Ist eine Überschreitung der Abgabefrist legitim?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir bekamen zwei Retaxierungen mit der Begründung:

„Keine Belieferung der Verordnung innerhalb eines Monats“

Es handelte sich um zwei Desensibilisierungslösungen, die aufgrund der Herstellungsdauer nicht innerhalb der Rezeptgültigkeit von einem Monat aufgrund der Herstellungsdauer abgegeben werden konnten. Das Bestelldatum, oder viel mehr das Datum der Rezeptvorlage bei uns in der Apotheke haben wir sogar auf die Verordnung geschrieben. Ebenso einen Hinweis auf die individuelle Herstellung. Somit müsste die Kasse doch wissen, warum das Abgabedatum und damit auch das Druckdatum der Verordnung verspätet war.

Richtig ist, dass Rezepte zulasten der AOK Rheinland/Hamburg einen Monat gültig sind und die Abgabe innerhalb dieser Frist erfolgen muss, sonst entfällt der Anspruch auf Vergütung.

Weiter wird aber in § 4 Abs. 8 des Arzneiliefervertrages eingeschränkt:

„es sei denn, der Apotheker macht glaubhaft, dass die Fristüberschreitung aus Gründen der Herstellung, Beschaffung oder Genehmigung unvermeidbar war.“

In Nordrhein darf die Arzneimittelabgabe sogar noch dann erfolgen, wenn die Vorlage innerhalb von zwei Monaten erfolgt, zudem Rücksprache mit dem Arzt gehalten wurde und dieser keine Einwände gegen eine verspätete Abgabe erhebt (ebenfalls § 4 Abs. 8)

Eine Rücksprache mit dem Arzt war allerdings in diesem Fall nicht notwendig, da die Vorlage der Verordnung innerhalb der Monatsfrist erfolgte. Da die Fristüberschreitung aufgrund der Herstellung unvermeidbar war und dies auf der Verordnung dokumentiert wurde, ist die Retaxierung von der Kasse zurückzunehmen.


Übrigens: Legt eine Apotheke Einspruch gegen eine Retaxierung ein und die Kasse nimmt innerhalb der vertraglich vereinbarten Frist (im Falle der AOK Rheinland/Hamburg innerhalb von vier Monaten) keine Stellung, so gilt ein Einspruch als anerkannt!

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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