„Heimbewohner“ kein berechtigter Begriff für Pharmazeutische Bedenken?

Begriff „Heimbewohner“ impliziert durchaus eine Reihe von „Pharmazeutischen Bedenken“. / Bild: © Schelbert / PTAheute

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Uns liegen Retaxationen bezüglich angewendeter pharmazeutischer Bedenken vor. Die Rezepte waren unserer Ansicht nach korrekt mit der Sonder-PZN bedruckt und zusätzlich mit einer kurzen Begründung („Heimbewohner“) versehen.

Auf den Rezepten war jeweils „Madopar LT 100 Tbl. N3“ zulasten der DAK-Gesundheit verordnet (Zeitraum November 2015 bis Januar 2016). Da der Patient an Parkinson erkrankt und Heimbewohner ist sowie Madopar LT Tabletten auch bei Schluckbeschwerden verabreicht werden können, haben wir den Austausch durch Anwendung pharmazeutischer Bedenken verhindert.

Die DAK beanstandet nun, dass der von uns vermerkte Begriff „Heimbewohner“ nicht als Begründung ausreicht. Darf die Krankenkasse das überhaupt?

Antwort

Die Krankenkasse beanstandet eine ihrer Ansicht nach nicht ausreichende Begründung der pharmazeutischen Bedenken. Die Präparate der Hersteller Stada, Teva und Neuraxpharm waren zum Abgabezeitpunkt rabattiert.

Die Anwendung pharmazeutischer Bedenken lässt sich in Ihrem Fall jedoch gut begründen:

  1. Es handelte sich um einen älteren multimorbiden Patienten (kritische Patientengruppe).
  2. Es handelte sich um eine Parkinsontherapie, die eine genaue Einstellung und gleichmäßige Wirkspiegel erfordert (kritische Arzneimittelgruppe).
  3. Das verordnete Präparat kann anders als die Rabattartikel suspendiert werden (Patienten mit Schluckbeschwerden).

Für die Anwendung Pharmazeutischer Bedenken ist das Rezept gemäß § 4 Abs. 3 Rahmenvertrag mit der Sonder-PZN 02567024 in Verbindung mit Faktor 6 zu bedrucken sowie eine stichwortartige Begründung der Bedenken, die mit Datum und Unterschrift abgezeichnet werden sollte, aufzubringen.

Da alle Rezepte korrekt mit der Sonder-PZN bedruckt wurden und der Begriff „Heimbewohner“ die o. g. Probleme impliziert, ist diese Retaxation nicht gerechtfertigt. Da es sich um eine Dauerverordnung handelte, ist verständlich, dass nicht auf jedem Rezept ausführlich dargelegt wurde, wie sich die Bedenken im Einzelnen zusammensetzen.

Zusatzinformation:

Zum 01. Juni 2016 wurde eine Regelung in den Rahmenvertrag aufgenommen, die Retaxationen untersagt, wenn bei Anwendung Pharmazeutischer Bedenken die handschriftliche Begründung oder die Sonder-PZN auf dem Rezept fehlt (§ 3 Abs. 1 Rahmenvertrag). Einige Krankenkassen beziehen jedoch derzeit den Standpunkt, dass die Regelung erst für Rezepte mit Abgabedaten nach dem 01. Juni 2016 gilt und retaxieren demnach Rezepte mit Abgabedaten vor dem 01. Juni 2016 wie bisher.

Fazit

Insbesondere vor dem Hintergrund der neuen Festlegungen zu Retaxationen in § 3 Rahmenvertrag sollte die Krankenkasse bei einer vorhandenen Begründung, die je nach Betrachtungsweise als ausreichend oder nicht ausreichend eingestuft werden kann, eine nachträgliche Erläuterung akzeptieren. Eine partnerschaftliche Verhaltensweise wäre in Fällen wie diesen wünschenswert. Die Retaxationen sollten zurückgenommen werden. 

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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