Gefährdet Kleinschreibung die Arzneimittelsicherheit?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Eine Patientin von uns hat zwei Betäubungsmittelrezepte über „Palexia Retard 200 mg 100 Stück“ zulasten der Audi BKK in unserer Apotheke eingereicht. Auf den Verordnungen war das „A“ klein geschrieben. Nun erhielten wir eine Nullretaxation mit folgender Begründung:

„Laut BtM-Verordnung müssen Rezepte, die die Höchstmenge überschreiten vom Arzt mit einem „A“ gekennzeichnet sein.“

Ist diese Retaxation rechtmäßig?

Formfehler, die bei der Rezeptkontrolle übersehen werden, führen nicht selten zu einer Retaxation seitens der Krankenkassen. Gerade BtM-Rezepte bedürfen einer genauen Kontrolle, denn hier sind besondere Formalien zu beachten, z. B. die Kennzeichnung mit einem „A“ bei Überschreitung der Höchstmengen.

Das verordnete Arzneimittel „Palexia Retard“ enthält den Wirkstoff Tapentadol. Die Höchstverschreibungsmenge beträgt innerhalb von 30 Tagen 18.000 mg Tapentadol. Somit wurde die Höchstmenge schon mit der Verordnung einer Packung „Palexia Retard 200 mg 100 Stück“ überschritten. Der verordnende Arzt kennzeichnete das Rezept aufgrund dessen mit dem Buchstaben „a“.

Es stellt sich die Frage, ob die Kennzeichnung durch das kleingeschriebene „a“ von der Rezeptprüfstelle übersehen wurde, oder ob die Kleinschreibung des Buchstabens tatsächlich selbst der Grund der Retaxation war. In der BtMVV sind zur besonderen Kennzeichnung von BtM-Rezepten die Großbuchstaben „A“, „K“, „S“ und „Z“ vorgesehen, weshalb das kleingeschriebene „a“ genau genommen von der gesetzlichen Vorgabe abweicht. Dennoch ist die Nullretaxation für diesen „Formfehler“ nicht angemessen, da die Kennzeichnung mit dem Buchstaben „a“ eindeutig der überschrittenen Höchstmenge diente und die Verordnung folglich keine erkennbaren Irrtümer enthielt.

Fazit

Gegen diese Retaxation sollte Einspruch erhoben werden, da alle betäubungsmittelrechtlichen Formalien eingehalten wurden und die Arzneimittelsicherheit zu keinem Zeitpunkt gefährdet war. Wenn schon ein maschinell geschriebenes „a“ von der Krankenkasse als ein die Arzneimittelsicherheit gefährdender Formfehler angesehen wird, obwohl dieser Buchstabe eindeutig die Überschreitung der Höchstmenge kennzeichnet, ist fraglich, wie handgeschriebene Buchstaben von der Krankenkasse beurteilt werden, denn gerade bei handschriftlichen Vermerken kann oft nicht zwischen Klein- und Großschreibung differenziert werden. Dem Einspruch der Apotheke ist deshalb stattzugeben.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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