Homöopathikum auf Kassenrezept erstattungsfähig?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir belieferten folgende Verordnung zulasten der Deutschen BKK für einen Erwachsenen:

„Calcium Quercus Inject 50 x 1 ml AMP N2“

Die Rezeptprüfstelle retaxierte das Rezept mit der Begründung, dass es sich nicht um eine Kassenleistung handelt und dass das verordnete Arzneimittel nicht zur Behandlung der in Anlage I aufgeführten Indikationsgebiete angewendet wird.
Wir haben bereits einen Einspruch eingelegt, der leider abgelehnt wurde.
Wie sollen wir in Zukunft verfahren? Darf ein Homöopathikum überhaupt zulasten der GKV abgegeben werden und wie sollen wir überprüfen, ob ein entsprechendes Indikationsgebiet vorliegt?

Bild: © Herrndorff - Fotolia.com

Antwort

Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sind in der Regel nicht erstattungsfähig zulasten der GKV (nach § 31 SGB V). Allerdings gibt es Ausnahmen, in denen das OTC-Arzneimittel auf einem Kassenrezept verordnet werden darf.

Der Arzt hat sich bei der Verordnung an die Vorgaben der Arzneimittelrichtlinie (AM-RL § 12) und der Anlage I (OTC-Liste) zu halten:

„1Für die in der Anlage I aufgeführten Indikationsgebiete kann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt bei schwerwiegenden Erkrankungen auch Arzneimittel der Anthroposophie und Homöopathie verordnen, sofern die Anwendung dieser Arzneimittel für diese Indikationsgebiete und Anwendungsvoraussetzungen nach dem Erkenntnisstand als Therapiestandard in der jeweiligen Therapierichtung angezeigt ist. 2Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt hat zur Begründung der Verordnung die zugrunde liegende Diagnose in der Patientendokumentation aufzuzeichnen.“

Der Arzt muss also prüfen, ob das Arzneimittel den geforderten Kriterien entspricht und die Verordnung anschließend dokumentieren.
Die Apotheke hingegen muss prüfen, ob es sich bei dem verordneten homöopathischen Arzneimittel um ein bedingt erstattungsfähiges handelt. Als bedingt erstattungsfähig sind diejenigen gekennzeichnet, die der Anlage I der AM-RL (OTC-Übersicht) entsprechen. Die Prüfpflicht auf Indikationsübereinstimmung obliegt der Apotheke hingegen nicht – aus folgenden Gründen:

  • auf Arzneimittelverordnungen der besonderen Therapierichtungen sind keine Indikationen genannt  
  • bei diesen Arzneimitteln besteht keine Indikationszulassung 
  • diese Arzneimittel weisen sehr vielfältige, individuelle Anwendungsgebiete auf 

Fazit

Sollten ähnliche Retaxationen weiterhin vorkommen und die Apotheke möchte auf Nummer sicher gehen, so kann sie folgendermaßen verfahren:

  • vor der Belieferung bei der Krankenkasse eine Genehmigung einholen 
  • Kassenrezepte als Privatrezepte behandeln 
  • privatrechtliche Vereinbarungen mit Patienten treffen, dass diese ggf. die Kosten selbst übernehmen, falls die Kasse die Erstattung ablehnt 
Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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