BtM-Rezepte: Formfehler führen zu Retaxationen

Bei der Belieferung von BtM-Rezepten ist besondere Aufmerksamkeit geboten: Neben den Lieferverträgen sind ebenso die BtM-rechtlichen sowie die vertraglichen Vorgaben zu beachten. Um eine Retaxation zu vermeiden, müssen die Rezepte deshalb sorgfältig auf Vollständigkeit geprüft werden.

Vorgaben BtMVV

In der BtMVV ist geregelt, welche Angaben auf einem BtM-Rezept nicht fehlen dürfen. So muss z. B. die genaue Stückzahl verordnet werden. Der Zusatz „eine Packung“ oder die Angabe der N-Größe reicht hier nicht aus. Zusätzlich müssen aus dem Arztstempel die Telefonnummer und der Name des verordnenden Arztes genauestens hervorgehen. Dieses lässt sich beispielsweise durch das Unterstreichen des fraglichen Namens bei einer Gemeinschaftspraxis umsetzen. Im Gegensatz zu „normalen Rezepten“ ist die Gültigkeit eines BtM-Rezeptes wesentlich verkürzt mit nur 7 Tagen (8 Tage mit Ausstellungsdatum).

Typische Formfehler, die retaxiert werden:

Fall 1: Dosierung fehlt:

Eine Apotheke belieferte ein Rezept fristgerecht mit:

„Norspan 10 µg PFT 2 x 12 ST!“ und
„Burprenorphin Hexal 0,2 mg SUT N3 70 St.“

Es wurde nicht bemerkt, dass die Dosierung fehlte.

Dies ist gemäß BtMVV § 9 (1) erforderlich: „5. Gebrauchsanweisung mit Einzel- und Tagesgabe oder im Falle, dass dem Patienten eine schriftliche Gebrauchsanweisung übergeben wurde, ein Hinweis auf diese schriftliche Gebrauchsanweisung].“
Die Folge war eine Retaxation auf Null.

Fall 2: „A“-Kennzeichen fehlt:

Eine Apotheke belieferte ein BtM-Rezept fristgerecht mit:

„2 x ! Medikinet Adult 30 mg REK 50St. N2 1-1-0-0 insg. 100 St.“

Das „A“ war nicht angegeben. Die Höchstmenge für Methylphenidat von 2400 mg pro 30 Tage wurde laut BtMVV somit überschritten. Daraufhin erhielt die Apotheke eine Retaxation dieses Rezeptes. Wird die Höchstmenge des verordneten Wirkstoffes innerhalb von 30 Tagen überschritten, hat der Arzt dies mit einem „A“ zu kennzeichnen. Die Grundlage findet sich in der BtMVV § 2 (2):

„In begründeten Einzelfällen und unter Wahrung der erforderlichen Sicherheit des Betäubungsmittelverkehrs darf der Arzt für einen Patienten, der in seiner Dauerbehandlung steht, von den Vorschriften des Absatzes 1 hinsichtlich
1. der Zahl der verschriebenen Betäubungsmittel und
2.der festgesetzten Höchstmengen
abweichen. Eine solche Verschreibung ist mit dem Buchstaben „A“ zu kennzeichnen.“

Die jeweiligen Höchstmengen lassen sich der BtMVV entnehmen und sind meist auch in der Apotheken-EDV hinterlegt.

Fazit

Apotheken sollten bei der Einlösung eines BtM-Rezeptes alle Angaben sorgfältig prüfen, denn Formfehler sind immer noch die häufigste Ursache für Null-Retaxationen. Wenige Krankenkassen haben bisher eine Vereinbarung getroffen, die den Umgang mit Formfehlern regeln und auf eine Retaxation verzichten, sofern der Kasse kein finanzieller Schaden entsteht.

Fallen die Formfehler bereits vor der Belieferung auf, hat die Apotheke viele Möglichkeiten zur Korrektur. Mit Ausnahme von Arztunterschrift und Ausstellungsdatum darf die Apotheke alles auf Anlage I und II nach Rücksprache mit dem Arzt ergänzen. Der Arzt hat dazu Teil III ebenfalls zu korrigieren (mit Datum und Unterschrift). Allerdings werden Korrekturen im Retaxfall nachträglich, auch mit ärztlicher Bestätigung, oft nicht mehr akzeptiert.

Bild: PTAheute / Alex Schelbert

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

Das DAP

Das DeutscheApothekenPortal (DAP) gibt Hilfestellungen bei allen Fragen rund um die Arzneimittelabgabe und ist damit ein wichtiger Service-Partner der Apotheken. DAP unterstützt Apotheker und Apothekerinnen sowie PTA bei der richtigen Rezeptbelieferung und stellt eine Vielzahl von Arbeitshilfen, Postern, Fortbildungen und anderen kostenlosen Servicematerialien zu den verschiedenen in der Apotheke anfallenden Aufgaben zur Verfügung.

Die Online-Services des DeutschenApothekenPortals finden Sie Hier

Falls Sie die DAP-Medien noch nicht beziehen oder eine Frage an das DAP haben, schreiben Sie einfach eine Mail an info@deutschesapothekenportal.de

Retaxfrage?

Gerne unterstützen wir Sie in unserer Rubrik "Retax-Fragen" in Zusammenarbeit mit dem DeutschenApothekenPortal bei der Lösung von Problemen bei der Arzneimittelabgabe und bei der Vermeidung von Retaxationen. Haben Sie eine Frage zur Rezeptbelieferung? Dann schicken Sie Ihren Fall gerne an per Mail an uns. Bitte beachten Sie, dass wir keine akute Hilfestellung vor der Abgabe geben können.

Hier einsenden