N3 ist gleich N3?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Unsere Apotheke erreichte eine Retaxation, die wir nicht nachvollziehen können. Es handelt sich dabei um folgende Verordnung:

Krankenkasse: LKK Niederbayern/Oberpfalz/Schwaben, IK 109008837
Verordnet: 1 x Letrozol beta 2,5 mg FTA 100 St. N3, PZN 08411033
Abgabedatum: 05.12.2014

Wir haben 1 x Letrozol beta 2,5 mg FTA 120 St. N3, PZN 08411056 abgegeben, da dieses Arzneimittel rabattiert und auch an Lager war. Der Patient konnte daher direkt versorgt werden. Die Krankenkasse retaxierte uns diese Verordnung mit der Begründung „Verordnung nicht korrekt beliefert – Abgabemenge/Packungsgröße“. Sie führte auch einen Auszug aus dem Versorgungsvertrag Bayern (§ 3 Abs. 13) an:

„(13) Werden dem Apotheker Verordnungen vorgelegt, die hinsichtlich der Menge abgeändert oder ergänzt sind, so dürfen diese nur beliefert werden, wenn der Apotheker mit dem Vertragsarzt Rücksprache gehalten und das Ergebnis der Rücksprache auf dem Verordnungsblatt vermerkt und abgezeichnet hat. Ist der Vertragsarzt nicht erreichbar, ist die kleinere Packung abzugeben.“

Es lag aber keine Mengenänderung oder -ergänzung vor, als das Rezept vorgelegt wurde, die 120er-Packung war zum fraglichen Zeitpunkt rabattiert und trägt die gleiche N-Kennzeichnung. Wir werden Einspruch einlegen. Was sagen Sie zu dieser Retax?

Durch das Inkrafttreten des AMNOG am 01.01.2011 wurde festgelegt, dass Packungen eines N-Bereichs als identische Größen anzusehen sind. Dieser Beschluss wurde ebenfalls in den Rahmenvertrag übernommen:

§ 4 (1) Rahmenvertrag „c) identische Packungsgröße, als identisch gelten auch Packungsgrößen, die nach der geltenden Fassung der Rechtsverordnung nach § 31 Absatz 4 SGB V (Packungsgrößenverordnung) dem gleichen Packungsgrößenkennzeichen zuzuordnen sind.“

§ 4 (2) Rahmenvertrag „Die Apotheke hat vorrangig ein wirkstoffgleiches Fertigarzneimittel abzugeben, für das ein Rabattvertrag nach § 130a Absatz 8 SGB V („rabattbegünstigtes Arzneimittel“) besteht [...].“

Zum Zeitpunkt der Belieferung waren auch 100er-Packungen anderer Hersteller rabattiert, jedoch nicht an Lager:

Die Apotheke bewegte sich mit der Abgabe der 120er-Packung innerhalb der gesetzlichen und vertraglichen Abgabebestimmung, weshalb weder ein Vermerk noch eine Rezeptänderung nötig war. Eine Abgabe des verordneten Letrozol beta 2,5 mg FTA 100 St. N3 wäre gemäß § 4 Rahmenvertrag keine Option gewesen, da dieses nicht rabattiert war.

Dass sich die Krankenkasse auf § 3 Abs. 13 des Versorgungsvertrags Bayern stützt, greift in diesem Falle nicht. Bei den RVO-Kassen in Bayern existiert keine Vorschrift, die besagt, dass man aus mehreren Rabattarzneien eines N-Bereichs immer die kleinere Packungsgröße abgeben muss. Daher sollte sich die Apotheke auf den bundesweit gültigen Rahmenvertrag berufen:

§ 4 (2) Rahmenvertrag „Die Apotheke hat vorrangig ein wirkstoffgleiches Fertigarzneimittel abzugeben, für das ein Rabattvertrag nach § 130a Absatz 8 SGB V („rabattbegünstigtes Arzneimittel“) besteht […]. Treffen die Voraussetzungen nach Satz 1 bei einer Krankenkasse für mehrere rabattbegünstigte Arzneimittel zu, kann die Apotheke unter diesen frei wählen.“

Fazit

Die Apotheke hat korrekt nach den gesetzlichen und vertraglichen Vorgaben gehandelt. Daher ist die Retaxation seitens der Krankenkasse unberechtigt und zurückzunehmen.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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