Vorsicht bei retardierten Arzneiformen!

Retaxfalle BtM

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Ein Kunde kam mit einem Rezept mit folgender Verordnung zu uns:

Oxycodonhydrochlorid 80 mg RET N2 50 St; S: 1-0-1

Abgegeben haben wir Oxycodon-HCL beta 1 x täglich 80 mg Retardtabletten. Die Kasse retaxierte uns das Rezept mit der Begründung: „72) abgerechnete Position nicht verordnet; daher kein Zuzahlungsanspruch 93) Arzneimittel über GH lieferbar, keine Besorgungskosten abrechnungsfähig“. Finden Sie diese Retax rechtens?

Bei der Belieferung eines BtM-Rezeptes sind neben den gesetzlichen Vorschriften auch andere Aspekte, wie z. B. die Beladungsmenge oder auch die unterschiedlichen Retardierungen zu beachten.

Ein Austausch sollte nur stattfinden, wenn das auszutauschende Präparat den gleichen Wirkstoffgehalt hat und gleiche Anteile schnell, bzw. langsam freisetzender Wirkstoffe enthält. Zudem muss die Applikationsdauer identisch sein. Hier sollte die Apotheke nicht blind der Apotheken-EDV vertrauen, sondern fachkompetent recherchieren und gegebenenfalls „Pharmazeutische Bedenken“ geltend machen.

Die Bundesopiumstellestelle weist ebenfalls darauf hin:
„Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass auch ein oral zu verabreichendes Opioid durch ein wirkstoffgleiches Arzneimittel ersetzt werden darf, wenn es – entsprechend SGB V § 129 (1) – ,mit dem verordneten in Wirkstärke und Packungsgröße identisch sowie für den gleichen Indikationsbereich zugelassen ist und ferner die gleiche oder eine austauschbare Darreichungsform besitzt“,‘dabei sind Darreichungsformen mit unterschiedlicher Wirkdauer (z. B. retardierte Präparate mit 12 oder 24 Stunden Wirkdauer) nicht austauschbar.“

Der Arzt hat mit der Dosierung „1-0-1“ deutlich auf eine zweimal tägliche Einnahme hingewiesen und es ist nicht zu erkennen, dass eine 24-Stunden-Retardierung gewünscht war. Allerdings kann die Dosierungsanleitung alleine keine Begründung dieser Retaxation sein, denn auch bei einer 24-Stunden-Retardierung ist eine Mehrfacheinnahme, z. B. zur Dosis-Titration möglich.

Die 24-Stunden-Retardierung hätte die Apotheke zu einer Rücksprache mit dem Arzt veranlassen sollen:
„Enthält eine Verschreibung einen für den Abgebenden erkennbaren Irrtum, ist sie nicht lesbar oder ergeben sich sonstige Bedenken, so darf das Arzneimittel nicht abgegeben werden, bevor die Unklarheit beseitigt ist. Der Apotheker hat jede Änderung auf der Verschreibung zu vermerken und zu unterschreiben […]. Die Vorschriften der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung bleiben unberührt.“

Auf dem Rezept war kein Vermerk einer Rücksprache zu erkennen. Die Apotheke hätte von einer 12-Stunden-Retardierung ausgehen müssen und hätte die Rabattarzneien angezeigt bekommen. 

Fazit

In diesem Fall kann nicht zu einem Einspruch geraten werden, denn diese Retax kann nicht beanstandet werde.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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