Retax eines AV-Arzneimittels

Dürfen AV-gekennzeichnete Arzneittel weiterhin abegeben werden und sind diese noch erstattungsfähig?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir hatten neulich eine Patientin bei uns, die folgendes Rezept einreichte:

Krankenkasse: AOK Nordwest, IK 103411401

Verordnetes Präparat: Eucreas 50/1000 mg FTA 180 St. N3

Abgabedatum: 06.03.2015

Wir haben das Präparat der Firma Novartis abgegeben und abgerechnet. Die Prüfstelle retaxierte uns auf Null mit der Begründung: „[…] nach § 131 SGB V – Arzneimittel gelöscht; Ab/Zusetzung (netto) -122,50 €“. Wir sind der Meinung, dass AV-gekennzeichnete Präparate dennoch abverkauft werden dürfen. Was halten Sie davon?

„AV“ steht für „Außer Vertrieb“ und bedeutet, dass der Hersteller den Vertrieb eines Präparates eingestellt hat und diese nicht mehr ausliefert. Die Kennzeichnung bedeutet allerdings nicht, dass die Verkehrsfähigkeit eines Arzneimittels beendet ist oder die Unbedenklichkeit in Frage steht. AV-Produkte dürfen also weiterhin abverkauft und zulasten der GKV abgerechnet werden.

Erst die (zusätzliche) Kennzeichnung mit „NV“ für „Nicht verkehrsfähig“(IFA) oder „RW“ für „Rückruf/Wiederruf“(Lauer-Taxe) untersagt eine weitere Abgabe solcher Arzneimittel.

Dennoch kann eine „AV-Kennzeichnung“ zu (unberechtigten) Retaxationen führen. Zum Beispiel wenn die Kennzeichnungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus den EDVen, bzw. Software-Systemen gelöscht werden.
In Ihrem Fall war das Produkt in der Software der Rezeptprüfstelle zum Zeitpunkt der Abrechnung vermutlich bereits gelöscht worden und konnte somit nicht mehr gefunden werden.  Daher erfolgte die Retaxation.

In der Apotheken-EDV war das Präparat zum Zeitpunkt der Abgabe aber noch gelistet. Ein Blick in die Lauer-Taxe zeigt, dass das Produkt zwar „AV“ gemeldet, aber die Zulassung keinewegs erloschen war:

Die Entscheidung, das Produkt nicht mehr zulasten deutscher Krankenkassen anzubieten, hat das Unternehmen selbst getroffen. Der § 131 SGB V besagt nicht, dass Unternehmer, die keinen Vertrag (Preisnachlass) mit dem Spitzenverband der GKV abschließen können oder wollen, ihre zugelassenen Produkte nicht weiterhin vertreiben dürfen, solange diese im Markt noch erhältlich sind. Entsprechendes war damals auch der Pressemitteilung der Firma Novartis unter DAZ.online zu entnehmen.

Pressemitteilung hier lesen

Fazit

  • AV-Artikel dürfen solange zulasten der GKV abgegeben werden, bis der Bestand im Markt abverkauft ist.
  • Die Kosten werden in voller Höhe von der GKV erstattet.

 

Bild: © Westend61 - Fotolia.com

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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