fall zeigt, dass es immer wieder zu Retaxationen kommt, die rechtlich nicht begründet sind. Das Vorgehen der Apotheke war völlig rechtskonform, die Retaxation jedoch nicht. Daher sollte die Apotheke Einspruch erheben.

Anmerkung der Redaktion: Dem Einspruch wurde inzwischen stattgegeben.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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